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Kurzes Gastspiel : Trump-Sprecher Scaramucci räumt seinen Posten

  • Aktualisiert am

Anthony Scaramucci muss seinen Posten als Kommunikationsdirektor räumen. Bild: AP

Nächster Paukenschlag in Washington: Der erst vor wenigen Tagen ernannte Kommunikationschef von Präsident Trump, Anthony Scaramucci, verliert sein Amt. Freiwillig? Oder auf Betreiben des neuen Stabschefs Kelly?

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          Der amerikanische Präsident Donald Trump hat Anthony Scaramucci nur zehn Tage nach dessen Ernennung zum Kommunikationschef entlassen. Der Ex-Wall-Street-Banker werde seinen Posten räumen, teilte das Weiße Haus am Montagabend mit. Zuvor hatte die „New York Times“ unter Berufung auf mit der Entscheidung vertraute Personen darüber berichtet.

          Der „New York Times“ und auch dem Magazin „Politico“ zufolge entließ Trump Scaramucci auf Druck seines neuen Stabschefs John Kelly. Der neue Stabschef Kelly war erst am Montag vereidigt worden. Die Ernennung des ehemaligen Vier-Sterne-Generals war allgemein so interpretiert worden, dass der Ex-Marine Ordnung im Weißen Haus schaffen soll.

          „Unangemessene Äußerungen“

          Der Darstellung, wonach Kelly für Scaramuccis Entlassung verantwortlich sei, widersprach Präsidentensprecherin Sarah Huckabee Sanders am Montagabend zwar: Sie sagte, dem neuen Stabschef Kelly solle es auf diese Weise ermöglicht werden, „sein eigenes Team zu bilden“ und einen Neuanfang zu unternehmen. Das Weiße Haus stellte es so dar, als habe Scaramucci deshalb aus freien Stücken sein Amt angeboten. Es war zunächst unklar, ob er einen anderen Job in der Regierungszentrale erhalten soll.

          Andererseits machte Sanders deutlich, wie Trump zu Scaramucci zuletzt stand: „Ganz sicher war der Präsident der Ansicht, dass Anthonys (Scaramuccis) Äußerungen unangemessen für einen Mann in dessen Position war“, sagte sie am Montagabend. Als Konsequenz daraus sollen künftig alle Mitarbeiter des Weißen Hauses direkt an Stabschef Kelly berichten. Dies gelte auch für Trumps Familienmitglieder, die als Berater fungieren, so Sanders am Abend.

          Scaramucci, ein New Yorker Investor und Geldgeber der republikanischen Partei, hatte in der vergangenen Woche mit unflätigen Äußerungen von sich Reden gemacht. Er hatte Stabschef Reince Priebus beschimpft, der kurz darauf seinen Posten verließ. Auch Trumps Chefstrategen Steve Bannon hatte Scaramucci mit Schmutz beworfen.

          Scaramuccis Ernennung war in der Regierungszentrale von Anfang an umstritten. Trumps damaliger Sprecher Sean Spicer nahm sie als Grund, seinen Job zu schmeißen. Spicer sagte, Scaramucci werde die bereits vorhandene Unsicherheit und das Durcheinander in der Regierung nur verstärken.

          Am Tag seines Abgangs als Kommunikationschef: Anthony Scaramucci hinter der Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Huckabee Sanders

          Bevor der telegene Harvard-Absolvent Scaramucci seinen neuen Posten erhielt, war er bereits einer der eloquentesten und entschiedensten Fürsprecher Trumps in diversen Fernsehsendungen. Wie es heißt, mochte der Präsident „theMooch“, wie Scaramucci in Manhattan genannt wird, sehr, weil er ihm in vielen Punkten ähnlich sei – von seinem exaltierten New Yorker Stil bis hin zu seinen Erfolgen als Geschäftsmann.

          Schillernder Investor mit eigener Fernsehshow

          Scaramucci kam als Sohn eines italienischen Immigranten zur Welt, der im Sand-Tagebau arbeitete. Er selber war früher unter anderem bei Goldman Sachs tätig und hob dann eine eigene Investment-Firma aus der Taufe. 2005 gründete er Sky Bridge Capital, die er Anfang des Jahres verkaufte. Er hatte auch eine eigene Fernsehshow, „Wall Street Week“.

          Der verheiratete Scaramucci war nicht immer ein Trump-Anhänger. So hatte er im vergangenen Vorwahlkampf zunächst die republikanischen Bewerber Scott Walker und dann Jeb Bush unterstützt. 2015 nannte er Trump in einer TV-Sendung unter anderem einen „politischen Nichtsnutz“, was er bei seiner Amtsübernahme am Freitag vor einer Woche als „einen meiner größten Fehler“ bezeichnete. Trump sei in Wahrheit ein „wunderbarer Mensch“

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