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Nach Anschlag in Pittsburgh : Wählen in Zeiten des Terrors

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Die antisemitischen Lockangebote von Trumps Wahlkampagne 2016 sind inzwischen fast vergessen. Da war etwa das Bild von Hillary Clinton, einem sechszackigen Stern und einem Haufen Geld, das auch seine eigenen Mitarbeiter so unpassend fanden, das sie es löschten – nur um von Trump dafür kritisiert zu werden. Da waren Tiraden über Hillary Clinton, die „sich im Geheimen mit internationalen Banken trifft, um die Zerstörung der amerikanischen Souveränität zu planen“ und über eine „globale Machtstruktur“, die sich gegen die Amerikaner verschworen habe. Nach dieser Rede im Oktober 2016 rief die „Anti-Defamation League“ den Kandidaten auf, „Rhetorik und Topoi zu vermeiden, die historisch gegen Juden verwendet wurden“.

Den tödlichen rechten Terror in Charlottesville im vergangenen Sommer leiteten Rechtsextreme mit einem Fackelzug ein, bei dem sie brüllten: „Juden werden uns nicht ersetzen.“ Das hielt Trump nicht davon ab, zu behaupten, es gebe „zwei Seiten“ dieses Ereignisses und auf beiden Seiten gebe es „sehr feine Menschen“. Trump und seine Mitarbeiter, wie etwa Ex-Chef-Stratege Steve Bannon, umwarben stets auch den rechten Rand – die einen mit mehr oder weniger offenem Antisemitismus, die anderen mit Ressentiments gegen Muslime, Rassismus oder Angriffen gegen die reproduktive Selbstbestimmung. Mitglieder der Organisation „Bend the Arc“ und der jüdischen Gemeinden in Pittsburgh schrieben in einem offenen Brief an Trump, dieser sei in der Stadt nicht willkommen, bis er sich endlich deutlich vom weißen Nationalismus und Rechtsradikalismus distanziere. „In den vergangenen drei Jahren haben Ihre Worte und Ihre Politik eine wachsende Bewegung des weißen Nationalismus gestärkt. Sie selbst haben den Mörder bösartig genannt, aber die gestrige Gewalt ist eine direkte Kulmination Ihres Einflusses“, heißt es in dem am Sonntag veröffentlichten Brief an den Präsidenten. „Unsere jüdische Gemeinschaft ist nicht die einzige Gruppe, die Sie ins Visier genommen haben. Sie haben auch die Sicherheit von farbigen Menschen, Muslimen, LGBTQ (Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender und Queer) und Menschen mit Behinderungen unterminiert.“

Haben die Anschläge Auswirkungen auf die Wahl?

Wie die Wähler bei den Zwischenwahlen für den Kongress auf die Morde in Pittsburgh und in Kentucky und auf die Paketbombensendungen reagieren, ist indessen schwer vorauszusagen. Manche Fachleute glauben, dass Donald Trump durchaus Recht hatte, als er sich darüber beklagte, die Berichterstattung über den „Bomben-Kram” bremse ein vermeintliches „Momentum“ der Republikaner aus. Unentschlossene Wähler und solche, die bislang nicht abstimmen wollten, könnten durch die Ereignisse tatsächlich aufgeschreckt werden. Wechselwähler und Nichtwähler gibt es jedoch in allen Gruppen, weshalb allgemeine Aussagen über sie schwer sind. Das können Menschen aus der weißen Mittelschicht im Mittleren Westen sein, die von den Republikanern enttäuscht sind, keine Demokraten wählen wollen, und deswegen bislang zu Hause bleiben wollten. Es können aber auch Arbeiter sein, die Trump aus Protest unterstützt haben und nun noch nicht wissen, wie sie wählen werden. Und viele Afroamerikaner haben bei den letzten Wahlen nicht abgestimmt, weil sie sich von keiner Partei vertreten fühlten; noch ist nicht gesagt, ob sie die politischen Angebote der Parteien inzwischen überzeugender finden als 2016.

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