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Mini-Nukes : Amerikanische Pläne mit „kleinen“ Atombomben

  • Aktualisiert am

Ausgerüstet mit Nuklearraketen für den Erst- oder Zweitschlag: Das amerikanische Atom-U-Boot USS Tennessee. Bild: Reuters

Das Pentagon will Atomwaffen mit vergleichsweise geringer Sprengkraft bauen, um gegen Russland und andere Staaten mehr Optionen aufzubieten. Doch auch diese Bomben wären verheerend, würden sie je eingesetzt.

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          Die Regierung von Amerikas Präsident Donald Trump will die Entwicklung neuer Atomwaffen mit geringerer Sprengkraft vorantreiben. Die Veränderungen sollten vor allem der Abschreckung gegenüber Russland dienen, heißt es in einem Bericht zur neuen Nuklearstrategie, den das Pentagon am Freitag veröffentlichte. „Unsere Strategie soll sicherstellen, dass Russland versteht, dass jeder Einsatz von Atomwaffen, egal wie begrenzt, inakzeptabel ist“, schreibt das Verteidigungsministerium. Der Bericht geht aber auch auf die „unberechenbare“ Bedrohung durch Nordkorea ein.

          Das Pentagon argumentiert, strategische Atomwaffen mit ihrem gigantischen Zerstörungspotenzial reichten nicht zur Abschreckung. Russland setze demnach womöglich darauf, dass Amerika diese Waffen niemals einsetzen würde, da das Risiko wegen eines zu befürchtenden atomaren Gegenangriffs von ähnlicher Dimension und der damit drohenden Vernichtung von großen Teilen der Menschheit zu hoch sei.

          Washington will nach eigenen Angaben eine „kleine Zahl“ existierender Atomsprengköpfe von U-Boot-gestützten Langstreckenraketen umrüsten, um über eine Variante mit geringerer Sprengkraft zu verfügen. Auf lange Sicht soll zudem ein atombestückter Marschflugkörper entwickelt werden, der ebenfalls U-Boot-gestützt ist.

          Es gibt keine „kleinen Atombomben“

          Das Pentagon lässt in dem Papier offen, wie groß die Sprengkraft der neuen Typen sein soll. Auch „kleine Atomwaffen“ („Mini Nukes“) verfügen über ein gewaltiges Zerstörungspotential. Darunter fallen solche mit einer Sprengkraft von bis zu 20 Kilotonnen. Zum Vergleich: Auch die Atombomben von Hiroshima und Nagasaki lagen unter 20 Kilotonnen und würden nach diesen Maßstäben als „Mini Nukes“ gelten.

          „Die Strategie entwickelt Fähigkeiten mit dem Ziel, den Einsatz von Atomwaffen weniger wahrscheinlich zu machen“, erklärte Trump am Freitag. Zugleich werde die Abschreckung vor Angriffen vergrößert.

          Kritiker warnten jedoch vor einem neuen Wettrüsten mit fatalen Folgen. „Es ist ein massiver Versuch, Atomwaffen aus den Bunkern zu holen und aufs Schlachtfeld zu verlegen“, schrieb die Direktorin der Kampagne für atomare Abrüstung (Ican), Beatrice Fihn, auf Twitter. Die Vereinigten Staaten verfolgten nun nicht mehr eine Strategie, bei der der Einsatz von Atomwaffen möglich sei, sondern eine, bei der er wahrscheinlich sei.

          Zudem weisen Experten darauf hin, dass Amerika bereits Atomwaffen mit vergleichsweise begrenzter Sprengkraft im Arsenal habe. Dabei handelt es sich um die 150 B-61-Bomben, die in Europa gelagert sind.

          Warnung vor Russland, China und Nordkorea

          Zentralen Raum nimmt in dem Pentagon-Papier die Frage ein, wie Amerika auf die militärischen Strategien von Russland und China reagieren sollte. „Während die Vereinigten Staaten die Anzahl und den Stellenwert ihrer Atomwaffen verringert haben, haben andere, darunter Russland und China, sich in die entgegengesetzte Richtung bewegt“, heißt es in dem 74-seitigen Bericht. „Sie haben ihren Arsenalen neue Typen von nuklearen Fähigkeiten hinzugefügt und legen ein zunehmend aggressives Verhalten an den Tag, darunter im Weltraum und im Cyberspace.“

          Auch auf das nordkoreanische Atomprogramm geht der Bericht ein. Nordkorea stelle eine „dringliche und unberechenbare“ Bedrohung für die Vereinigten Staaten und seine Verbündeten dar. Das international isolierte Land sei möglicherweise nur noch Monate davon entfernt, die Fähigkeit zu entwickeln, Amerika mit einer atombestückten Rakete zu treffen. Man habe deutlich gemacht, dass jeder nukleare Angriff gegen die Vereinigten Staaten oder Verbündete inakzeptabel sei und zum „Ende des Regimes“ führen würde, heißt es in dem Strategiepapier weiter. „Es gibt kein Szenario, in dem das Kim-Regime Atomwaffen einsetzen und überleben könnte.“

          Angeblich kein Ende des Abrüstungsprozesses

          Die Veränderungen würden nicht gegen bestehende Verträge zur Waffenkontrolle verstoßen, sagte der stellvertretende Verteidigungsminister Patrick Shanahan. In dem Bericht erklärt die Regierung, dass sie hinter diesen Verträgen stehe. Zugleich äußerte sie sich wenig optimistisch, was den Abschluss neuer Abkommen angeht.

          Am Donnerstag hatte das Außenministerium in Washington erklärt, Amerika und Russland erfüllten beide ihre Verpflichtungen zur atomaren Abrüstung im Zuge des Vertrages New START. Dieser war am 5. Februar 2011 in Kraft getreten. Darin verpflichten sich die beiden größten Atommächte der Welt, ihre Kapazitäten binnen sieben Jahren deutlich zu verringern. Der Stichtag ist am kommenden Montag. Die Vereinigten Staaten haben derzeit geschätzte rund 7000 Atomsprengköpfe in ihrem Arsenal, Russland einige hundert mehr.

          Trump hatte das Pentagon nach seinem Amtsantritt vor einem Jahr angewiesen, die nukleare Strategie des Landes zu überprüfen. Seit 1994 ist es in den Vereinigen Staaten üblich, dass Präsidenten einen solchen „Nuclear Posture Review“ vorlegen. Der nun vom Pentagon vorgelegte Bericht ist aber nur eine Zusammenfassung; das eigentliche Dokument wird als geheim eingestuft.

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