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Mike Pence : Amerikas Nummer zwei

  • -Aktualisiert am

Vize-Präsident Mike Pence unterzeichnet die Dokumente zur Ernennung von John Kelly zum Heimatschutzminister. Bild: Reuters

Trumps Vize ist die Brücke ins Establishment der Republikaner. Nach der Amtseinführung ist Mike Pence aber nicht nur Vize-Präsident. Er könnte in den kommenden Jahren noch eine weitaus wichtigere Rolle spielen.

          Wie wichtig Mike Pence werden könnte, hat John Kerry kürzlich auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos deutlich gemacht. Als der Journalist Tom Friedman ihn nach den Folgen einer Aufkündigung des iranischen Atomabkommens durch den neuen amerikanischen Präsidenten Donald Trump fragte, erwiderte der bisherige Außenminister lapidar, Amerika würde seine Glaubwürdigkeit beschädigen. Das würde schmerzen „ein, zwei Jahre lang oder so – solange es diese Regierung gibt“. Das Publikum brauchte eine Weile, um zu verstehen, dass Kerry über einen möglichen Rücktritt oder eine Amtsenthebung Trumps scherzte.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Auch das hat es noch nie gegeben: dass zum Amtsantritt eines weithin als untauglich betrachteten Präsidenten der Vizepräsident als direkter Nachfolger begutachtet wird. Für gewöhnlich verweist man nur mit Blick auf den Gesundheitszustand des Amtsinhabers darauf, dass der Nächste in der präsidentiellen Nachfolgereihe einen Herzschlag von der Macht entfernt ist. Neuwahlen kennt das amerikanische Regierungssystem nicht. Trump machte nach den Vorwahlen der Republikaner im vergangenen Jahr Pence halb widerwillig zu seinem „Running mate“, um eine Brücke zum Establishment seiner Partei zu bauen.

          Im Wahlkampf gab sich der Präsidentschaftskandidat keine große Mühe, seine Distanz zu Pence zu kaschieren. Erst nach dem ihn selbst überraschenden Wahlsieg war der gewählte Präsident auf den 57 Jahre alten Juristen aus Indiana angewiesen. Pence, der Trumps Übergangsteam leitete, dürfte – wie zuvor Joe Biden für Barack Obama und Dick Cheney für George W. Bush – ein wichtiges Mitglied in der Regierungsmannschaft werden, vor allem was die Koordination mit dem Senat und dem Repräsentantenhaus anbelangt.

          Der Vater von drei Kindern wuchs in einem katholischen Elternhaus auf, trat aber später einer evangelikalen Kirche bei. Er zählt zum konservativen Teil der Republikaner mit einer Nähe zur Tea-Party-Bewegung und ist in gesellschaftspolitischen Fragen, wie der Gleichstellung von Homosexuellen, schon häufig in Konflikt geraten mit den moderaten und libertären Gruppierungen der Grand Old Party. Der frühere Radiomoderator saß von 2003 bis 2013 im Repräsentantenhaus und gehörte dort zuletzt zur Fraktionsführung. Damals galt er als möglicher Präsidentschaftskandidat. Stattdessen entschied er sich 2011, für das Gouverneursamt in seinem Heimatstaat Indiana anzutreten. Von 2013 an residierte er im State House von Indianapolis.

          Die Übergangsphase seit dem 8. November war für Pence und Trump auch eine Phase des Kennenlernens. Inzwischen heben beide öffentlich hervor, wie sehr sie einander schätzten: Als Trump sich kürzlich Verdächtigungen ausgesetzt sah, Moskau sei im Besitz kompromittierenden Materials über ihn, ging Pence gemeinsam mit Trump in New York vor die Presse und wies die Berichte energisch zurück. Es ehre ihn, sagte er, „Schulter an Schulter“ mit dem 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten zu stehen und dazu beitragen zu können, Amerika wieder zu alter Größe zu führen.

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