https://www.faz.net/-gpf-99hc6

Besuch bei Trump : Macrons Mission

  • -Aktualisiert am

Auf die Männerfreundschaft? Trump und Macron stoßen an beim festlichen Bankett im Weißen Haus. Bild: AP

Der Staatsbesuch von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in Washington bringt schöne Bilder und herzliche Gesten. Doch hinter den Kulissen wird seit Wochen hart verhandelt – denn Macron will nicht mit leeren Händen nach Europa zurückkehren.

          Emmanuel Macron lachte, als Donald Trump ihm vermeintliche Schuppen vom Revers klopfte – „Wir müssen ihn doch perfekt aussehen lassen“, scherzte der amerikanische Präsident. War das nun sympathische altväterliche Unbeholfenheit oder doch eine Überlegenheitsgeste? Genug zu spekulieren bei Twitter, nur in den Schatten gestellt von der Frage: Sieht Melania Trumps Ensemble mit dem weißen breitkrempigen Hut mehr aus wie aus der Serie „Scandal“, oder imitiert sie doch ein Outfit von Superstar Beyoncé?

          Bei den Gesprächen von Trump und Macron am Dienstag ging es trotz der lockeren Stimmung natürlich um ernste Fragen. Der französische Präsident macht sich bekanntlich Hoffnungen, Trump vom Festhalten am Atomabkommen mit Iran überzeugen zu können. Trump wiederum ließ beim gemeinsamen Pressetermin keinen Zweifel daran, dass er dem nach wie vor mehr als skeptisch gegenüber steht. Der Deal sei „verrückt“ und „lächerlich“ und hätte nie geschlossen werden dürfen, sagte Trump.

          Top-Thema Iran

          Doch hinter den Kulissen wird schon länger verhandelt und dabei deutet vieles darauf hin, dass es in dieser Frage Bewegung geben könnte. Macrons Berater und seine Diplomaten in Washington arbeiten seit Monaten daran, die Trump-Regierung von ihren Extrempositionen abzubringen. Die Amerikaner müssen bis zum 12. Mai entscheiden, ob sie tatsächlich aus dem Vertrag aussteigen wollen. Eine Lösung, die französischen Diplomaten diskutieren, könnte eine Neuauflage des Abkommens sein. Europäische und amerikanische Unterhändler sind schon länger dabei, eine neue gemeinsame Linie auszuhandeln, die den Kern des bisherigen Vertrages rettet, aber bestimmte Forderungen der Amerikaner berücksichtigt.

          Macron sagte, er hoffe auf einen „neuen Deal“ mit Iran, der weitere Punkte enthalte: zum einen müsse man weiterhin dafür sorgen, dass nukleare Aktivitäten kurzfristig ausgeschlossen blieben. Dazu müssten aber langfristigere Vereinbarungen kommen, die auch Irans nicht-nukleares Raketenprogramm einschlössen.

          Ebenso wie bei einer erhofften Neuverhandlung des Pariser Klimaschutz-Vertrages würde man Trump, der sich im Interesse seiner Anhänger rhetorisch weit aus dem Fenster gelehnt hatte, so die Gelegenheit geben, Erfolge für sich zu verbuchen. Neu ausgehandelte Abkommen, die in einzelnen Punkten amerikanische Interessen vermeintlich oder tatsächlich besser berücksichtigen, könnte der Präsident als „Sieg“ für sich verkaufen. „Wir haben diesen schrecklichen Deal gemacht, aber wir werden darüber diskutieren", sagte Trump am Dienstag denn auch über den Vertrag mit Iran. Die Hoffnung, das Trump zumindest diskussionsbereit ist, gibt es auch beim Thema Syrien: hier soll Macron die Amerikaner davon überzeugen, ihre Truppen in jetziger Stärke in der Region zu belassen.

          Ziel: Angepasste Entscheidungen

          Aurélien Lechevallier, außenpolitischer Berater von Macron, sagte kürzlich: „Wir werden Donald Trumps Überzeugungen und das Programm, mit dem er gewählt wurde, nicht ändern. Aber es gibt immer die Möglichkeit, mit ihm zu arbeiten, so dass er seine Entscheidungen etwas anpasst. Oder zumindest kollektiv daran zu arbeiten, die Folgen seiner Entscheidungen abzumildern – wie beim Klimawandel.“

          Laut dem Magazin „Axios“ gibt es auf manchen Gebieten durchaus eine enge Abstimmung zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten. Demzufolge reiste Lechevallier im Januar zu einem geheimen Besuch nach Ramallah, um Palästinenser-Präsident Mahmoud Abbas davon zu überzeugen, einen kommenden Friedensplan Trumps zumindest zu prüfen. Dem Besuch seien wochenlange Beratungen zwischen Washington und Paris vorausgegangen.

          Weitere Themen

          Sicherheitsrisiko Trump

          Russland-Affäre : Sicherheitsrisiko Trump

          Justizminister William Barr kann ab jetzt Geheimdienstinformationen freigeben, um zu belegen, dass die Russland-Ermittlung eine „Hexenjagd“ gewesen sein soll. Aus politischen Motiven geht Donald Trump erhebliche Sicherheitsrisiken ein.

          Grüne Großstädte – blauer Osten Video-Seite öffnen

          Analyse der Europawahl : Grüne Großstädte – blauer Osten

          Die Grünen punkten bei der Europawahl in den Städten und in der Fläche, die AfD ist stärkste Kraft in Teilen Ostdeutschlands. Doch auch andere Entwicklungen sind bemerkenswert: Gab es einen Rezo-Effekt für die CDU? Und woher kommen die Stimmen für „Die Partei“?

          Erstmal eine Runde Golf

          Trump in Japan : Erstmal eine Runde Golf

          Der amerikanische Präsident Donald Trump ist zu Gast bei Japans Premierminister Shinzu Abe. Die beiden wollen über ein Handelsabkommen sprechen – zuvor ging es aber auf den Golfplatz.

          Topmeldungen

          Analyse der Europawahl : Grüne Großstädte – blauer Osten

          Die Grünen punkten bei der Europawahl in den Städten und in der Fläche, die AfD ist stärkste Kraft in Teilen Ostdeutschlands. Doch auch andere Entwicklungen sind bemerkenswert: Gab es einen Rezo-Effekt für die CDU? Und woher kommen die Stimmen für „Die Partei“?
          Innenminister und Lega-Chef Salvini bei einer Pressekonferenz nach der Europawahl

          Lega siegt in Italien : Und wieder küsst er das Kruzifix

          Matteo Salvinis Lega erzielt bei der Europawahl das beste Ergebnis ihrer Geschichte – und kann damit wohl auch ihren Koalitionspartner Fünf Sterne unter Druck setzen. Der Parteichef zelebriert den Erfolg am Montag mit einer umstrittenen Geste.

          TV-Kritik: Anne Will : Lieber Klimakrise als Flüchtlingskrise lautet das Motto

          Union und SPD fehlte bei der Europawahl die Kraft zur harten Auseinandersetzung. Bei Anne Will machen Armin Laschet und Sigmar Gabriel die Hilflosigkeit ihrer Parteien sichtbar. Insgesamt ähnelt Deutschland in einem Punkt dem restlichen EU-Europa.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.