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Latinos bei den Kongresswahlen : „Ich blute rot, weiß und blau!“

  • -Aktualisiert am

Die Schauspielerinnen Zoe Saldana, Eva Longoria und Gina Rodriguez (von links) ermutigen lateinamerikanische Bürger, zur Wahl zu gehen. Bild: AFP

Menschen mit lateinamerikanischen Wurzeln stellen in Amerika mehr als zehn Prozent der Wahlberechtigten. In vielen Bundesstaaten gelten ihre Stimmen als wahlentscheidend. Dabei ist längst nicht klar, wen oder ob viele überhaupt wählen.

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          Eva Longoria, Rosario Dawson, Zoe Saldana, America Ferrera und Gina Rodriguez – sie alle sind berühmte Schauspielerinnen mit lateinamerikanischen Wurzeln. Am Sonntag führten sie einen Marsch durch Little Havana in Miami an, Motto: „Si se puede! Yes, we can!“ Der berühmte Ausspruch von Barack Obama sollte eine Aufforderung zum Wählen sein, an alle Amerikaner, aber vor allem an die Latinos. „Ich bin die Tochter von Einwanderern und ich bin eine echte Amerikanerin, ich blute rot, weiß und blau!“ wurde America Ferrera anschließend zitiert.

          Der Marsch war ein Versuch, die Latinos an die Wahlurnen zu bringen, denn ihre Wahlbeteiligung liegt deutlich unter dem Durchschnitt. Insgesamt sagen 55 Prozent der Wahlberechtigten hispanischer Abstammung laut dem „Pew Research Center“ dieses Mal, dass sie enthusiastischer seien als bei vergangenen Wahlen. Bei der letzten Midterm-Kongresswahl 2014 lag dieser Wert bei 37 Prozent. Die Wahlbeteiligung der Latinos erreichte damals aber mit 27 Prozent ein Rekordtief.

          Latinos stellen fast 13 Prozent der Wahlberechtigten

          Mehr als 59 Millionen Menschen mit familiären Wurzeln in Lateinamerika leben insgesamt im Land, acht Millionen davon ohne gültige Aufenthaltserlaubnis. Latinos stellen eine der am stärksten wachsenden Bevölkerungsgruppen. Mehr als 28 Millionen von ihnen sind in diesem Jahr wahlberechtigt. Das sind 12,8 Prozent der Wähler in den Vereinigten Staaten. Und 71 Prozent dieser Wähler lebten 2017 in sechs Bundesstaaten: Kalifornien, Texas, Florida, New York, Arizona und Illinois.

          Diesmal hätten diese Bürger nach Meinung vieler Beobachter mehr Gründe, zur Wahl zu gehen als je zuvor. Die Frustration mit Donald Trumps Regierung ist unter ihnen besonders hoch. „Pew“ fand heraus, dass etwa die Hälfte der Latinos im Land denkt, ihre Situation habe sich seit Trumps Amtsantritt verschlechtert. Viele machen sich Sorgen um drohende Abschiebungen von Verwandten und Freunden  – 55 Prozent gaben an, davor Angst zu haben und 67 Prozent sagten, die jetzige Regierung sei schädlich für sie. Unter Trumps Vorgänger Barack Obama lag dieser Wert bei höchstens 15, in der Zeit von Präsident George W. Bush bei 41 Prozent.

          Kein Wunder: Trump bezeichnete Mexikaner im Wahlkampf 2016 als Vergewaltiger, er beendete das „DACA“-Programm für Menschen, die als Kinder von illegalen Einwanderern ins Land gekommen waren und er trennte eine nie zuvor dagewesene Zahl von Kindern an der Grenze von ihren Eltern. Die Frustration über diese Politik und die Angst, dass es zu Massenabschiebungen kommt, könnte sich auch an den Urnen bemerkbar machen. Zwei Drittel der Wähler mit lateinamerikanischen Wurzeln neigen bislang der demokratischen Partei zu. Diese Anteile seien seit der letzten Kongresswahl 2014 weitgehend stabil geblieben. Mit 63 zu 29 Prozent liegen die Demokraten laut „Pew“ auch 2018 vorn.

          Das müsste eigentlich ein Vorteil für die Demokraten sein, doch die Wahlbeteiligung der Latinos ist chronisch niedrig. Wut und Enttäuschung sind noch lange kein Garant dafür, dass Menschen auch abstimmen, warnen Experten. Sie geben den Demokraten die Schuld an den verschenkten Stimmen: die täten nicht genug, um wirklich auf diese Wähler zuzugehen. Ricardo Ramirez, Politikwissenschaftler an der Notre Dame Universität in Indiana, warnt die Partei davor, die Stimmen der Latinos für garantiert zu halten: „Wenn die Demokraten glauben, sie können automatisch mit einer höheren Wahlbeteiligung rechnen, weil die Leute Angst haben oder sich bedroht fühlen, dann könnten sie eine große Enttäuschung erleben.“ Hinzu kommt, dass 43,5 Prozent der wahlberechtigten Latinos zwischen 18 und 35 sind. Millennials wählen seltener als andere Altersgruppen – dies ist also ein wichtiger Faktor für die niedrige Wahlbeteiligung von Latinos.

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