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Nach dem Vorwahlkampf : Den Namen Romney erwähnte Santorum nicht

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Verkündung eines Küchentischentscheids: Rick Santorum mit seiner Frau und einigen seiner Kinder Bild: REUTERS

Die Kandidaten der Republikaner haben sich in ihrem quälenden Vorwahlkampf nichts geschenkt. Doch die Risse zwischen Moderaten und Rechtskonservativen werden zu kitten sein, wenn am Ende ein Ziel die Parteiströmungen eint: Obama aus dem Weißen Haus zu vertreiben.

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          So viel Einigkeit über Rick Santorum war nie: Nach seinem Rückzug aus dem Vorwahlkampf der Republikaner hat alle Welt dem früheren Senator aus Pennsylvania bescheinigt, den richtigen Schritt zum richtigen Zeitpunkt getan zu haben. Santorum wandte sich mit einer sehr emotionalen und sehr persönlichen Rede aus Gettysburg an die Nation. Der Name des Städtchens im Süden von Pennsylvania ist seit je mit einer der entscheidenden Schlachten des amerikanischen Bürgerkrieges und mit der „Gettysburg Address“ von Abraham Lincoln vom November 1863 verbunden, der wohl größten Rede eines amerikanischen Präsidenten überhaupt.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Santorum wurde von seiner Frau Karen und seinen fünf ältesten Kindern begleitet, und der einstige Senator war der Einzige auf der kleinen Rednerbühne, der die Tränen zurückzuhalten vermochte. Man mag Santorum, seiner Frau und seinen Kindern glauben, dass die schwere Krankheit der jüngsten Tochter Bella eine wichtige Rolle bei der gemeinsam „am Küchentisch“ getroffenen Entscheidung zur Aufgabe der Kandidatur gespielt hat. Das drei Jahre alte Mädchen leidet seit der Geburt an den Symptomen einer seltenen Chromosomentrisomie. Bella musste mehrfach wegen Infektionen stationär im Krankenhaus behandelt werden, am Osterwochenende wegen einer Lungenentzündung. Santorum setzte seinen Wahlkampf während der Krankenhausaufenthalte der jüngsten Tochter mehrfach aus.

          Kampf gegen Obama

          Er erzählte aber auch im Wahlkampf viel von ihr, um seine familienpolitische Haltung darzustellen. In seiner Rede von Gettysburg erwähnte Santorum die Tochter Bella mehrfach. Der Name des Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney, der nun faktisch unangefochten ist, ging ihm dagegen gar nicht über die Lippen. Doch zuvor hatte Santorum mit Romney telefoniert, wie aus dem Stab Santorums zu erfahren war. Er wird Romney versichert haben, was er auch bald öffentlich bekräftigen dürfte: Seine volle Unterstützung beim Kampf ums Weiße Haus und gegen Präsident Barack Obama. „Unser Kampf ist noch nicht zu Ende“, versicherte Santorum.

          Doch eine Fortsetzung als Rivale Romneys wäre für den 53 Jahre alten Politiker nicht sinnvoll gewesen. Stattdessen hat er seinen wohl vorübergehenden Abschied auf dem Zenit genommen. Nach den klaren Niederlagen gegen Romney bei den Vorwahlen vom 3. April in Wisconsin, Maryland und im Hauptstadtdistrikt Washington drohte ihm bei der nächsten Runde eine noch schmerzhaftere Niederlage: Am 24. April wird in Santorums Heimatstaat Pennsylvania gewählt, und seit kurzem sahen einige Umfrageinstitute selbst dort Romney, den früheren Gouverneur von Massachusetts, vorn. Eine Niederlage „daheim“ hätte Santorums politische Karriere womöglich irreparabel beschädigt. Im November 2006 verlor Santorum, der sich um eine dritte Amtsperiode von sechs Jahren im Senat beworben hatte, gegen den populären Demokraten Bob Casey - und zwar mit 41 zu 59 Prozent. Es war die schwerste Wahlschlappe eines amtierenden Senators seit 1980. Selbst in dem für fast alle Republikaner schwierigen Wahljahr 2006 war schon das einem politischen Vernichtungsschlag nahegekommen.

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