https://www.faz.net/-gpf-9mylv

Konflikt mit Iran : Amerika versetzt Truppen in höhere Alarmbereitschaft

  • Aktualisiert am

Archivbild: Ein amerikanischer Soldat in Mosul Bild: obs

Donald Trump versucht zu beschwichtigen, ein Krieg mit Iran stehe nicht unmittelbar bevor. Doch über die aktuelle Gefährdungslage herrscht selbst unter den Verbündeten Uneinigkeit.

          Ungeachtet allseitiger Beteuerungen, einen Iran-Krieg vermeiden zu wollen, geht das Säbelrasseln weiter. Die amerikanischen Streitkräfte erhöhten die Alarmbereitschaft für ihre Anti-Terror-Kräfte in der Region, wie sie am Dienstag bekanntgaben. Es gebe glaubhafte Bedrohungen durch von Iran unterstützte Kräfte. Zuvor hatte der britische Vize-Kommandeur der Anti-IS-Operation „Inherent Resolve“ erklärt, es gebe keine Anzeichen für eine solche erhöhte Bedrohung.

          Die amerikanischen Streitkräfte reagierten umgehend und erklärten, diese Einschätzung sei nicht mit den Geheimdiensterkenntnissen der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten im Einklang. Außenminister Mike Pompeo sagte bei seiner Abreise aus Russland, es gebe derzeit keine neuen Erkenntnisse zum Bedrohungsszenario. „Ich denke in den kommenden Stunden und Tagen werden wir die Antwort haben (...).“

          Zuvor hatten in dem Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und Iran beide Seiten beteuert, keinen Krieg zu wollen. Sowohl Washington als auch Teheran gaben sich am Dienstag aber unnachgiebig in ihren Positionen. Die Regierung von Amerikas Präsident Donald Trump richtete abermals eine Warnung an Iran. Außenminister Mike Pompeo sagte bei einem Besuch in Russland, dass sein Land keinen Krieg gegen Iran wolle. „Wir wollen, dass sich Iran wie ein normales Land verhält.“ Wenn aber amerikanische Interessen angegriffen würden, dann würden sich die Vereinigten Staaten wehren.

          Chamenei: Kein Interesse an Verhandlungen

          Irans oberster Führer, Ajatollah Ali Chamenei, machte am selben Tag klar, dass sein Land nicht an Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten interessiert sei. „Weder wir wollen einen Krieg, noch wollen das die (Amerikaner), deshalb wird es den auch nicht geben“, sagte Chamenei im Staatsfernsehen. Iran habe im Konflikt mit den Vereinigten Staaten jedoch „den Weg des Widerstands“ gewählt, denn Verhandlungen mit Washington seien „wie ein Gift“.

          Die Spannungen zwischen den beiden Ländern hatten in den vergangenen Tagen massiv zugenommen. Amerikas Präsident Trump hält Iran vor, Unruhe in der Region zu schüren und Terrorismus zu unterstützen. Das amerikanische Verteidigungsministerium hatte zuletzt unter anderem einen Flugzeugträger und eine Bomberstaffel in den Nahen Osten entsandt und dies damit begründet, dass es Hinweise darauf habe, dass Iran Angriffe auf amerikanische Truppen unternehmen könne.

          Angeheizt wurde die Lage zusätzlich durch Sabotageakte in der Golfregion. In Saudi-Arabien wurde am Dienstag eine der wichtigsten Ölpipelines des Landes von mit Sprengstoff beladenen Drohnen angegriffen – möglicherweise von jemenitischen Houthi-Rebellen. Sie werden von Iran unterstützt. Am Wochenende waren aus den benachbarten Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) Sabotageakte an Öltankern gemeldet worden.

          Bei dem Vorfall in Saudi-Arabien wurden Regierungsangaben zufolge zwei Pumpstationen der Ost-West-Pipeline im Zentrum des arabischen Königreiches angegriffen. Sieben Drohnen hätten Angriffe gegen wichtige Ziele in Saudi-Arabien ausgeführt, berichtete das jemenitische Medienunternehmen Al-Masirah mit Verweis auf Militärkreise der Houthis. Das Medienunternehmen steht unter Kontrolle der Rebellen. Ein Houthi-Sprecher bezeichnete die Angriffe als Vergeltungsaktion für die Angriffe Saudi-Arabiens im Jemen. Iran und das von den Vereinigten Staaten unterstützte Saudi-Arabien sind Erzfeinde.

          Aus Sicherheitsgründen sei der Betrieb der Pipeline in Saudi-Arabien, die vor allem für den Öltransport nach Europa und Amerika wichtig ist, vorläufig eingestellt worden, teilte das staatliche Energieunternehmen Saudi Aramco mit. Es habe keine Opfer und nur leichte Sachschäden gegeben.

          Der iranische Außenminister Dschawad Sarif warnte angesichts der Entwicklungen vor einer Eskalation. „Wir hatten es schon vorhergesehen, dass solche dubiosen Zwischenfälle passieren könnten, um Spannungen in der Region zu provozieren“, sagte er laut der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur Irna.

          Präsident Trump dementierte unterdessen einen Bericht über eine massive Entsendung von Soldaten in die Region. Die „New York Times“ hatte geschrieben, dass die Vereinigten Staaten die Entsendung von 120.000 Soldaten in den Mittleren Osten für den Fall prüften, dass Iran beschleunigt an Atomwaffen arbeiten oder amerikanische Truppen angreifen sollte.

          Trump bezeichnete dies als „Fake News“. Trump sagte mit Blick auf die Nachricht: „Würde ich das machen? Absolut. Aber das haben wir nicht geplant. Hoffentlich werden wir das nicht planen müssen. Und wenn wir müssten, würden wir verdammt viel mehr Truppen schicken.“

          Weitere Themen

          Theresa May kämpft mit den Tränen Video-Seite öffnen

          Während der Rücktrittsrede : Theresa May kämpft mit den Tränen

          May werde als Parteichefin der Konservativen am 7. Juni zurücktreten, nachdem es ihr nicht gelungen sei, das Parlament von ihrem Brexit-Abkommen zu überzeugen, sagte sie in der Downing Street in London. Mit dem Rücktritt vom Parteivorsitz gibt May auch ihr Amt als Regierungschefin auf – ihr Nachfolger im Amt als Parteivorsitzender wird dann auch Premierminister.

          Theresa May tritt zurück Video-Seite öffnen

          Der Druck war zu groß : Theresa May tritt zurück

          Großbritanniens Premierministerin Theresa May hat ihren Rücktritt bekanntgegeben. Sie werde als Parteichefin der Konservativen am 7. Juni zurücktreten, nachdem es ihr nicht gelungen sei, das Parlament von ihrem Brexit-Deal zu überzeugen, sagte May in London. Damit gibt sie auch ihr Amt als Regierungschefin auf.

          Topmeldungen

          Nach Mays Ankündigung : Brexit-Opfer

          Das Brexit-Thema wurde May wie zuvor schon Cameron zum politischen Verhängnis – und es ist eine Last, die auch die kommende Regierung nicht einfach abschütteln kann. Die EU allerdings auch nicht.
          Erst der Anfang: Dem „Spiegel“ stehen grundlegende Neuerungen bevor.

          Bericht zu „Spiegel“-Skandal : „Ein verheerendes Bild“

          Fünf Monate nach dem Bekanntwerden seines Fälschungsskandals hat der „Spiegel“ den Abschlussbericht seiner internen Untersuchung vorgelegt. Er offenbart eine Verkettung missachteter Warnungen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.