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Mitt Romney : Der Herausforderer

Die Republikaner ziehen relativ geeint in den Kampf gegen Obama: Vor allem die unbefriedigende Wirtschaftslage wird Romney dem kühlen Amtsinhaber um die Ohren hauen. Ein leichtes Spiel wie 2008 wird Obama nicht noch einmal haben.

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          Wahlparteitage der großen amerikanischen Parteien sind Show, patriotische Erweckung, Massage der Basisherzen, Agitation, Talentsichtung. Ja, und natürlich werden der Kandidat und sein „Vize“ auf den Schild gehoben, die die Partei in die Schlacht um das Weiße Haus führen sollen. In diesem Jahr verkommt der politische Wettbewerb tatsächlich zu einer Schlacht, in der sich beide Seiten keine Zügel anlegen. Mitt Romney, der ehedem auch im eigenen Lager ungeliebte frühere Gouverneur von Massachusetts, ist nun offiziell der Kandidat der Republikanischen Partei. Deren Führung hatte ihn von Beginn an zu ihrem Favoriten erkoren. Allein, die rechtspopulistische Basis hatte mal auf diesen, mal auf jenen innerparteilichen Rivalen gesetzt und damit Romneys Verwundbarkeit offenkundig werden lassen. Nach dessen Rechtsschwenk haben die meisten ihren Frieden mit ihm geschlossen, zumal nach der Wahl des Haushaltssuperfalken Ryan zum Mann an seiner Seite. In den Hauptkampf zieht die Partei relativ geeint.

          Sie rüstet sich mit Parolen, die den Eindruck vermitteln, nach vier Jahren unter Präsident Obama sei das Land dem Untergang geweiht und nur einer, eben Romney, der erfolgreiche Geschäftsmann, könne das Blatt wenden. In Umfragen ist die ihm zugeschriebene Kompetenz in Wirtschaftsdingen seine größte Stärke, sein Sympathiedefizit ist seine Schwachstelle. Ob viele Amerikaner ihr Urteil diesbezüglich ändern, ist die große Frage; genau das zu erreichen ist die Marketing-Aufgabe des Parteitages.

          In den kommenden Monaten wird Romney Obama die unbestritten unbefriedigende bis schlechten Wirtschaftsdaten um die Ohren hauen. Finanziell aus dem Vollem schöpfend, wird er versuchen, ihn als Präsidenten darzustellen, der eine zweite Amtszeit nicht verdient habe. Der kühle Amtsinhaber wiederum, der einst das Gift aus der Politik ziehen wollte, wird ohne Scheu den Republikaner als Gefahr für Amerika brandmarken, als Extremisten und Kulturkrieger, unter dem für Schwarze, Latinos und Frauen finstere Zeiten anbrechen würden - für jene Wählergruppen also, die zur Obama-Koalition gehören. Derzeit deuten die Umfragen auf einen knappen Wahlausgang hin, mit leichtem Vorteil für Obama. Doch gewählt wird erst am 6. November. Nur eines ist sicher: Leichtes Spiel wie 2008 wird Obama nicht wieder haben. Das zeigt schon die Aggressivität seiner Kampagne.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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