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Andreas Ross (anr.)

Donald Trump : Schuldig im Sinne der Politik

  • -Aktualisiert am

High five: Donald Trump klatscht bei seiner Ankunft am internationalen Flughafen von Palm Beach Unterstützer ab. Bild: Reuters

Der Bericht von Sonderstaatsanwalt Mueller bestätigt üble Ahnungen über die Zustände im Weißen Haus – aber nicht über eine vermeintliche Verschwörung mit dem Kreml.

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          Robert Mueller hat keine Verschwörung zwischen Donald Trump und dem Kreml ausgemacht. Zudem ist der Sonderstaatsanwalt davor zurückgeschreckt, Trump der kriminellen Justizbehinderung zu bezichtigen. Muellers Abschlussbericht zeichnet aber das Bild eines Präsidenten, der sich verhält, als habe er etwas zu verbergen. Trump und etliche seiner Mitarbeiter haben die Öffentlichkeit und/oder das FBI belogen. Dem teils heimlichen Widerstand anderer Mitarbeiter wiederum hat Trump es mit zu verdanken, dass Mueller in Sachen Justizbehinderung nicht doch zu einer härteren Schlussfolgerung kam. Mehrere Vorstöße des Präsidenten, die Untersuchung abzuwürgen, scheiterten nur daran, dass Untergebene seinen Anordnungen nicht Folge leisteten. Die Selbstverständlichkeit, mit der Trumps Umfeld den Präsidenten auflaufen lässt, spricht ebenfalls Bände über die Zustände im Weißen Haus.

          Nach allem, was man über Trump weiß, müssen seine Attacken wider die „Russland-Untersuchung“ tatsächlich nicht bedeuten, dass er eben doch eine Leiche im Keller hätte. Architektur- oder Fernsehkritiker etwa können ein Lied davon singen, wie schnell sich schon der Bau- und Medienunternehmer Trump angegriffen fühlte und wie heftig er auf Kritik reagierte – ein weiterer Charakterzug, der ihn für sein Amt ungeeignet macht, aber nicht zum Fall für einen Richter.

          Trumps Unterstützer schwadronieren nach der Veröffentlichung des Mueller-Reports nun wieder vom „Freispruch“. Man wünschte ihnen, sie hielten kurz inne und malten sich aus, dass nichts von dem, was Mueller auf 448 Seiten ausführte, bereits bekannt gewesen wäre. Schwer vorstellbar, dass so viele Patrioten diesem narzisstischen, machtvergessenen, rachsüchtigen, in Wladimir Putin vernarrten Chaos-Präsidenten dann immer noch den Rücken stärken wollten. Justizminister William Barr wusste, warum er Trump erst vom Vorwurf der Justizbehinderung freisprach und dann fast vier Wochen wartete, bis der Kongress den Mueller-Bericht zu lesen bekam. Hätten die Abgeordneten das erste Wort gehabt, so wäre ein Amtsenthebungsverfahren deutlich wahrscheinlicher. Zum Schaden Amerikas müsste es allerdings nicht sein, wenn die Demokraten nun von ihrer Mueller- und Russland-Obsession abließen und sich darauf konzentrierten, Trump da zu stellen, wo er am verwundbarsten ist: in seinem Charakter und seiner Politik.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

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