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Meryl Streep : Sie reizt Trump bis aufs Blut

Entsetzt über Trump: Meryl Streep bei der Verleihung der Golden Globes in Hollywood. Bild: Reuters

Mit ihrer bewegenden Golden-Globes-Rede hat Hollywood-Star Meryl Streep den künftigen Präsidenten erzürnt. Ihre Kritik an Donald Trumps Verhalten gegenüber Minderheiten löste einen seiner berüchtigten Tweets aus.

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          Tränen bei Preisverleihungen in Hollywood sind nichts Besonderes. Aber in der Nacht zum Montag, als Meryl Streep mit kaum vorhandener Stimme (sie habe sich heiser debattiert, sagte sie) bei der Verleihung der Golden Globes in Los Angeles davon erzählte, welche Performance sie im vergangenen Jahr am meisten bewegt hatte - da sprach aus den Gesichtern der Zuhörer mehr als Rührung über die Versicherung, sie seien alle eine Familie in Hollywood und dazu aufgerufen, den Rest der Welt im Innersten zu bewegen und zu unterhalten.

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          Auf den Gesichtern stand tatsächlich so etwas wie ein genuiner Schock, bevor die Tränen flossen, hier und da. Als hätten sie alle für einen Moment vergessen gehabt, was für ein Jahr bevorsteht, welcher Präsident demnächst vereidigt wird, und Dame Meryl Streep, eine der angesehensten Figuren im internationalen Filmgeschäft, hätte sie gerade daran erinnert, dass eine Katastrophe ins Haus steht.

          Die 67 Jahre alte Meryl Streep hat Rockröhren gespielt und Liebhaberinnen, Mütter und Töchter, Schriftstellerinnen und Farmerinnen, und sie ist, daran erinnerte Viola Davis, die sie vorstellte, eine begnadete Köchin. Ein Kontrollfreak auch. Hart im Urteil. Immens fleißig. Hoch dekoriert. Politisch links.

          Sie griff Donald Trump in ihrer Rede frontal an, sagte aber kein einziges Mal seinen Namen. Er fühlte sich auch so angesprochen. „Eine der überschätztesten Schauspielerinnen“ sei sie, twitterte er später, erklärte aber auch, er habe die Übertragung der Golden Globes und die Rede gar nicht gesehen.

          Die Golden Globes werden von der „Hollywood Foreign Press Association“ vergeben, einer Phalanx also von Leuten, die Trump nicht mag. Hollywood nicht, Fremde nicht, die Presse nicht. Dieser Einstieg von Meryl Streep war nicht zum Heulen, sondern zum Lachen, und die Herkunftsgeschichten einiger Nominierter, die sie anschloss, machten klar: Ohne Leute von anderswoher wäre Hollywood tot. Das war schon immer so. Was die Leute zum Weinen brachte, war etwas anderes.

          Sie stellte in den Mittelpunkt ihrer sehr ernsten, sehr bewegten, ihrerseits von einem Schluchzen begleiteten Ansprache jene Szene von einer Pressekonferenz im Sommer, in der Trump einen behinderten Reporter nachgeäfft hatte. „Diese Performance“, sagte sie, „hat mich umgehauen. Nicht, weil sie gut war. Nichts war gut an ihr. Aber sie war effektiv. Sie brachte ihr Publikum zum Lachen und dazu, die Zähne zu zeigen.“ Sie fügte hinzu, es habe ihr Herz gebrochen, wie ein Mann einen anderen demütigt, dem er, was Privilegien, was Macht und die Möglichkeit zurückzuschlagen anginge, so weit überlegen ist.

          Es braucht mehr als eine Geschmacklosigkeit, um Meryl Streeps Herz zu brechen. Wenn man sich ihre Darstellungen höchst unterschiedlicher Frauen in den vergangenen vierzig Jahren anschaut, die Verletzlichkeit, die sie harten Frauen, die Härte, die sie schwachen gegeben hat, um uns erfahren zu lassen, wie es sich anfühlt, ein anderer zu sein - darf man annehmen, sie weiß, wie dem Reporter zumute war. Daher die Tränen. Trump äffte den Kranken nach. Meryl Streep sagte uns, wer er ist.

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