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Trump in Pittsburgh : Das Innehalten währt nur kurz

  • -Aktualisiert am

Präsident Trump und First Lady Melania am Dienstag mit Rabbi Jeffrey Myers in Pittsburgh Bild: AP

Donald Trump trauert in Pittsburgh um die Opfer des antisemitischen Terrors. Seine Schwerpunktsetzung im Wahlkampf ändert Amerikas Präsident dennoch nicht – es geht weiter gegen Einwanderer. Das Midterm-Briefing am Mittwoch.

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          Viele hatten ihm abgeraten – trotzdem kam Trump an diesem Dienstag nach Pittsburgh. Aber er verzichtete darauf, eine Rede zu halten. Der Präsident legte zum Zeichen der Trauer kleine Steine vor der „Tree of Life“-Synagoge nieder, wo am vergangenen Samstag elf Menschen erschossen worden waren. An den Ort des schlimmsten antisemitischen Anschlags zu kommen, den Amerika je erlebt hatte, wollte sich Trump nicht nehmen lassen. Und zumindest verlief sein Auftritt ohne Zwischenfälle. Viele Menschen in Pittsburgh wollten ihn allerdings nicht da haben – sie demonstrierten in den angrenzenden Straßen mit Schildern wie „Worte machen einen Unterschied“. Trump wurde zwar vom Rabbiner der Gemeinde empfangen, aber Bürgermeister Bill Peduto verzichtete darauf, den Präsidenten zu treffen. „Er konzentriert sich heute einzig und allein auf die Begräbnisse und darauf, die Familien zu unterstützen“, hieß es aus Pedutos Büro.

          Trump wolle die politische Agenda bestimmen und schnell wieder über andere Dinge reden als über politische Gewalt, warf ihm das Magazin „The New Yorker“ vor. Denn das zweite große Thema des Tages dominierte schnell die Schlagzeilen: Donald Trumps Angriff auf die Staatsbürgerschaft. Bislang ist Amerikaner, wer im Land geboren ist – nun will der Präsident das gern ändern. Und auch wenn viele glauben, dass er damit am Ende nicht an den Gerichten vorbeikommen wird – das Thema erregt die Gemüter. Kein Wunder, denn es gibt kaum etwas, das den amerikanischen Traum so symbolisiert wie das Geburtsprinzip beim Staatsbürgerschaftsrecht: Jeder kann dazugehören, sagt es, unabhängig von der ethnischen Herkunft. Das aufzugeben, würde an den Grundfesten des amerikanischen Selbstverständnisses rütteln.

          Es geht Trump darum, seine Basis zu begeistern

          Im Moment hat der Kongress Sitzungspause, aber wenn die vorbei ist, will Senator Lindsey Graham gleich aktiv werden: Man müsse mit einem Gesetzentwurf im Kongress die „unsinnige Politik“ des Staatsbürgerrechts qua Geburt beenden. Der Angriff auf uramerikanische Werte sei eine gezielte Aufwiegelungs- und Ablenkungsmission eine Woche vor der Kongresswahl, kommentierte der „New Yorker“.  Und natürlich geht es Trump darum, seine Basis zu begeistern – sie soll verstehen, dass seine Politik sich nur mit einer Mehrheit im Kongress durchsetzen lässt.

          Was war noch wichtig eine Woche vor der Wahl? Viele Kommentatoren diskutieren, wer die aufgeheizte Stimmung der vergangenen Tage am besten für sich nutzen kann. Das findet manch einer unfair, denn nicht wenige Kandidaten für Senat und Abgeordnetenhaus machen ja immerhin auch Politik mit Inhalten. FiveThirtyEight, die Webseite des bekannten Wahlforschers Nate Silver, sieht die Demokraten in den Staaten des Mittleren Westens im Aufwind: Sie könnten dort nach den Prognosen 14 Sitze im Abgeordnetenhaus dazugewinnen. Die potentiellen Gewinne reichen von Pennsylvania über Iowa bis nach Kansas und Michigan. Dass die Partei, die an der Macht ist, Stimmen verliert, ist der normale Gang der Dinge – doch diesmal hoffen viele Demokraten bekanntlich auf eine regelrechte „blaue Welle“.

          Bei den Republikanern und den konservativen Medien sieht man es natürlich ganz anders. Doch die spaltende Rhetorik des Präsidenten macht auch dort nicht alle glücklich. Während Tucker Carlson bei „Fox News“ jubelte, die Wahl sei ein „Referendum über Einwanderung“, schrieb das Magazin „National Review“: „Es ist Zeit, sich über den Tross der Migranten abzuregen.“

          Am Mittwoch wird Donald Trump erstmal wieder weiterziehen. Er hält eine seiner Massenveranstaltungen ab, diesmal in Florida, genauer in Fort Myers. Dort kann die Nation den Schlagabtausch zwischen ihm und Andrew Gillum weiter verfolgen. Den demokratischen Bürgermeister von Tallahassee, der hier Gouverneur werden will, nannte Trump unter anderem einen „Dieb“. Konkurrent Ron DeSantis gilt als eine Art „Mini-Trump“. Der Präsident dürfte nach dem kurzen Innehalten in Pittsburgh einige frische Schimpftiraden im Gepäck haben.

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