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Kongresswahlen in Amerika : Texanische Träume

  • -Aktualisiert am

Ted Cruz Anfang April auf einer Wahlkampfveranstaltung in Stafford, Texas: Geht der Stern des republikanischen Senators unter? Bild: AFP

Für die Demokraten hat die Präsidentschaft von Donald Trump zumindest einen positiven Effekt: Ihre Basis ist so enthusiastisch wie selten zuvor. Nun hofft die Partei sogar im republikanischen Texas auf einen Erfolg bei den Kongresswahlen.

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          Wenn du in Texas antreten willst, kannst du kein Linker sein“, so geht ein Country-Song, der dieser Tage dort im Radio läuft – er kommt von der Wahlkampagne des republikanischen Senators Ted Cruz. Alles beim Alten also? Nein, es gibt Unruhe im „Lone Star“-Staat, wo die Republikaner eigentlich unangefochten herrschen. Denn Cruz sieht sich einer ungewöhnlichen Herausforderung gegenüber: einem  finanziell gut ausgestatteten, charismatischen Demokraten.

          Beto O’Rourke aus El Paso ist bislang Kongressabgeordneter in Washington, doch im November will er mehr: Cruz entmachten. Der ehemalige Präsidentschaftsbewerber wurde bislang noch nie ernsthaft herausgefordert. Aber O’Rourke will für ihn ein ähnlicher Albtraum werden, wie ihn die Republikaner in Alabama mit dem demokratischen Sieger Doug Jones und, in kleinerem Maßstab, in Pennsylvania mit dem Erfolg von Conor Lamb erlebten, bei dem es freilich „nur“ um einen Sitz im Repräsentantenhaus ging und nicht um den herausgehobenen Job eines Senators.

          Die Demokraten haben in Texas die Wahrscheinlichkeit gegen sich. Die politische Kultur im zweitgrößten Bundesstaat Amerikas ist bislang deutlich von Republikanern dominiert. Sie kontrollieren beide Kammern des Landesparlaments, stellen den Gouverneur. Die Partei stellt mit Ted Cruz und John Cornyn beide Senatoren, ins Repräsentantenhaus schickt der Bundesstaat zur Zeit 24 Republikaner und elf Demokraten. Die republikanische Dominanz liegt nach Meinung von Politikwissenschaftlern auch am Zuschnitt der Wahlkreise durch „Gerrymandering“, bei dem sich eine Partei die Bezirke so zurechtschneidet, dass sie Vorteile davon hat. Texas sei der Staat, „wo die Demokraten ihre Träume zum Sterben hin schicken“, befand der Kolumnist Frank Bruni in der Zeitung „New York Times“.

          „Kennedyesk“ sei der demokratische Hoffnungsträger, kaudawelschte das Magazin „Vanity Fair“ über Beto O’Rourke. Der hat tatsächlich Qualitäten, die man in den Wahlkämpfen der Bilder und großen Gesten gut gebrauchen kann. Als 45 Jahre alter Mann geht er noch als jung durch, als Politiker ist er erfahren – und O’Rourke ist auch nicht zu glatt, denn immerhin spielte er einmal in einer Punkband. Sein gutes Aussehen heben die Kommentatoren ebenfalls regelmäßig hervor.

          O’Rourke steht für ein Texas, in dem viele Menschen zumindest in den Ballungsräumen wie Austin und Houston liberaler werden. Viele Bürger bekennen sich zu dem multiethnischen Gesicht des durch Einwanderung geprägten Bundesstaates – auch wenn es die Hardliner, die die Grenzen dicht machen wollen, natürlich immer noch zahlreich gibt. Aus Sicht der Einwanderungsfreundlicheren unter den Demokraten steht der Kandidat für diese Vielfalt: Er spricht fließend Spanisch und benutzt seit seiner Kindheit einen Vornamen, der eine Koseform von Roberto ist.

          Beto O’Rourke bei einem Fundraiser-Baseballspiel am vergangenen Wochenende in Austin, Texas.

          Doch auch Ted Cruz kann an dieser Front mithalten, schließlich ist er der Nachfahr eines kubanischen Einwanderers „der mit nichts nach Texas kam“, wie der Senator gern betont. Laut einer Schätzung des „Texas Population Estimate Programs“ von 2015 haben 40 Prozent der Einwohner von Texas Vorfahren in Mittel- und Südamerika oder sind selbst von dort eingewandert, rund 42 Prozent identifizieren sich als weiß und etwa zwölf Prozent als schwarz. Menschen mit lateinamerikanischen Wurzeln sind also mit die wichtigste Wählergruppe – viele wählen Demokraten, aber nicht wenige sind auch konservativ, wie etwa ältere Exilkubaner.

          Beto O’Rourkes Positionen sind oftmals linksliberal. Er ist dafür, illegalen Einwanderern, die zum Teil seit Jahrzehnten in Texas arbeiten und Steuern zahlen, einen Weg zur Staatsbürgerschaft zu ebnen, er will Marihuana legalisieren, und er ist für eine allgemeine öffentliche Krankenversicherung. Sein größter Vorteil ist, dass er tatsächlich die demokratischen Spender begeistert. Über 13 Millionen Dollar hat O‘Rourke bereits eingesammelt. In den ersten Monaten des Jahres 2018 gaben ihm seine Anhänger so viel Geld wie keinem anderen demokratischen Senatskandidaten im selben Zeitraum: 6,7 Millionen Dollar. Die Spender kommen nicht von den berüchtigten Super-PACs, den „Political Action Committees“, sondern von einer erfolgreichen Social-Media-Kampagne. O’Rourkes Team erklärte früh, dass es keine Gelder von den PACs nehmen wolle.

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