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„Blaue Welle“ bei Kongresswahl : Diese sechs Rennen müssen Amerikas Demokraten gewinnen

  • -Aktualisiert am

Unterstützung von einem Idol: Der demokratische Kandidat Andrew Gillum (r.) im Wahlkampf gemeinsam mit Barack Obama. Bild: AFP

Wollen Amerikas Demokraten künftig wieder erfolgreich sein, müssen sie bei den „Midterms“ einige enge Rennen gewinnen. Bei manchen haben allerdings die Republikaner die besseren Chancen. FAZ.NET präsentiert sechs Beispiele.

          3 Min.

          Alle 435 Mandate im Repräsentantenhaus stehen heute zur Wiederwahl, und die Demokraten müssen den Republikanern mindestens 23 von ihnen abnehmen, um in der Kammer eine Mehrheit zu erringen. Auch 33 Sitze im Senat und 39 Gouverneursposten werden neu besetzt. Darüber hinaus werden unzählige lokale Ämter neu vergeben und in einigen Staaten laufen noch Bürgerentscheide. Manche dieser Rennen sind extrem knapp und können doch Indikatoren dafür sein, wohin das Land sich politisch in Zukunft bewegt. Sechs Beispiele.

          Repräsentantenhaus

          Oliver Kühn

          Redakteur in der Politik.

          Iowas 4. Distrikt ist eigentlich eine Bank für die Republikaner. Steve King vertritt den Wahlbezirk seit 2002 und sieht sich vom Demokraten und früheren Baseballprofi J. D. Scholten herausgefordert. Einer Wiederwahl Kings steht wahrscheinlich nur einer im Weg: King selbst. In den vergangenen Wochen wurde Verbindungen Kings, der am rechten Rand seiner Partei steht, zu europäischen Rechtsextremisten bekannt. Das und der Fakt, dass er es nicht schaffte, sich deutlich vom Rassismus zu distanzieren, öffnete Scholten die Tür. Sollte diese republikanische Bastion fallen, können sich die Demokraten wirklich Hoffnung auf eine blaue Welle machen.

          Auch in Virginias 7. Distrikt hat die Demokratin Abigail Spanberger den Umfragen zufolge gute Chancen, den Republikaner Dave Brat aus dem Amt zu drängen. Brat war vor vier Jahren als Vertreter der Tea Party in den Kongress gewählt worden. Sein Sieg damals war eine große Sensation, setzte er sich doch gegen den Favoriten durch. Er könnte nun aber selbst Opfer einer solchen Überraschung werden. Eigentlich sollte alles für Brat sprechen, denn der Distrikt ist tiefrot. Spanbergers moderate Töne haben sie in den Umfragen aber auf Augenhöhe mit ihm gebracht. Zahlen für den Distrikt sollten relativ früh vorliegen und sowohl Republikanern als auch Demokraten eine Ahnung davon geben, wohin es in der Nacht geht.

          Senat

          In Texas hat Beto O’Rourke in den vergangenen Wochen eine erfolgreiche Kampagne gegen seinen republikanischen Mitbewerber und Amtsinhaber Ted Cruz gefahren. Allein der Fakt, dass Cruz sich gezwungen sah, ihn auch unter der politischen Gürtellinie anzugreifen, spricht für seinen Erfolg. In den Umfragen konnte er gegen Cruz aufholen, doch ein Sieg in Texas wäre wirklich eine Überraschung.

          In North Dakota muss sich die Demokratin Heidi Heitkamp gegen ihren Herausforderer Kevin Cramer (Republikaner) behaupten.

          Heidi Heitkamp aus North Dakota ist eine der demokratischen Senatoren, die in eigentlich republikanischen Staaten zur Wiederwahl anstehen. Wollen die Demokraten ihre kleine Chance auf eine Übernahme der Mehrheit im Senat aufrecht erhalten, muss Heitkamp sich gegen ihren Herausforderer Kevin Cramer behaupten. Was ihr aber wie ein Mühlstein um den Hals hängen könnte, ist ihre Entscheidung, gegen die Ernennung von Brett Kavanaugh zum Richter am obersten Gerichtshof zu stimmen. War diese auf einer persönlichen Ebene auch couragiert – sie müsse sich morgens noch ins Gesicht schauen können, sagte sie zur Begründung – könnte Heitkamp damit doch ihre politische Zukunft begraben haben.

          Gouverneurswahlen

          Im Sonnenschein-Staat Florida stehen zwei Kontrahenten einander gegenüber die jeweils von Präsidenten unterstützt werden. Der aktuelle Bewohner des Weißen Hauses, Donald Trump zog für einen Parteifreund Ron DeSantis in den Wahlkampf, während Trumps Amtsvorgänger Barack Obama sich für den Demokraten Andrew Gillum stark machte. DeSantis’ Rhetorik ähnelt der Trumps, und er steht auch hinter dessen Politik. Gillum hingegen steht für eine wesentlich progressivere Politik. Die Begeisterung, die der Afroamerikaner bei vielen Demokraten ausgelöst hat, könnte auch zu Erfolgen in anderen Rennen führen. Denn zieht der Name Gillum viele Wähler an die Urne, profitieren die Demokraten. Wahlbeteiligung wird ein entscheidender Faktor sein. Ist sie hoch, ist das gut für Gillum.

          Auch Stacey Abrams möchte in ihrem Bundesstaat, Georgia, die erste afroamerikanische Gouverneurin werden. Verhindern will das der Republikaner Brian Kemp und das angeblich auch mit unlauteren Mitteln, wie ihm viele Demokraten vorwerfen. Demnach wurde die Registrierung von tausenden vor allem afroamerikanischen Wählern herausgezögert. Aus dem Innenministerium von Georgia hieß es, bei diesen gebe es Probleme, weil die Wahlregistrierung nicht zu hundert Prozent mit den Ausweisunterlagen übereinstimmten. Ein Gericht zog diese Entscheidung jedoch zurück, die Menschen dürfen wählen gehen. Es ist eine Niederlage für das Innenministerium, das geführt wird von: Brian Kemp. Abrams kann bei den Erstwählern und den Minderheiten überdurchschnittlich punkten – was sie auch brauchen wird. In den Umfragen liegt sie zwar konstant hinter ihrem Kontrahenten, doch sind die geringen Unterschiede meist innerhalb der Fehlertoleranz.

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