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Mitt Romney : Der Hund auf dem Autodach

Der Kandidat und seine beste Beraterin: Mitt Romney mit seiner Frau Ann Bild: AFP

Für Mitt Romney ist seine Familie ein Grundstein des Denken und Handelns. Eine alte Geschichte, die der republikanische Herausforderer Barack Obamas nicht los wird, stört allerdings das Bild.

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          Es gibt gleich zwei Anekdoten von Autodächern, die Mitt Romneys Charakter erklären helfen sollen. Die erste handelt von einer Fahrt in den Familienurlaub im Sommer 1983. Von Boston an der Atlantikküste ging es nach Westen, ans kanadische Ufer des Huron-Sees. In Harvard nahe Boston hatte Romney von 1971 bis 1975 die Rechte sowie Ökonomie studiert. In beiden Fächern schloss er als einer der Jahrgangsbesten ab. Noch an der Universität wurde er vom damals führenden Wirtschaftsberatungsunternehmen „Boston Consulting Group“ angeworben, wo sich Romney bald nach oben arbeitete. Die Jahre dort waren für ihn aber noch nicht die Zeit des großen Geldes. Die sollten erst von 1984 bis 1998 beim Investitionsunternehmen „Bain Capital“ kommen.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Das Familienauto war ein weißer Chevrolet-Kombi. Er war für die Fahrt in die Sommerfrische mit allerlei Gepäck bis unters Dach vollgestopft, Ann und Mitt Romney saßen vorn, ihre fünf Söhne im Fond. Für den irischen Setter Seamus blieb nur noch Platz auf dem Dachgepäckträger. Dort wurde der Hund in seinem Transportkäfig verstaut. Zum Schutz vor dem Fahrtwind gab es sogar eine improvisierte Windschutzscheibe. Dennoch schlug die Fahrt Seamus auf den Magen. Irgendwann erhob sich im Fond großes Geschrei, denn eine braune Flüssigkeit rann die Heckscheibe herab. Vater Romney hielt kurzerhand an einer Tankstelle an, lieh sich einen Schlauch, spritzte Hund, Käfig und Auto gründlich mit Wasser ab - und setzte die Fahrt fort.

          Kein böses Wort trotz Totalschaden

          Die Sache mit Seamus liegt schon fast drei Jahrzehnte zurück. Doch zumal politische Gegner Romneys wollen in seinem Umgang mit dem Familienhund Gefühlskälte und herzloses Krisenmanagement erkennen. Schon im innerparteilichen Vorwahlkampf der Republikaner war immer wieder von Seamus die Rede gewesen. Vieles spricht dafür, dass auch im Duell Mitt Romneys mit Präsident Barack Obama der Hund auf dem Autodach wieder eine Rolle spielen wird.

          Ein pragmatischer Problemlöser und kein verbissener Ideologe: Mitt Romney, Präsidentschaftskandidat der Republikaner

          Die andere, weniger bekannte Geschichte spielt in jener Zeit, als Romney bei „Bain Capital“ schon viele Millionen Dollar verdient hatte und sich ein BMW-Cabrio als Drittwagen leisten konnte. Romneys Lieblingsauto gefiel freilich auch Ehefrau Ann, die bald mehr damit fuhr als ihr Mann. An einem schwülen Sommernachmittag vergaß sie, das Verdeck des auf der Garagenzufahrt geparkten Wagens zu schließen. Der bald einsetzende Platzregen machte das Auto praktisch zum Totalschaden. Mitt Romney verlor kein böses Wort wegen des Missgeschicks seiner Frau.

          Der heute 42 Jahre alte erste Sohn Taggart weiß zu berichten, dass sein Vater in der Öffentlichkeit seiner Mutter niemals widerspreche und dass bei Auseinandersetzungen daheim die Mutter fast immer das letzte Wort behalte. Die tiefe Liebe und den Respekt seines Vaters für seine Mutter hätten er und seine vier jüngeren Brüder immer als Fundament der Familie erfahren. Mitt Romney selbst sagt über seine Frau: „Ihre Liebe zu mir ist für mich die größte Quelle der Freude, die ich mir nur denken kann.“ Er bezeichnet sie zudem als seine beste Ratgeberin, die viel sicherer erkenne, ob etwas oder jemand echt und authentisch sei oder falsch und heuchlerisch.

          In der High School versprachen sie sich einander

          Die Familie, die neben dem mormonischen Glauben der Grundstein im Denken und Handeln Mitt Romneys ist, mag für manche gar zu traditionell sein. Am Mittwoch etwa ließ sich die demokratische Polit-Strategin Hilary Rosen zu der Bemerkung über Ann Romney hinreißen: „Sie hat keinen einzigen Tag in ihrem Leben gearbeitet.“ Was Hilary Rosen meinte, aber nicht sagte, war: Ann Romney ist nie einer bezahlten Tätigkeit außer Haus nachgegangen. Stattdessen hat sie, unmittelbar nach dem Abschluss ihres Französischstudiums, zwischen 1970 und 1981 die fünf Söhne zur Welt gebracht und sie großgezogen.

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