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Mitt Romney : Der Held der verheirateten Frauen

  • -Aktualisiert am

Mitt Romney und seine Ehefrau Ann im Kampagnenbus in Florida Bild: dapd

Mitt Romney schickt im Kampf gegen Newt Gingrich seine Frau an die Front. Sie ist sein bestes Argument - mit ihr kann er das wenig konservative Privatleben des Konkurrenten ausschlachten.

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          Die Geschichte mit Ann hat sich doch noch ausgezahlt. Seit Wochen hat Mitt Romney noch fast jeden Wahlkampfauftritt mit ihr begonnen. Und in der Nacht zum Mittwoch überließ der Kandidat bei seiner Siegesfeier in Tampa die Bühne zunächst ganz seiner Ehefrau, die zudem von vier der fünf gemeinsamen Söhne samt Schwiegertöchtern und einem Enkel umrahmt wurde. Ann Romneys Danksagung und Begrüßungsansprache waren wie immer kurz und effizient - Ann Romney ist wahrscheinlich das beste Argument des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Dessen Geschichte mit Ann geht so: Die beiden besuchten schon die gleiche Grundschule in Bloomfield Hills, einem wohlhabenden Vorort von Detroit in Michigan. In Detroit war Mitts Vater George ein erfolgreicher Firmenchef in der Autoindustrie, später sollte er zum Gouverneur von Michigan aufsteigen. Anns Vater Edward Davies reüssierte seinerseits in der Schwerindustrie, er war zudem Bürgermeister von Bloomfield Hills. „Aber sie war erst in der zweiten Klasse“, pflegt Mitt über Ann zu erzählen, während sie lächelnd zu ihm aufschaut, „während ich schon in der vierten war. Deshalb habe ich sie nicht groß beachtet.“ An dieser Stelle lacht und klatscht das Publikum ordnungsgemäß.

          Erst als Mitt 17 Jahre alt war und Ann 15, nahm das wahre Märchen seinen Lauf. Die beiden Teenager sahen sich bei einer Party in Bloomfield Hills wieder, und Mitt bat Ann, sie hernach nach Hause fahren zu dürfen. Ann stimmte zu. „Seither sind wir fest zusammen, und verheiratet sind wir seit 42 Jahren!“, ruft der heute 64 Jahre alte Romney mit dem jugendfrischen Stolz des Eroberers. Das Publikum johlt. Romney vergisst auch nicht, die fünf Söhne und die fünf Schwiegertöchter und die inzwischen 16 Enkel zu erwähnen. Dann sagt er, seiner blonden Frau zugewandt: „Ist sie nicht eine sehr attraktive Großmutter!“

          Die Geschichte schmeckt ein wenig überzuckert, wenn man sie ein ums andere Mal bei Romneys Wahlkampfauftritten hört - von Iowa über New Hampshire und South Carolina bis nun nach Florida. Doch sie hat ihre Wirkung, zumal wenn unentschiedene Wähler sie zum ersten Mal hören. Wählerbefragungen nach Romneys deutlichem Sieg in Florida über seinen ärgsten Widersacher Newt Gingrich mit insgesamt 46 zu 32 Prozent der Stimmen haben ergeben, dass Romney unter verheirateten Frauen einen noch größeren Vorsprung vor Gingrich erreichte: 52 zu 28 Prozent.

          Newt Gingrich - hier mit seiner Ehefrau Callista - gibt sich auch nach dem Ergebnis von Florida kämpferisch

          Bei den Vorwahlen in South Carolina hatten Gingrichs persönliche Fehltritte, der inzwischen zum dritten Mal verheiratet ist und eine Affäre mit seiner jetzigen Frau Callista begann, als er noch mit seiner zweiten Frau Marianne verheiratet war, ihn noch keine Stimmen bei weiblichen Wählern gekostet. Vielmehr hatte ein zwei Tage vor den Wahlen in South Carolina vom Sender ABC ausgestrahltes „Enthüllungsinterview“ mit Gingrichs zweiter Frau Marianne den Effekt, dass sich viele republikanische Wähler um Gingrich scharten, nachdem dieser sich gekonnt gegen die Angriffe der „elitären linken Medien“ zur Wehr gesetzt hatte.

          Doch dieser Trotzeffekt, der Gingrich am 21. Januar in South Carolina noch zum Überraschungssieg mit 40 zu 28 Prozent über Romney verholfen hatte, nutzte dem früheren „Sprecher“ des Repräsentantenhauses am Dienstag in Florida nichts mehr: Dort kam der verlässliche Romney besser an als der unstete Gingrich.

          Florida - ein Mikrokosmos Amerikas

          Der Sieg Romneys in Florida ist nicht nur deshalb so bedeutsam, weil Florida mit knapp 19 Millionen Menschen mehr als doppelt so viele Einwohner hat wie die ersten drei Vorwahl-Staaten Iowa, New Hampshire und South Carolina zusammen. Der zwischen Republikanern und Demokraten scharf umkämpfte „Schlachtfeldstaat“ ist zudem ein Mikrokosmos der Vereinigten Staaten: Ethnisch, politisch und sozial ist Florida so vielfältig wie Amerika insgesamt. Wer in den vergangenen Jahrzehnten unter den republikanischen Bewerbern in Florida gewann, erreichte in aller Regel auch die Nominierung zum Kandidaten.

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