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Offizier belastet Trump : Die Einschläge kommen näher

  • -Aktualisiert am

Aussage gegen Trump: Oberstleutnant Alexander Vindman bei seiner Ankunft am Dienstag am Kapitol in Washington Bild: AFP

Mit Oberstleutnant Alexander Vindman sagt erstmals ein Mitarbeiter des Weißen Hauses im Kongress gegen Donald Trump aus. Die Demokraten erhöhen den Druck.

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          Ein Problem in der Verteidigungsstrategie Donald Trumps ist, dass der amerikanische Präsident meist den Ereignissen hinterherläuft. Am Dienstag erinnerte er auf Twitter an den Ausgangspunkt der Ukraine-Affäre und fragte nach dem Verbleib jenes Hinweisgebers, der wegen seines Telefonats mit Präsident Wolodymyr Selenskyj Alarm geschlagen hatte. Trump hält den mutmaßlichen CIA-Mitarbeiter für einen Agenten des „tiefen Staates“ und fordert eine Gegenüberstellung. Wenige Stunden nach seinem Tweet erschien allerdings Oberstleutnant Alexander Vindman im Kapitol. Dessen Aussage machte deutlich, dass die Forderung Trumps obsolet ist, die Identität des Hinweisgebers zu lüften.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Vindman bestätigte nämlich mit jedem Wort die Darstellung jenen anonymen Informanten und damit die Sichtweise der Demokraten, die derzeit ein Impeachment gegen Trump wegen Amtsmissbrauchs vorbereiten. Der Zeuge sagte den ermittelnden Ausschüssen des Repräsentantenhauses, er habe das Telefonat am 25. Juli mitgehört. Trumps Forderung, Kiew müsse Ermittlungen gegen den Sohn des demokratischen Präsidentschaftsbewerbers Joe Biden einleiten, habe er für so schädlich für die nationalen Interessen gehalten, dass er sich an einen Vorgesetzten gewandt habe.

          Laut seiner Eingangsaussage, deren Text schon vor der nichtöffentlichen Anhörung publik geworden war, legte er wegen des Telefonats zweimal Beschwerde ein – aus „Pflichtgefühl“, wie es hieß. „Ich hielt es nicht für angemessen, eine ausländische Regierung aufzufordern, gegen einen amerikanischen Staatsbürger zu ermitteln. Zudem war ich besorgt wegen der Auswirkungen für die amerikanische Unterstützung für Kiew“, sagte Vindman mit Blick auf die vom Kongress bewilligte und von Trump dennoch zurückgehaltene Militärhilfe für die Ukraine.

          Vindman fuhr fort, ihm sei klar gewesen, dass Ermittlungen Kiews gegen Biden, dessen Sohn Hunter sowie das Gasunternehmen Burisma, in dessen Vorstand der Sohn saß, sicher als parteipolitische Taktik interpretiert würden. Dies hätte zweifelsohne zur Folge gehabt, dass Kiew die fraktionsübergreifende Unterstützung, die es bislang im Kongress genossen habe, verloren hätte. Das hätte, so seine Schlussfolgerung, die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten untergraben.

          Offizier bezeichnet sich als „Patrioten“

          Vindman ist der erste Mitarbeiter des Weißen Hauses, der sich der Anweisung des Präsidialamtes widersetzte, nicht im Kongress auszusagen. Zugleich ist er der ranghöchste Ukraine-Fachmann im Nationalen Sicherheitsrat, der dem Weißen Haus unterstellt ist. Der Heeresstabsoffizier, der 20 Jahre im aktiven Dienst war, stammt selbst aus der Ukraine. Als Soldat war er im Irak-Einsatz, wurde durch eine improvisierte Sprengfalle verwundet und mit dem „Purple Heart“, einer Tapferkeitsmedaille, ausgezeichnet.

          Der Offizier bezeichnete sich in der Anhörung als „Patrioten“, der sein Land unabhängig von Parteipolitik und politischen Lagern verteidige. Trump äußerte später zur Aussage Vindmans, den er einen „Never Trumper“-Zeugen nannte, dieser könne unmöglich über das gleiche Telefonat sprechen, das er geführt habe. Man möge doch das Protokoll nachlesen. Trump hält das Gespräch mit Selenskyj für „perfekt“.

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