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Trumps Gegenspieler : Präsident in der Zange

  • -Aktualisiert am

Diesen Gefallen dürfte Mueller dem Präsidenten, der alle Untersuchungen in der Sache in früheren Statements bereits wütend als „Schwindel“ oder „von Steuerzahlern finanzierte Scharade“ bezeichnete, nicht tun. Fachleute gehen davon aus, dass die Ermittlungen sich „bis weit in das Jahr 2018 hinein“ ziehen werden, wie etwa der Jurist und CNN-Experte Jeffrey Toobin schätzt.

Auch vor Muellers Berufung hatte sich Amerikas Präsident bereits am Mittwoch ausgesprochen dünnhäutig gezeigt. „Kein Politiker in der Geschichte“ sei „schlimmer und unfairer“ behandelt worden als er, so Trump vor Absolventen der „United States Coast Guard Academy“ im Bundesstaat Connecticut. Sogar die Worte, die er den Kadetten mit auf den weiteren Lebensweg gab, klangen wie eine Botschaft an sich selbst: „Im Laufe Eures Lebens werdet Ihr merken, dass die Dinge nicht immer fair laufen. Aber Ihr müsst Euren Kopf hochhalten und kämpfen, kämpfen, kämpfen!“

Michael Flynn und Vladimir Putin bei einer Gala in Moskau Öffnen

Die Ansprache in Connecticut war mit Spannung erwartet worden, war sie doch Trumps erster öffentlicher Auftritt nach den belastenden Enthüllungen vom Dienstag, die inzwischen auch den amerikanischen Kongress beschäftigen. Bereits in der kommenden Woche will sich das Aufsichtskomitee des Repräsentantenhauses mit der Entlassung Comeys befassen. Man werde den gefeuerten FBI-Chef bitten, in der Sitzung am nächsten Mittwoch auszusagen, teilte der republikanische Ausschussvorsitzende Jason Chaffetz mit. Auch andere Untersuchungsausschüsse des Kongresses wollen Comey befragen und Einblick in Notizen erhalten, die er regelmäßig angefertigt haben soll. Auch über sein Treffen mit Trump im Februar soll Comey ein Memo geschrieben haben.

Trumps Mitarbeiter „völlig erschöpft“

Wird der Präsident jetzt von zwei ehemaligen FBI-Direktoren in die Zange genommen? Eigentlich sollte es in dieser Woche in Washington ruhiger zugehen, bevor sich der Präsident am Freitag zu seiner ersten Auslandsreise in fünf Länder aufmacht. Stattdessen brechen täglich neue Hiobsbotschaften über das Weiße Haus herein. Viele Mitarbeiter Trumps seien „völlig erschöpft“, berichten Insider.

Auch am späten Mittwochabend reißen die schlechten Nachrichten nicht ab. So soll Michael Flynn nach Informationen der Zeitung „New York Times“ das Übergangsteam um Vizepräsident Mike Pence bereits Wochen vor Trumps Amtseinführung informiert haben, dass gegen ihn wegen Lobbytätigkeiten im Ausland ermittelt werde. Trotzdem wurde er zum Nationalen Sicherheitsberater ernannt.

Dauerkrisenmodus

Eine Reporterin des Medienhauses „McClatchy“, das unter anderem die Zeitung „Miami Herald“ herausgibt, nimmt unterdessen eine wichtige Entscheidung Flynns genauer unter die Lupe. So soll dieser zehn Tage vor Beginn der Amtszeit Trumps einen Pentagon-Plan verhindert haben, syrische Kurden dabei zu unterstützen, die Stadt Rakka, Hochburg der Terrormiliz „Islamischer Staat“, zu erobern – ein Entschluss ganz im Sinne der türkischen Regierung, deren Interessen Flynn noch im vergangenen Jahr als Lobbyist vertrat.

Das Weiße Haus hat längst in den Dauerkrisenmodus geschaltet. Es wird viel reagiert, kaum noch agiert. Vom Selbstbewusstsein der ersten Tage ist wenig übrig geblieben. „Es ist ein neuer Sheriff in der Stadt“, hieß es zu Beginn der Amtszeit von Donald Trump in Washington mit Blick auf den neuen Präsidenten. Aus dem Sheriff von einst scheint ein Gejagter geworden zu sein.

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