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Cohen-Aussage im Kongress : Ein politisches Theater

  • -Aktualisiert am

Michael Cohen am Mittwoch im Kongress Bild: AP

Michael Cohens Aussage im Kongress zeichnet ein düsteres Bild von Donald Trump. Bei dem Auftritt warnt er die Amerikaner vor zu großer Loyalität zu ihrem Präsidenten.

          Am Ende fuhr Michael Cohen noch einmal die ganz schweren rhetorischen Geschütze auf. Er wolle nichts mehr, als das amerikanische Volk davor zu bewahren, die gleichen Fehler zu machen wie er: Donald Trump blind zu vertrauen. Der ehemalige Anwalt des Präsidenten sprach Trump in seinem Schlusswort vor dem Aufsichts- und Reformausschusses im Abgeordnetenhaus direkt an: „Wir ehren unsere Gefallenen, sogar im Regen“, sagte er etwa, in Anspielung auf Trumps verpassten Auftritt zum Gedenken an den Ersten Weltkrieg vergangenes Jahr in Frankreich, und: „Man trennt keine Familien oder dämonisiert diejenigen, die auf der Suche nach einem besseren Leben nach Amerika kommen.“

          Zuvor hatten 42 Mitglieder des Ausschusses Cohen befragt – von morgens bis zum späten Nachmittag. Wütende Republikaner, die die Anhörung gern verhindert hätten, hatten ihre Fragezeit vor allem dazu genutzt, Cohens Glaubwürdigkeit anzugreifen. Der ehemalige Anwalt hatte derweil alles versucht, sich als moralisch geläuterten Sünder darzustellen. Cohen, der in Trumps Auftrag jahrelang gelogen und Gegner bedroht hatte, wollte nun ein Mahner sein. Zum Schluss wagte er eine düstere Prophezeiung über seinen ehemaligen Klienten: „Ich fürchte, dass es keine friedliche Machtübergabe geben wird, falls er die Wahl 2020 verliert.“

          Danach beendete der Vorsitzende des Aufsichts- und Reformausschusses im Abgeordnetenhaus, Elijah Cummings aus Maryland, die Sitzung mit einer emotionalen Rede. Cohen, der Anfang Mai für drei Jahre ins Gefängnis muss, schien die Tränen zurückzuhalten, als Cummings ihm nahe legte, den „Sinn“ in seinem Schicksal zu suchen. „Ich weiß nicht, warum Ihnen das passiert, aber ich hoffe, dass unser Land dadurch eine Chance hat, besser zu werden“, sagte der Demokrat aus Maryland. „Hoffentlich wird dieser Teil Ihres Schicksals zu einem besseren Michael Cohen, einem besseren Donald Trump, besseren Vereinigten Staaten von Amerika und einer besseren Welt führen.“

          Die Anhörung hatte also durchaus einiges von dem „politischen Theater“, das mehrere republikanische Abgeordnete den Demokraten vorwarfen. Das war kaum überraschend, ging es Michael Cohen doch auch um seine persönliche Rehabilitierung – die Frage, ob er zukünftig darauf verzichten würde, seine Geschichte in Form von Buch- und Filmdeals zu vermarkten, beantwortete er mit einem klaren Nein. Dass Cohen im Ausschuss eine moralische Reise vom Saulus zum Paulus nacherzählte, minderte den Wert seiner Aussagen aber nicht – viele davon untermauerte er mit Dokumenten.

          So lieferte Cohen neue Details über die Schweigegeld-Zahlungen an die Pornodarstellerin Stormy Daniels und das ehemalige Playboy-Model Karen McDougal. Trumps ehemaliger „Ausputzer“ zahlte Daniels während des Wahlkampfes 2016 130.000 Dollar, damit diese über einen One Night Stand mit Donald Trump zehn Jahre zuvor schwieg. Trump leugnete anfangs, von diesen Zahlungen gewusst zu haben. Sein Anwalt Rudy Giuliani behauptete im vergangenen Mai dann, Cohen sei zwar für die vorgestreckte Zahlung mit Trumps Wissen entschädigt worden, der spätere Präsident habe aber von den Details nichts gewusst. Cohen sagte am Mittwoch nun aus, dass das Geld ihm mit insgesamt elf Schecks von Trump persönlich erstattet worden sei.

          Ein von Donald Trump unterschriebener Scheck, den Michael Cohen als Beweisstück vorlegte.

          Trump habe ihn persönlich angewiesen, das Schweigegeld zu zahlen und Ehefrau Melania zu belügen, mit der er zum Zeitpunkt des fraglichen One-Night-Stands schon verheiratet war. „Die First Lady anzulügen, gehört zu den Dingen, die ich am meisten bereue. Sie ist ein warmherziger, guter Mensch. Ich respektiere sie sehr und sie hatte das nicht verdient“, sagte Cohen. Einen der elf Schecks, den Trump persönlich unterzeichnete, überließ Cohen dem Ausschuss – für die anderen müsse er zur Bank gehen und werde das auf Verlangen gern tun, sagte er.

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