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Nach Anschlag in Pittsburgh : Wählen in Zeiten des Terrors

  • -Aktualisiert am

Trauer um die Opfer des Anschlages in Pittsburgh Bild: AP

Nach dem schwersten antisemitischen Anschlag, den die Vereinigten Staaten je erlebt haben, kritisieren viele die Hass-Rhetorik des Präsidenten. Der Terror könnte Auswirkungen auf die Zwischenwahlen haben.

          Viele Menschen in Amerika stehen noch unter Schock. Sie trauern um die elf Menschen, die am Samstag während einer Beschneidungsfeier in einer Synagoge in Pittsburgh von einem rechtsradikalen Attentäter ermordet wurden. Der bislang schwerste antisemitische Anschlag auf amerikanischem Boden folgte auf eine Woche der Gewalt. In Kentucky erschoss ein Mann am Mittwoch zwei schwarze Senioren in einem Supermarkt, nachdem er versucht hatte, in eine vor allem von Schwarzen besuchte Kirche einzudringen. Als die Polizei ihn stellte, soll er gerufen haben: „Weiße töten keine Weißen“. Die Behörden gehen von einem Hassverbrechen aus. Und die Bomben-Pakete, die an die Clintons, die Obamas und prominente Demokraten gesandt wurden, kamen von einem Mann, der im Netz rechte Verschwörungstheorien verbreitet hatte.

          Präsident Donald Trump setzte angesichts der Gewalt wie so oft auf gemischte Botschaften. Die Briefbomben und den Anschlag von Pittsburgh verurteilte er. Für den Attentäter in der Synagoge verlangte er die Todesstrafe und bezeichnete Antisemitismus als böse. Aber Trump verbreitete gleichzeitig weiter die aggressiven Botschaften, die auch die mutmaßlichen Täter weiter getragen hatten. Die angebliche Bedrohung durch die Karawane von Migranten in Mittelamerika ist zu einem Fokus des republikanischen Wahlkampfes geworden. Viele Trauernde kritisierten den Präsidenten auch, weil er am Samstag nach dem Anschlag eine Wahlkampfveranstaltung in Indianapolis nicht absagte und dann auch noch witzelte, er habe fast abgesagt, weil er einen „bad hair day“ habe. Auch „victim blaming“ warfen Kritiker Trump vor, weil er gegenüber Reportern behauptete, ein bewaffneter Wachmann hätte den Attentäter stoppen können. „Vielleicht wäre dann außer ihm jetzt niemand tot, offen gesagt“, sagte Trump in Indianapolis.

          Der Anschlag von Pittsburgh folgt auf einen stetigen Anstieg antisemitischer Verbrechen und Vergehen in Amerika. Im Jahr 2017 gab es laut der „Anti-Defamation League“ 57 Prozent mehr gemeldete antisemitische Taten als im Jahr davor. Das sei der zweitstärkste Anstieg laut Beginn der Erhebungen der Bürgerrechtsorganisation im Jahre 1979. Auch der mutmaßliche Attentäter von Pittsburgh war fixiert auf seinen Judenhass. Davon zeugen seine Aktivitäten im Online-Netzwerk Gab. Er war besessen von der weltweiten Hilfe für Flüchtlinge, die die jüdische Organisation HIAS leistet und machte sie für die vermeintliche Gefahr durch den Migranten-Konvoi in Lateinamerika mitverantwortlich. Die „Hebrew Immigrant Aid Society“ ist in Europa vor allem bekannt, weil sie Juden aus Deutschland und anderen Staaten bei der Flucht vor den Nazis half.

          Bedienen von Judenhasser-Codes

          Antisemitismus spielt auch für viele rechte Anhänger von Trump eine Rolle. In ihren Internetforen sind antisemitische Verschwörungstheorien gang und gäbe. Judenhass ist keine Voraussetzung dafür, Trump-Fan zu sein, und viele seiner Wähler sind keine Antisemiten. Aber ein Antisemit kann unter dem populistischen Schirm seinen Platz finden. Mit seinen Tiraden über „Globalisten“ und demokratische Spender wie George Soros kann der Präsident Judenhasser-Codes bedienen, ohne zu deutlich zu werden. Ob Trump selbst Juden verachtet, ist dabei beinahe nebensächlich. Ob seine Anspielungen auf antisemitische Topoi von Herzen kommen oder ein taktisches Element sind – seine Fans verstehen, was sie verstehen wollen.

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