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Trumps Anwalt : Michael Cohens riskante Geschäfte

  • -Aktualisiert am

Donald Trumps Anwalt Michael Cohen Bild: AFP

Michael Cohen war jahrelang Trumps Mann fürs Grobe. Seinen Zugang zum Präsidenten versuchte er, zu Geld zu machen. Nicht nur gegenüber privaten Unternehmen.

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          Trumps persönlicher Anwalt Michael Cohen gerät immer mehr ins Zwielicht. In den vergangenen Tagen wurde nun bekannt, dass er nicht nur privaten Unternehmen seine Ratschläge anbot und mit seinem kurzen Draht zur Trump-Regierung Geld verdiente. Er diente sich auch mindestens einem anderen Staat an. Cohen soll der Regierung von Qatar kurz nach der Wahl 2016 Informationen und Ratschläge zum neuen Präsidenten in Aussicht gestellt haben – Preis: eine Million Dollar. Er bot auch an, Investoren aus dem Land zu helfen, in Trumps Infrastrukturprojekte einzusteigen. Qatar lehnte ab.

          In den vergangenen Tagen tauchten Fotos auf, die Vertreter Qatars im Trump Tower zeigen – gemeinsam mit Michael Flynn, dem Sicherheitsberater der Kampagne, wurden sie im Dezember 2016 am Fahrstuhl fotografiert. Michael Avenatti, der Anwalt der Pornodarstellerin Stephanie Clifford, die Cohen für ihr Schweigen über einen One-Night-Stand mit Donald Trump bezahlte, teilte die Bilder auf Twitter. An dem Treffen sollen auch der Außenminister von Qatar, Mohammed bin Abdulrahman al Thani, sowie Trumps späterer Chefstratege im Weißen Haus, Steve Bannon, teilgenommen haben.

          Cohen war bei der eigentlichen Zusammenkunft nicht dabei, traf sich aber am Rande mit Ahmed al-Rumaihi, der damals die Investment-Abteilung des qatarischen Staatsfonds leitete. Al-Rumaihi, der in Qatar nicht länger eine offizielle Position bekleidet, bestätigte der „New York Times“ am Mittwoch, dass Cohen ihm das Angebot ein paar Tage vor dem Treffen im Trump Tower gemacht habe. Weder Cohen noch die Botschaft von Qatar in Washington wollten sich dazu äußern. Unterdessen behauptet ein Basketball-Liga-Manager namens Jeff Kwatinetz auch noch, dass er Ahmed al-Rumaihi auf den Fotos wiedererkannte als einen Mann, der ihm viel Geld für Zugang zu Steve Bannon geboten habe. Als Kwatinetz nicht darauf einging, habe al-Rumaihi gesagt: „(Michael) Flynn hat unser Geld nicht abgelehnt.“

          In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass Michael Cohen seine anwaltliche Beziehung mit Donald Trump zu Geld machte, als er nach der Wahl keinen Posten im Weißen Haus erhielt. So bestätigten der Pharmakonzern Novartis, der Telekommunikations-Riese AT&T und ein koreanisches Unternehmen, das im Militärbereich arbeitet, Zahlungen an Cohen. Dazu kommt Columbus Nova, eine New Yorker Investment-Firma, die mit einem russischen Oligarchen verbandelt ist. Sonderermittler Robert Mueller, der mit seinen Hinweisen an die New Yorker Staatsanwaltschaft den Stein ins Rollen brachte, dürfte sich wegen dieses Klienten auch weiterhin für die Details der dortigen Ermittlungen interessieren.

          Qatar ist nun der erste Fall, in dem Cohen einer fremden Regierung seine Dienste anbot. Seinen Zugang zum amerikanischen Präsidenten und sein Insider-Wissen einem anderen Staat gegen Geld anzubieten, könnte als Verrat angesehen werden. Allerdings kam das Geschäft nicht zustande. Qatar ist ein wichtiger Partner der Vereinigten Staaten. Zehntausend amerikanische Soldaten sind dort stationiert, das Oberkommando der amerikanischen Streitkräfte für den Mittleren Osten ist in dem Emirat beheimatet. Der kleine Staat ist, gemessen am Pro-Kopf-Einkommen, das reichste Land der Welt – vor allem seine riesigen Gasvorkommen sind dafür verantwortlich.

          Qatar kauft aus Amerika vor allem Waffen – und es investiert auch in den Vereinigten Staaten. Die Gäste im Trump Tower gingen wohl davon aus, dass sie für eine gute Beziehung zu Donald Trump keine Hilfe von außen benötigten. Am Tag nach dem Treffen in Manhattan kündigte Qatar denn auch an, dass es zehn Milliarden Dollar in neue amerikanische Infrastrukturprojekte investieren werde. Die Beziehungen verschlechterten sich dann im vergangenen Sommer zunächst, als Saudi-Arabien, das zwanzig Milliarden Dollar in den amerikanischen Infrastruktur-Fonds investieren will, die Blockade gegen Qatar anführte und Trump dies unterstützte. Cohen erneuerte sein Angebot an Qatar nach allem, was bekannt ist, aber nicht. Rechtliche Konsequenzen dürfte die misslungene Offerte zunächst nicht haben.

          Dennoch sieht sich nicht nur Cohen, sondern auch der Präsident mit neuen, unangenehmen Fragen konfrontiert. Wusste er beispielsweise, dass sein Vertrauter den Zugang zu seinem inneren Kreis zu Geld machen wollte? Auch die Schweigegeldzahlung von 130.000 Dollar, die Cohen an Pornodarstellerin Stephanie Clifford alias Stormy Daniels leistete, ist weiter im Zentrum des Interesses von Ermittlern und Öffentlichkeit. Am Mittwoch veröffentlichte das Büro für Ethik in Regierungsangelegenheiten Trumps neues Finanzformular, auf dem er seine Einkünfte und Ausgaben offenlegen muss. Darin findet sich eine Zahlung an Michael Cohen „zwischen 100.001 und 250.000 Dollar“. Der Zweck ist nicht angegeben.

          Da Anwalt Rudy Giuliani aber zwischenzeitlich zugegeben hat, dass sein Klient Cohen die Zahlungen an Clifford zurückerstattete, vermuten nun viele, dass die Summe schon auf dem Formular von 2017 hätte stehen müssen und damals verschwiegen wurde. Die 130.000 Dollar gingen 2016 kurz vor der Wahl an Clifford. Giuliani und Trump behaupten nach wie vor, dass Trump dies nicht wusste, sondern Cohen nur für allgemeine Zwecke im Jahr darauf Geld zurückerstattete. Das Ethik-Büro sandte das neue Finanzformular unterdessen auch ans Justizministerium – mit dem Vermerk, man werde es vielleicht hilfreich bei zukünftigen Nachforschungen finden.

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