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Andreas Ross (anr.)

Konflikt mit Iran : Wer glaubt Trump?

  • -Aktualisiert am

Der amerikanische Präsident Donald Trump mit Sicherheitsberater John Bolton Bild: Reuters

Amerika fühlt sich von Iran akut bedroht. Doch die Zeiten, in denen Verbündete oder die eigene Öffentlichkeit der Regierung blind vertrauten, sind seit Bushs Irakkrieg vorbei. Unter Trump ist das Misstrauen noch gewachsen – auch wegen Kriegstreiber Bolton.

          Die Entsendung eines Flugzeugträgers und die Verlegung weiterer Einheiten der amerikanischen Streitkräfte an den Golf gingen noch als Routine durch, als Geste zur Vergewisserung der arabischen Verbündeten. Dass Sicherheitsberater John Bolton Iran dazu in einer Erklärung eine „unerbittliche Reaktion“ androhte, sollte es „amerikanische Interessen“ angreifen, passte auch noch zum allgemeinen Ansatz der Trump-Regierung: Für den Präsidenten ist Außenpolitik, siehe Nordkorea, eine Mischung aus Säbelrasseln und Süßholzraspeln.

          Doch spätestens seit Washington diplomatisches Personal aus dem Irak abzieht, sieht die Sache ernster aus. Entweder die Amerikaner haben akut Anlass, einen Angriff auf ihre Truppen oder Vertretungen zu befürchten – oder sie planen selbst eine Operation, die solche Vergeltung provozieren dürfte.

          Revolutionsgarden tanzen nicht nach Rohanis Pfeife

          Um erstere Lesart zu unterstützen, hat die Trump-Regierung jetzt Einzelheiten bekannt werden lassen. Angeblich zeigen Luftbilder iranische Raketen auf kleineren Transportschiffen im Golf. Außerdem gebe es einen regeren und spezifischeren Austausch zwischen Irans Revolutionsgarden und arabischen Milizen im Irak über Angriffe auf Amerikaner. Beides klingt plausibel.

          Mögen die Europäer Iran noch so oft erklären, dass es am meisten zu verlieren hätte, wenn es nun selbst das Atomabkommen bräche oder Amerika anderweitig provozierte und so gleichsam Trumps Platz am internationalen Pranger einnähme: Es ist bekannt, dass die kürzlich von Washington als Terrorgruppe eingestuften Revolutionsgarden nicht nach der Pfeife von Präsident Rohani tanzen, der grobe Provokationen scheut.

          Doch die Zeiten, in denen selbst enge Verbündete oder auch die eigene Öffentlichkeit der amerikanischen Regierung Glauben schenkten, sind vorbei. Dieses Misstrauen hat Bürger wie Regierungen die Bush-Regierung gelehrt, als sie, ohne sich beirren zu lassen, gegen die imaginierten Massenvernichtungswaffen im Irak vorging.

          Unter Trump ist das Misstrauen noch gewachsen. Schließlich hat er viele Partner kühl abserviert und sich dann in Bolton einen unverdrossenen Kriegstreiber aus der Bush-Ära an die Seite geholt, aber bis heute keine überzeugende Iran-Strategie vorgelegt. Ein solcher Präsident genießt nicht das Vertrauen, auf das auch ein amerikanischer Oberbefehlshaber im Kriegsfall angewiesen wäre.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

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