https://www.faz.net/-gpf-9fu98

Nach Briefbomben-Versand : Trump sieht Mitschuld bei Medien

  • Aktualisiert am

Präsident Donald Trump benennt am Mittwochabend in Mosinee die Verantwortlichen der Briefbomben: die Medien. Bild: Reuters

Der Versand mehrerer Briefbomben an Kritiker von Donald Trump versetzt Amerika in Aufregung. Nun meldet sich der Präsident selbst zu Wort – zunächst besonnen. Dann geht er in die Offensive.

          Nach dem Versand mehrerer Rohrbomben an Kritiker von Donald Trump hat der amerikanische Präsident zu mehr Anstand in der politischen Debatte aufgerufen und die Mitverantwortung der Medien betont. „Diejenigen, die sich in der politischen Arena befinden, müssen damit aufhören, politische Gegner als moralisch fehlerbehaftet zu behandeln“, sagte Trump am Mittwochabend (Ortszeit) bei einem Wahlkampfauftritt im Bundesstaat Wisconsin.

          Trump tut sich allerdings selbst regelmäßig mit heftigen Attacken auf die oppositionellen Demokraten und andere Kritiker hervor, vergreift sich dabei häufig im Ton oder wird gar beleidigend. Zuletzt bezeichnete er die Demokraten mehrfach als „Kriminelle“ und „Mob“.

          Der Präsident erklärte vor seinen Anhängern in der Stadt Mosinee: „Wir sollten Menschen im öffentlichen Raum nicht anpöbeln oder öffentliches Eigentum zerstören.“ Zudem nahm er Journalisten in die Pflicht. „Die Medien stehen auch in der Verantwortung, einen zivilisierten Ton zu setzen und die endlosen Anfeindungen sowie die ständigen negativen und oft falschen Angriffe und Geschichten zu stoppen.“

          Trump selbst hat ihm unliebsame Medien, die kritisch über ihn berichten, wiederholt als „Feinde des Volkes“ bezeichnet. Am vergangenen Donnerstag lobte er einen Kongressabgeordneten für dessen gewaltsamen Angriff auf einen Journalisten.

          Trump kam bei der Wahlkampfveranstaltung auf die Sprengsätze zu sprechen, die an demokratische Politiker wie den ehemaligen Präsidenten Barack Obama geschickt worden waren. Er sprach sich zunächst für Mäßigung in der öffentlichen Debatte aus – und forderte dann, Medien müssten dazu beitragen, „Gräben zu überwinden und die Menschen zusammenzubringen“.

          Kurz vor den Kongresswahlen, die Anfang November in den Vereinigten Staaten anstehen, hatte der Fund der Rohrbomben am Mittwoch für Aufruhr gesorgt. Sie waren an prominente demokratische Politiker und Trump-Kritiker wie den ehemaligen Präsidenten Barack Obama, dessen frühere Außenministerin Hillary Clinton und den ehemaligen CIA-Direktor John Brennan adressiert, wurden aber rechtzeitig abgefangen. Eine der Bomben wurde im Briefzentrum des Senders CNN entdeckt.

          Am Donnerstag bestätigte die amerikanische Bundespolizei FBI zudem, dass auch an die demokratische Kongressabgeordnete Maxine Waters zwei Paketbomben adressiert waren. Damit steigt die Zahl der an prominente Demokraten versendeten Sprengsätze auf acht.

          Die „New York Times“ berichtete unter Berufung auf die Polizei, das Paket an Clinton weise Ähnlichkeiten zu der Briefbombe auf, die am Montag am amerikanischen Wohnsitz des Milliardärs und Philanthropen George Soros gefunden worden war. Ein Angestellter hatte den Sprengsatz im Briefkasten von Soros' Anwesen in Bedford nördlich von New York entdeckt. Sprengstoffexperten hätten den Gegenstand dann explodieren lassen. In den Vereinigten Staaten hat Soros seit Jahren die Demokraten unterstützt.

          Der New Yorker Bürgermeister Bill de Blasio sprach von einem Terrorakt. Es sei eindeutig ein Terrorakt, der darauf abziele, die freie Presse und Politiker einzuschüchtern, sagte er am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in New York. Ziel einer solchen Aktion sei, die Gesellschaft zu terrorisieren. Blasio sprach von einem „sehr beunruhigenden Vorfall“. Die Situation sei aber unter Kontrolle, es sei zum jetzigen Zeitpunkt keine konkrete Gefahr für weitere Ziele in New York bekannt. Dennoch sei die Polizeipräsenz in der Stadt erhöht.

          Weitere Themen

          Links unterm Triumphbogen

          Wahlkampf in Amerika : Links unterm Triumphbogen

          Elizabeth Warren begeistert bei einem Auftritt Tausende New Yorker. Die Senatorin will für die Demokraten um das Präsidentenamt kandidieren, strenge Regeln für Lobbyisten und eine neue Vermögenssteuer.

          Topmeldungen

          SPD-Regionalkonferenz Hamburg : Moin, Moin

          Die Kandidatentour der SPD ist in Hamburg angekommen – der Heimat des Favoriten Olaf Scholz. Aber ist es deshalb auch ein leichtes Heimspiel?

          AfD-Wahlkampf in Thüringen : „Extrem bürgerlich“

          Beim Wahlkampfauftakt der Thüringer AfD in Arnstadt versucht die Partei, sich ein bürgerlich-konservatives Image zu geben. Doch vor allem die Aussagen eines Redners lassen daran Zweifel aufkommen – und es ist nicht Björn Höcke.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.