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Republikaner streiten : Ist Romney wirklich ein Hoffnungsträger?

  • -Aktualisiert am

Mitt Romney sitzt nun im amerikanischen Senat. Bild: AFP

Weil Mitt Romney Amerikas Präsidenten harsch kritisiert hat, hoffen manche, der neue Senator könne Trump politisch Paroli bieten. Doch die Hoffnung ist nur teilweise berechtigt.

          Als am Donnerstag die neuen republikanischen Senatoren feierlich vereidigt wurden, erhielt einer ganz besonders viel öffentliche Aufmerksamkeit: Mitt Romney, ehemaliger Präsidentschaftskandidat und nun Senator für den Bundesstaat Utah. Zwei Tage zuvor hatte er in der „Washington Post” einen Text veröffentlicht, in dem er den Präsidenten kritisierte. Donald Trump sei seiner Aufgabe nicht gewachsen und in den vergangenen Monaten sei es mit der Präsidentschaft immer weiter bergab gegangen, hieß es da. „Jetzt, wo unsere Nation so gespalten, voller Ressentiments und wütend ist, wäre charaktervolle Führung durch den Präsidenten entscheidend. Und ausgerechnet auf diesem Gebiet ist das Unvermögen des Amtsinhabers am augenfälligsten“, schrieb Romney.

          Amerika müsse die Führung in der Weltpolitik wieder an sich nehmen und die Schäden zu Hause reparieren – dazu müsse Trump die Bürger inspirieren und einen. Romney gab in den Augen vieler Beobachter damit eine Art Waffenstillstand mit Trump auf. So erinnerte er in seinem Essay daran, dass er 2016 gegen die Präsidentschaftskandidatur des Immobilienunternehmers gewesen war. Trump forderte den Romney daraufhin auf, sich mehr als „Teamspieler“ hervorzutun. Und die Vorsitzende des Republikanischen Nationalkommitees, Ronna Romney McDaniel, bezeichnete den Artikel als „enttäuschend und unproduktiv“. Romney McDaniel ist eine Nichte des Senators.

          Gegen Obama verloren

          Romney, der von 2003 bis 2007 Gouverneur von Massachusetts war, trat im Jahr 2012 erfolglos gegen Amtsinhaber Barack Obama an. Bei der Midterm-Kongresswahl am 6. November 2018 wurde er als Nachfolger von Orrin Hatch für Utah in den Senat gewählt. Romney lebt inzwischen in dem Mormonen-Staat, wo er familiäre Wurzeln und ein starkes Spender-Netzwerk hat.

          Sein Text griff Trump vor allem auf der charakterlich-moralischen Ebene an – politische Alternativen zu den Projekten des Präsidenten entwarf er darin nicht. Wie andere Republikaner auch teilt Romney mit Trump schließlich viele politische Ziele. Mit Trump konnten sie Steuersenkungen für Unternehmen ebenso durchsetzen wie eine härtere Abschiebepolitik und die Besetzung von Richterämtern mit Rechtskonservativen und Abtreibungsgegnern. Einzelne kritische Republikaner verlegten sich in den vergangenen zwei Jahren deswegen auf moralische Ermahnungen, sie stimmten aber für Trumps Projekte ab.

          Viele Konservative verteidigten den Präsidenten nun auch gegen Romneys Kritik. Ari Fleischer, ehemaliger Pressesprecher von George W. Bush, sagte, der Senator solle seine Energie auf Konflikte mit den Demokraten konzentrieren: „Wenn Senator Romney denkt, Trump sei ein größeres Problem als Nancy Pelosi oder Senator Schumer, dann hat er noch viel über den Betrieb in Washington zu lernen.“ Der konservative Publizist Henry Olsen antwortete Romney in der „Washington Post“: „Romney möchte euch glauben machen, man könne den Kuchen gleichzeitig behalten und aufessen – dass man gleichzeitig gegen Trumps Charakter und für seine Politik sein kann. Aber das funktioniert in der realen Welt nicht. Über seinen Charakter herzuziehen schadet dem Präsidenten, und die Republikaner wissen das.“

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