https://www.faz.net/-gpf-9raa5

Nach Angriff auf Saudi-Arabien : Trump will keinen Konflikt mit Iran

  • -Aktualisiert am

Abwarten, was die Untersuchung des Angriffsvektors ergibt: Trump am Montag in Albuquerque Bild: ERIN SCHAFF/The New York Times/R

Der amerikanische Präsident sagt, er wolle keinen Krieg gegen Iran. Er schließt aber auch nichts aus. Riad spielt nach den Angriffen ebenfalls auf Zeit.

          2 Min.

          Zwei Tage lang hatte der amerikanische Präsident mit widersprüchlichen Signalen auf den Angriff auf die saudische Ölindustrie reagiert. Als er am Montag dann erstmals seit dem Vorfall Journalisten im Weißen Haus begegnete, dämpfte er den Ton. Hatte er vorher noch davon gesprochen, dass sein Land gleichsam Gewehr bei Fuß stehe, und mit Blick auf den möglichen Urheber Iran geäußert, das Regime in Teheran habe schon bei anderer Gelegenheit große Lügen verbreitet, so machte er nun den Eindruck, eine Eskalation am Persischen Golf vermeiden zu wollen.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Auf die Frage, ob Iran für den Drohnen- und Raketenangriff verantwortlich sei, sagte er: „Es sieht danach aus.“ Einerseits wies er so in Richtung Teheran, andererseits legte er sich nicht fest. Es werde noch weiter geprüft. Später fügte er hinzu: Die Fachleute schauten sich den Angriffsvektor und andere Dinge an. Man werde in Kürze Gewissheit haben. Auf die Frage, warum er vorsichtiger formuliere als sein eigener Außenminister Mike Pompeo, erwiderte Trump: Er denke, er sei sich mit seinem Außenminister einig. Man wolle die abschließenden Daten abwarten, dann sehe man weiter.

          Uneinige Regierung

          Pompeo hatte schon am Samstag Iran einen „beispiellosen Angriff“ auf die Welt-Energieversorgung vorgeworfen. Auch andere Mitglieder der Trump-Regierung machten Teheran verantwortlich: Verteidigungsminister Mark Esper sagte, er habe mit dem saudischen Kronprinzen Muhammad bin Salman und dem irakischen Verteidigungsminister Najah al Shammari gesprochen. Die Streitkräfte der Vereinigten Staaten arbeiteten mit ihren Partnern daran, eine Antwort auf den beispiellosen Angriff zu finden und die normorientierte Weltordnung zu verteidigen, die durch Iran untergraben werde.

          In New York sagte die neue amerikanische UN-Botschafterin Kelly Craft im Sicherheitsrat, Informationen, die nach und nach bekannt würden, deuteten darauf hin, dass Iran verantwortlich sei. Und der einflussreiche republikanische Senator Lindsey Graham sagte am Dienstag: „Wir wollen, dass Iran einen Preis dafür zahlt.“

          Trump jedoch fuhr im Weißen Haus fort, er wolle keinen Krieg mit Iran, überhaupt wolle er „mit niemandem“ Krieg. Die Möglichkeiten der Diplomatie seien nie erschöpft. Er schloss aber auch nichts aus: Sein Land sei auf einen Konflikt vorbereitet. Pompeo werde bald mit einer Delegation nach Riad reisen. Die Amerikaner hatten den Saudis laut einem Bericht des „Wall Street Journal“ Geheimdienstinformationen zukommen lassen, wonach der Angriff von Iran ausging. Da die Saudis zuerst skeptisch reagiert hätten, hätten Regierungsvertreter angekündigt, in den kommenden Tagen weitere Informationen zur Verfügung zu stellen.

          Krisenfeste Partner Trump und bin Salman

          Trump hatte zuvor deutlich gemacht, man wolle vom saudischen Königshaus hören, zu welcher Reaktion es neige. Er äußerte, die Saudis wollten, „dass wir sie beschützen“. Und: „Wir würden ihnen gewiss helfen.“ Er habe Riad aber bisher keine Unterstützung versprochen. Bei möglichen Vergeltungsmaßnahmen müsste Saudi-Arabien eine große Rolle spielen und sich finanziell beteiligen, fügte er hinzu.

          Trump, der ein enges, krisenfestes Verhältnis zum Kronprinzen pflegt, hat immer wieder deutlich gemacht, dass er an der Rüstungspartnerschaft mit Riad auch gegen Kritik aus den eigenen Reihen festhalten will. Die alte, nach dem Zweiten Weltkrieg begründete Sicherheitspartnerschaft, wonach Riad Amerika Öl liefert und Washington im Gegenzug die Macht des Königshauses sichert, gilt aber nicht mehr im gleichen Maße, seitdem die Vereinigten Staaten selbst zum größten Energieproduzenten aufgestiegen sind. War es unter Barack Obama aus politischen Gründen zu einer Entfremdung zwischen beiden Staaten gekommen, leitet Trump schlicht das Ziel, sich nicht in militärische Konflikte hineinziehen zu lassen.

          Saudi-Arabien kündigte unterdessen an, die Vereinten Nationen und internationale Fachleute einzuladen, sich an den Ermittlungen zu den Angriffen zu beteiligen. Dies lässt sich als Zeichen deuten, dass es in der saudischen Regierung genauso wie in Washington Bemühungen gibt, auf Zeit zu spielen. Denn man fürchtet, ein Vergeltungsschlag werde zu einer militärischen Eskalation führen, die in einem großen Konflikt enden könnte.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Annegret Kramp-Karrenbauer : Sie setzt alles auf eine Karte

          Sollte die Verteidigungsministerin einmal Kanzlerin sein, wird sie für den Mut gepriesen werden, den sie mit ihrem Syrien-Vorstoß beweist. Sollte sie es nicht werden, wird der Vorschlag ein Beispiel dafür sein, dass sie sich übernommen hat. Eine Analyse.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.