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Mitt Romney : Die Hypothek des Viertelmilliarde-Dollar-Manns

  • -Aktualisiert am

Kein Scheck: Am Dienstag signierte Romney in Florence im Bundesstaat South Carolina Wahlplakate Bild: AFP

Ist Mitt Romney zu reich, um Amerikas Präsident zu werden? Noch will der Republikaner seine Bücher nicht öffnen. Aber er warnt: Obama werde das Land arm machen - wie Europa.

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          Wahrscheinlich wird die amerikanische Präsidentenwahl wieder einmal der Wettkampf zweier Multimillionäre. Barack Obama, dem seine Frau nicht zuletzt wegen finanzieller Sorgen einst in Chicago seinen kostspieligen politischen Ehrgeiz ausreden wollte, ist später als Buchautor vermögend geworden. 1995 hatte sich für das Erinnerungsbuch „Dreams from My Father“ des damals erst Vierunddreißigjährigen kaum jemand interessiert.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Doch als der junge Schwarze nach seinem ersten großen Auftritt auf der nationalen Bühne 2004 plötzlich als möglicher Präsidentschaftskandidat für 2008 galt, fand der Memoiren-Band reißenden Absatz. Trotzdem dürften sich die Summen bescheiden ausnehmen neben dem Vermögen, das der Republikaner Mitt Romney angehäuft hat.

          Aus wohlhabendem Elternhaus

          Romney, der die republikanischen Vorwahlen in Iowa und New Hampshire gewonnen hat und auch bei der dritten und vierten Runde in South Carolina am Samstag und in Florida am 31. Januar als Favorit gilt, stammt schon aus einem wohlhabenden Elternhaus. Als Unternehmer und Investor hat er es verstanden, seinen Reichtum erheblich zu mehren. Romneys Vater George machte zunächst in der Automobil-Industrie in Detroit ein Vermögen, später wurde er Gouverneur von Michigan und Wohnungsbauminister unter dem republikanischen Präsidenten Richard Nixon. Mitt Romney besuchte Privatschulen, bevor er Jura und Ökonomie in Stanford und Harvard studierte. Von 1984 bis 1998 war er als Manager und später als Miteigentümer des Investitionsgesellschaft Bain Capital tätig. In dieser Zeit hat er gut 200 Millionen Dollar angehäuft.

          Offiziell gibt Romneys Stab das Privatvermögen der Familie des Kandidaten mit derzeit 190 bis 250 Millionen an. Seit Romney seine Kandidatur für das Präsidentenamt verkündet hat, werde sein Vermögen von Treuhändern verwaltet, deren Investitionsentscheidungen er nicht kenne und auch nicht beeinflussen könne.

          In einer Fernsehdebatte beging Romney (rechts) den Fehler, den texanischen Gouverneur Rick Perry (links) zu einer Wette über 10.000 Dollar herauszufordern

          Rechtzeitig vor seiner Kandidatur hat Romney ein Haus in einem noblen Skigebiet in Utah sowie ein Anwesen bei Boston in Massachusetts verkauft. Es bleiben der Familie freilich noch immer ein Haus am Pazifikstrand in Südkalifornien, ein Anwesen an einem See in New Hampshire und schließlich ein weiteres, eher bescheidenes Haus bei Boston.

          Auch Franklin D. Roosevelt und John F. Kennedy entstammten der wohlhabenden demokratischen Ostküstenelite und waren jeweils viele Millionen Dollar schwer, noch ehe sie die Schule verließen. Auch die Republikaner George H.W. Bush und dessen Sohn George W. Bush stammen ursprünglich von der Ostküste, wählten als Wahlheimat aber Texas; beide profitierten vom Reichtum des Vaters und Großvaters Prescott Bush, beide waren selbst als Unternehmer erfolgreich, ehe sie den Anlauf auf Weiße Haus nahmen. Wenn aber Romney den Vorwahl-Marathon der Republikaner gewinnt, dann wäre er vielleicht der reichste Kandidat, der jemals die Nominierung einer der beiden großen Parteien für das Präsidentenamt erreicht hat.

          Steuererklärung nicht veröffentlicht

          Umso disziplinierter hat Romney in seinem Wahlkampf bisher darauf verzichtet, seinen Reichtum zu zeigen oder gar herauszustreichen. Der Verkauf der Häuser in Utah und Boston zeigt, wie gründlich Romney seinen Wahlkampf geplant hat, seit er 2008 die Vorwahlen gegen John McCain verlor. In einer Fernsehdebatte beging Romney jüngst allerdings den Fehler, den texanischen Gouverneur Rick Perry in einer Streitfrage zu einer Wette über 10.000 Dollar herauszufordern - zu Zeiten der schwersten Wirtschaftskrise seit der Großen Depression der dreißiger Jahre mit derzeit gut 23 Millionen Arbeitslosen für viele Wähler ein arg protziger Einsatz. Bisher weigert Romney sich, seine Steuererklärung zu veröffentlichen - ein womögliches Viertelmilliarde-Dollar-Vermögen kann in diesen für viele Amerikaner schwierigen Zeiten eine politische Hypothek sein. In der jüngsten Fernsehdebatte stellte er aber in Aussicht, im April der Öffentlichkeit doch noch Einsicht in sein Einkommen und Vermögen zu geben.

          Bisher sieht der unangefochtene Spitzenreiter in Meinungsumfragen seinen Vorsprung nicht durch die heftigen Angriffe der Konkurrenten wegen seiner Tätigkeit bei Bain Capital dahinschmelzen. Vor allem der frühere "Sprecher" des Repräsentantenhauses Newt Gingrich, aber auch der Texaner Perry, der frühere Senator aus Pennsylvania Rick Santorum und der texanische Abgeordnete Ron Paul werfen Romney vor, im Stile des Heuschrecken-Kapitalismus für Bain Capital Unternehmen in wirtschaftlicher Schieflage aufgekauft, mit großem Gewinn ausgeweidet und sodann wieder verkauft zu haben, wobei Zehntausende Arbeitsplätze abgewickelt worden seien. Romney hält dagegen, die Investitionen und Umstrukturierungen durch Bain Capital hätten zur Schaffung von mehr als 100.000 Arbeitsplätzen geführt - eine ebenso schwer zu beweisende wie zu widerlegende Behauptung.

          Romney begegnet den populistischen Vorwürfen von der Rechten wie von der Linken, er habe sich bei Bain Capital vor allem auf Kosten von künftigen Arbeitslosen bereichert, offensiv mit der Versicherung, gerade seine Tätigkeit in der „wirklichen Wirtschaft“ qualifiziere ihn dazu, als Nachfolger des „Sozialisten“ Barack Obama das Land aus der Wirtschafts- und Finanzkrise zu führen. In seinem Buch „No Apology. The Case for American Greatness“ (etwa: „Keine Entschuldigung. Plädoyer für Amerikas Größe“) argumentiert Romney, dass die Erhöhung der Produktivität in den umstrukturierten Unternehmen zwar zum Verlust von Arbeitsplätzen geführt haben möge, dass dies im volkswirtschaftlichen Gesamtsaldo aber mehr Wachstum und mithin mehr Jobs bedeutet habe. Obama wirft der Herausforderer dagegen vor, mit Klassenkampf und Staatsdirigismus den Wohlstand der Amerikaner umverteilen und Amerika "in einen europäischen Wohlfahrtsstaat" verwandeln zu wollen.

          In Romneys Sichtweise heißt die Alternative: Amerika bleibt Amerika und wird unter seiner Führung wieder dynamisch und reicher - oder Amerika lässt sich unter Obama weiter Europa anverwandeln, stagniert und wird ärmer.

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