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Russland-Ermittlungen : Manaforts Anwälte sollen Trump Informationen gegeben haben

  • Aktualisiert am

Unter Druck: Paul Manafort Bild: AP

Durch die Treffen wussten die Anwälte des amerikanischen Präsidenten, wonach die Ermittler in der Russland-Affäre suchten und konnten sich darauf einstellen. Treffen mit Julian Assange dementiert Manafort.

          Der Anwalt von Donald Trumps früherem Wahlkampfmanager Paul Manafort soll die Rechtsbeistände des Präsidenten über dessen Befragungen durch den Sonderermittler Robert Mueller auf dem Laufenden gehalten haben. Wie die „New York Times“ unter Berufung auf einen Anwalt des Präsidenten und zwei weitere ungenannte Quellen berichtet, habe Kevin Downing noch nach der Zusage der Zusammenarbeit durch Manafort mit den Trump-Anwälten gesprochen und diesen dargelegt, wonach die Ermittler um Mueller suchten. Manafort wies darüber hinaus am Dienstag eine Darstellung des „Guardian“ zurück, wonach er sich drei Mal mit dem Wikileaks-Gründer Julian Assange getroffen haben soll. „Diese Geschichte ist völlig falsch und absichtlich verleumderisch“, heißt es in einer Stellungnahme Manaforts, die er am Dienstag in Washington über seinen Sprecher Jason Maloni verbreitete.

          Die Zusammentreffen der Anwälte von Trump und Manafort seien nicht illegal, schreibt die „New York Times“. Trumps Anwälte seien Vereinbarungen mit den Anwälten anderer Klienten eingegangen, die ebenfalls in der Russland-Affäre involviert sind. Diese Abkommen erlauben es den Juristen, sich untereinander auszutauschen, ohne die Verschwiegenheitspflicht zu verletzen. Normalerweise würden sich allerdings die Anwälte von Angeklagten, die sich auf einen Deal mit den Ermittlern geeinigt haben – wie Manafort es getan hat –, aus einer solchen Abmachung zurückziehen, heißt es.

          Nachdem die Treffen der Anwälte bekannt geworden waren – Trumps Rechtsbeistand Rodulph Giuliani bestätigte sie –, warfen die Ermittler Manafort vor, sie in Befragungen belogen zu haben und beendeten die Zusammenarbeit am Dienstag. Auf Manafort wartet nun die Verkündung eines Strafmaßes wegen zweier Verschwörungsfälle und acht Vorwürfen des Finanzbetrugs.

          Manaforts Anwalt Kevin Downing hat Informationen mit den Anwälten Trumps geteilt.

          Die „New York Times“ schreibt, es gebe Spekulationen, Manafort habe sich mit seinem Vorgehen eine Kommunikationslinie zu Trump aufrecht erhalten wollen, um diesen Wissen zu lassen, dass er ihn nicht belaste und sich somit möglicherweise Hoffnungen auf eine Begnadigung durch Trump gemacht. Die Informationen haben den Trump-Anwälten helfen können, ihre Verteidigungsstrategie zu planen, heißt es. Auch ihre öffentlichen Äußerungen gegen die Russland-Untersuchung könnten von dem Wissen profitiert haben.

          Wegen der Vorwürfe im „Guardian“ prüfe er alle denkbaren rechtlichen Schritte gegen die britische Zeitung, sagte Manaforts Sprecher am Dienstag. Diese habe die Geschichte auch dann nicht zurückgenommen, als seine Vertreter die Journalisten darauf hingewiesen hätten, dass der Bericht fehlerhaft sei. Auch Wikileaks hatte den Bericht dementiert.

          Der „Guardian“ hatte berichtet, dass Manafort sich dreimal mit Assange in der ecuadorianischen Botschaft in London getroffen habe, zuletzt im März 2016. Wochen später veröffentlichte Wikileaks gehackte E-Mails der Demokraten, die Trumps damalige Gegenkandidatin im Rennen um die Präsidentschaft, Hillary Clinton, in ein schlechtes Licht rückten und ihr im Wahlkampf schadeten. Trump selbst hatte im Wahlkampf Wikileaks, eigentlich ein Rotes Tuch für amerikanische Sicherheitskreise, mehrfach gelobt.

          Julian Assange weist die Vorwürfe des „Guardian“ zurück.

          Assange, der seit Jahren in der Botschaft Ecuadors in London ausharrt, hatte stets dementiert, dass die gestohlenen E-Mails von irgendeiner staatlichen Stelle an Wikileaks gingen. Amerikanische Geheimdienste beschuldigen Russland, hinter den Hackerangriffen auf die Demokraten zu stehen.

          Der 47 Jahre alte Assange hat in der diplomatischen Vertretung in London Unterschlupf gesucht, weil er eine Auslieferung in die Vereinigten Staaten und eine Anklage dort fürchtete. Vor wenigen Tagen war durch einen Zufall bekanntgeworden, dass wohl versiegelte Anklageschriften gegen ihn in den Vereinigten Staaten existieren. Wikileaks klagte vor einem Gericht im Bundesstaat Virginia auf die Öffnung der angeblich versiegelten Dokumente.

          Die amerikanische Regierung argumentiert ihrerseits, die angeblichen Dokumente seien kein Beweis dafür, dass es tatsächlich eine Anklage gegen Assange gebe. Eine Entscheidung in der Sache habe ein Richter in der Stadt Alexandria nahe Washington auf nächste Woche verschoben, berichtete die „Washington Post“ am Dienstag.

          Erst tags zuvor war bekannt geworden, dass Sonderermittler Robert Mueller Manafort beschuldigt, die Ermittler in der Russland- Untersuchung belogen zu haben. Manafort hatte sich in einem Gerichtsverfahren, das mit seiner früheren Beratertätigkeit in der Ukraine zusammenhängt, schuldig bekannt und war einen „Plea Deal“ eingegangen, also eine Vereinbarung mit der Justiz. Laut seinen Anwälten traf er sich mehrfach mit den Ermittlern um Mueller. Dieser untersucht, ob es bei den mutmaßlich russischen Einflussversuchen auf den Präsidentschaftswahlkampf 2016 geheime Absprachen zwischen Mitgliedern von Trumps Wahlkampteam und russischen Vertretern gab.

          Trumps Wahlkampflager hatte am 28. März 2016 bekannt gegeben, dass Manafort Teil des Teams wird. Am 20. Juni machte Trump ihn dann zum Wahlkampfmanager. Im selben Monat nahm Manafort an einem Treffen mit einer russischen Anwältin im Trump-Tower in New York teil, um das sich viele Fragen ranken.

          Der älteste Sohn des heutigen Präsidenten, Donald Trump Jr., hatte der Begegnung mit der Anwältin zugestimmt, weil ihm kompromittierendes Material über die Konkurrentin seines Vaters, Hillary Clinton, versprochen worden war. In einer E-Mail an Trump Jr. ist von einem Versuch der russischen Regierung die Rede, dem älteren Trump zu helfen. Neben Trump Jr. und Manafort nahm auch Trumps Schwiegersohn Jared Kushner an dem Treffen teil.

          Trump wollte sich in einem Interview der „Washington Post“ am Dienstag nicht zu den Vorwürfen gegen Manafort äußern.

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