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Mitt Romney : Durchs Weiße Haus in die Geschichtsbücher

Präsidentschaftskandidat Mit Romney und Ehefrau Ann zum Auftakt des Nominierungsparteitages der Republikaner in Tampa Bild: AFP

Mitt Romney rechnet immer alles so lang durch, bis auch das ungünstigste Szenario bedacht ist. Seit Jahren plant er die Reise, die ihn zum Präsidenten und seine Familie zur Dynastie machen soll.

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          Auf der Skala möglicher Sünden dürfte der Verzehr eines Muffins nicht so weit oben stehen. Sogar für ein rechtgläubiges Glied der „Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“, das auf Alkohol und Tabak und sogar auf Kaffee und Tee zu verzichten hat, ist der Biss ins Gebäck zulässig. Mitt Romney trinkt nicht und raucht nicht, er nimmt auch keine „heißen Getränke“ zu sich, wie die koffeinhaltigen Muntermacher in der Terminologie der Mormonen heißen. Aber Mitt Romney isst hin und wieder Muffins. Jedenfalls Teile davon.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Scott Helman ist Reporter der Tageszeitung „Boston Globe“; gemeinsam mit seinem Kollegen Michael Kranish hat er eine Biographie über den republikanischen Präsidentschaftskandidaten geschrieben. Helman berichtet von einer Begebenheit mit Romney auf einem Flughafen. Romney, sein Stab und einige mitreisende Journalisten warteten am Flugsteig auf das Zeichen zum Einsteigen. Dabei knabberte Romney an einem Muffin. „Wussten Sie, dass die Butter beim Backen nach unten sinkt?“, fragte Romney Helman. Der wusste es nicht und hatte auch keine Ahnung, was es mit der herabsinkenden Butter auf sich haben sollte. Worauf Romney erklärte: Weil sich das ungesunde Butterfett im unteren Teil des Muffins befinde, esse er immer nur den oberen Teil des Gebäcks. Den Rest werfe er in den Müll. „Es war eine unbedeutende Begebenheit“, erzählt Helman, „aber zugleich dachte ich, dass sie vielsagend war.“

          Die Politik zum Essen

          Das ist sie gewiss, zumal wenn man sie den mutmaßlichen Muffin-Gewohnheiten jenes Amerikaners gegenüberstellt, dem es zuletzt gelang, einen amtierenden Präsidenten aus dem Weißen Haus zu verjagen: Bill Clinton. Der 42. Präsident konnte bekanntlich kaum einer Versuchung widerstehen, erst recht nicht der eines Hamburgers mit Pommes Frites. Clinton, der 1992 den republikanischen Präsidenten George H. W. Bush besiegte und 1996 wiedergewählt wurde, ernährte sich nach Lust und Laune so lange so schlecht, bis seine Herzkranzgefäße schlappmachten. Eine vierfache Bypass-Operation rettete 2004 sein Leben. Erst danach änderte Clinton seine Essgewohnheiten und wurde Veganer. Doch als Clinton, dessen Präsidentschaft wegen der Monica-Lewinsky-Affäre fast vor der Zeit zu einem unrühmlichen Ende gekommen wäre, im Januar 2001 aus dem Weißen Haus auszog, ergaben Umfragen eine Zustimmungsquote zu seiner Amtsführung von 65 Prozent. Er ist bis heute einer der beliebtesten Politiker des Landes.

          Dass Bill Clinton ein Mensch aus (schwachem) Fleisch und (wallendem) Blut ist, hat ihm als Politiker nicht geschadet. Dass Mitt Romney ein untadeliger Ehemann und Familienvater zu sein scheint, dass er jederzeit die kühle Analyse der Ausschweifung vorzieht und sogar seinen Heißhunger auf Gebäck zu zügeln weiß, hat ihm bisher wenig genützt.

          Ein Endspiel

          Genau betrachtet ist Mitt Romney seit sechs Jahren Präsidentschaftskandidat. Damals war er zwar noch Gouverneur von Massachusetts, aber er verbrachte 200 Tage des Jahres 2006 außerhalb des neuenglischen Bundesstaates, um seinen ersten Anlauf aufs Weiße Haus im Jahr 2008 vorzubereiten. Vor vier Jahren scheiterte Romney noch in den republikanischen Vorwahlen und musste Senator John McCain den Vortritt lassen. Doch seinen zweiten Versuch von 2012 ging Romney so systematisch an, dass er vielen von Beginn an als der unausweichliche Kandidat galt. Er wehrte in der Vorrunde einen Herausforderer nach dem anderen ab. Jetzt geht es im Endspiel gegen Präsident Barack Obama.

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