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Trump und die Ukraine-Affäre : Die Verteidigungsstrategie fällt in sich zusammen

  • -Aktualisiert am

Doch ein Geben und Nehmen?

Während in Washington noch Verwunderung darüber herrscht, ob der Präsident, der stets hervorgehoben hat, dass es eben kein „quid pro quo“ und keine Erpressung Selenskyjs gegeben habe, nun angesichts der Zeugenaussagen im Kongress seine Strategie ändert, setzt das Weiße Haus Trump, der schon in Texas angekommen ist, in Kenntnis: Es gebe ein neues Problem. Die Beziehung des Präsidenten zu seinem Stabschef ist ohnehin strapaziert, weil Trump hatte feststellen müssen, dass die Veröffentlichung des Telefonprotokolls, zu der Mulvaney ihm geraten hatte, mitnichten den Druck aus dem Kessel genommen hatte. Und nun das. Jay Sekulow, ein zweiter persönlicher Anwalts Trumps, äußert nach Mulvaneys Auftritt, die Rechtsberatung Trumps sei nicht an der Presseunterrichtung des Stabschefs beteiligt gewesen. Mulvaney selbst veröffentlicht kurz darauf eine Erklärung: „Um es deutlich zu sagen: Es hat kein quid pro quo gegeben.“

In Texas besucht Trump zunächst eine neue Fabrik des Luxuswarenherstellers Louis Vuitton in Alvarado. Ein Termin nach dem Geschmack des Präsidenten. Doch statt nach Arbeitsplätzen gefragt zu werden, wird er auch auf Mulvaney angesprochen: Ob dieser noch sein Vertrauen genieße? Trump: „Ich habe großes Vertrauen.“ Es folgt der nächste Einschlag: Was er zum Rücktritt Rick Perrys, seines Energieministers, sage? Das sei schon länger geplant gewesen. Schon vor sechs Monaten habe man darüber gesprochen. In den vergangenen Tagen kursierte das Gerücht, Perry werde gehen. Nun bestätigt Trump, der Minister scheide irgendwann vor Jahresende aus dem Kabinett aus. Der Präsident will den Eindruck vermeiden, es habe irgendwas mit der Ukraine-Affäre zu tun. Sondland hatte schließlich Perry, Giuliani und sich selbst die „drei Amigos“ der Ukraine-Operation genannt.

In der Arena in Dallas wendet sich Trump direkt an Perry. Der frühere Gouverneur von Texas war den Tag über mit dem Präsidenten unterwegs. Nun steht er in der Halle neben den Senatoren des Bundesstaates und den Beratern Ivanka Trump und Jared Kushner. „Ich möchte dir danken, Rick“, sagt Trump. Mulvaney erwähnt er mit keinem Wort. Dann widmet sich der Präsident wieder den Demokraten: Die hätten keinen Respekt vor dem amerikanischen Volk. „Crazy Nancy“ beschimpft er die „Sprecherin“ des Repräsentantenhauses Nancy Pelosi. Erst der Russland-Schwindel, nun das Impeachment. Die nächste Hexenjagd.

Die Demokraten brächten nichts zustande. Es gehe nur darum, ihn loszuwerden. „Sie sind hinter mir her. Aber eigentlich sind sie hinter den Republikanern her.“ Das ist neu: Bislang hieß es bei ihm immer: Ich kämpfe für euch. Jetzt heißt es: Ein Angriff auf mich ist ein Angriff auf euch. Die Menge jubelt. Die Solidarität, die er einfordert, wird ihm gewährt. Ein Thema freilich, mit dem er seine Partei gegen sich aufgebracht hat, schneidet er nur kurz an: Er beende die endlosen Kriege, sagt er über den Rückzug aus Syrien. Und mit Blick auf die Mission des Vizepräsidenten Mike Pence in Ankara fügt er hinzu: „Heute hatten wir großen Erfolg.“

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