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Parteitag der Demokraten : Buh, wie Bernie

  • -Aktualisiert am

Ende der Revolution? Sanders-Anhänger wollen sich nicht damit abfinden, dass ihr Idol die Bühne verlässt. Bild: AFP

Viele Demokraten wollen immer noch nichts von Hillary Clinton wissen. Auf dem Konvent in Philadelphia zeigt sich die Partei gespalten. Bis Michelle Obama spricht.

          7 Min.

          So etwas hat Reverend Dr. Cynthia Hale noch nicht erlebt. Wie erstarrt steht die Afroamerikanerin aus Georgia in Philadelphias Basketballarena auf der Bühne und blickt in ein grölendes Publikum. Die Pastorin war gebeten worden, den Parteikonvent der Demokraten mit einem Gebet zu eröffnen. Gegen Ende versichert sie Gott, dass die Partei in Hillary Clinton die Richtige gefunden habe, um das Los der Schwachen und Ausgeschlossenen zu verbessern.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          Die Halle dröhnt vor Buhrufen. „Bernie! Bernie!“, rufen Hunderte, wenn nicht Tausende Delegierte und Gäste. „Noch ist doch niemand nominiert“, schimpft auch Sanjay Patel.

          Sein Sakko leuchtet. Mit seiner Frau hat er 149 Dioden im Rücken eingenäht. Sie bilden Bernie Sanders’ Slogan: „Feel the Bern“. Natürlich weiß Patel am Montag, dass sein Kandidat gegen Clinton erstens in den Vorwahlen und zweitens im Buhlen um sogenannte Superdelegierte verloren hat, und dass die Abstimmung am Dienstag das dokumentieren wird. Doch er ist noch nicht bereit, die Präsidentschaftskandidatin seiner Partei zu unterstützen. „Das muss sie sich erst verdienen.“ Das neue Programm, in dem die Partei jetzt Freihandelsverträge als Bedrohung beschreibt und eine Kohlenstoffsteuer gutheißt, reicht ihm nicht. „Sie muss uns beweisen, dass sie es ernst meint.“

          Demokraten scheinen gespaltener zu sein als Republikaner

          Die ganze vorige Woche lang haben die Demokraten über die Spaltung der Republikanischen Partei gespottet. Doch im Vergleich zum Auftakt ihres eigenen Konvents war deren Parteitag in Cleveland geordnet verlaufen. Viele republikanische Kritiker von Donald Trump fügten sich stumm ins Schicksal ihrer Partei. Selbst treuen Anhängern von Ted Cruz missfiel, dass sich der Senator nicht hinter den Kandidaten stellte.

          In Philadelphia ist das am Montag zunächst anders. Noch bevor sich die Delegierten in der Halle versammeln, ist Sanders bei einem Auftritt vor Anhängern ausgebuht worden – weil er daran erinnerte, „dass wir nun einmal in der echten Welt leben“ – also forderte, jetzt Clinton zu unterstützen, um Trump zu stoppen. „Ich habe in Florida an viele Haustüren geklopft“, erzählt Patel, der Delegierte mit der Leuchtreklame im Rücken. „Viele Bernie-Fans sagen, sie würden eher Trump wählen als Clinton.“

          Soweit gehen auch die kampflustigsten Sanders-Anhänger in der Arena nicht. Manche versprechen der Grünen-Kandidatin Jill Stein ihre Stimme, was Trump nützen würde. Kim Netherton, eine 32 Jahre alte Lehrbuchredakteurin aus Colorado, sieht gar keine Perspektive mehr. „Wenn Hillary die Nominierung bekommen sollte“, sagt sie keine 24 Stunden vor der längst entschiedenen Abstimmung in der Möglichkeitsform, „dann sehe ich keinen Weg, wie wir den Faschisten Trump noch aufhalten könnten.“

          „Sperrt sie ein!“

          Nach den ersten Tumulten sind die Delegierten am Montag schon mehrmals ermahnt worden. Die Abgeordnete Marcia Fudge erbat sich resolut Respekt. Sanders schickte eine SMS an seine Weggefährten: Sie sollten ihm den „persönlichen Gefallen tun, in keiner Weise zu protestieren. Das ist von höchster Wichtigkeit“. Die Komikerin Sarah Silverman, die im Vorwahlkampf für Sanders warb, vergisst nun kurz den Teleprompter und beschwört alle „Bernie-oder-nichts-Leute“, sich nicht lächerlich zu machen. Viele Leute gehorchen.

          Doch Kim Netherton und ihre ebenfalls aus Colorado stammende Sitznachbarin brüllen weiter aus voller Kehle „Noooooo!“, wann immer Clintons Name fällt. Außerhalb der Halle stimmt eine kleine Minderheit auf einer Pro-Sanders-Demonstration sogar den Anti-Clinton-Slogan an, den die Republikaner in Cleveland so gern skandiert hatten: „Sperrt sie ein! Sperrt sie ein!“

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