https://www.faz.net/-gpf-9pa4k

Konflikt mit Iran : Der Schlüssel liegt in Washington

  • -Aktualisiert am

Donald Trump Bild: EPA

Trump hatte recht, als er die destabilisierende Rolle Irans zum Thema machte. Aber er hat die Sache falsch angepackt. Er wird sich ungern korrigieren – und das offene Kräftemessen am Golf könnte weitergehen.

          In der Konfrontation mit dem Westen und seinen Nachbarn spielt Iran mit einem Einsatz, der nicht so hoch ist, wie es erscheinen mag. Einen britischen Tanker festzusetzen ist kein übermäßig riskanter Schachzug, denn über imperiale Größe verfügt Großbritannien nur in der Traumwelt der Brexiteers. Weder wird das Land einen Krieg gegen Iran führen wollen, noch können britische Sanktionen große Wirkung entfalten.

          Und die Vereinigten Staaten, früher die großen Verbündeten und Waffenbrüder Londons, scheuen derzeit sogar einen militärischen Konflikt, wenn sie selbst angriffen werden; das hat ihr Präsident jüngst sehr deutlich gemacht.

          Teheran fühlt sich stark

          Wie schon bei den vorherigen Zwischenfällen nutzt Iran gezielt aus, dass fast alle westlichen Gesellschaften mit sich selbst beschäftigt sind. Die Führung in Teheran fühlt sich so stark, dass sie nicht einmal ihre wahren Motive verschleiert. Es geht ihr um Vergeltung für die Sanktionen und die Festsetzung eines iranischen Schiffes durch Großbritannien.

          Als Trump vor einem Jahr einseitig das Atomabkommen zerstörte, sah die Lage in Nahost so aus: Iran stieß aggressiv nach Arabien vor, das Atomprogramm des Landes war aber unter internationaler Kontrolle. Heute stößt Iran immer noch aggressiv nach Arabien vor, baut sein Atomprogramm wieder aus, und der für die Weltwirtschaft so wichtige Schiffsverkehr durch die Straße von Hormuz wird gestört. Das muss man erst einmal hinbekommen.

          Trump packte die Sache falsch an

          Das „wahrhaft stabile Genie“ (Trump über sich selbst) hat es sogar geschafft, dass die Iraner als Vorbedingung für Gespräche Forderungen erheben, die weit über das hinausgehen, was früher auf dem Verhandlungstisch lag, etwa ein Ende der amerikanischen Waffenlieferungen an die arabischen Golf-Anrainer.

          Deutschland und Frankreich haben sich am Wochenende erst einmal auf die Seite der Briten gestellt. Das ist vernünftig. Am meisten hätten die Iraner davon, wenn sich nun auch noch die Europäer spalten ließen. Es ändert allerdings nichts daran, dass der Schlüssel zur Beilegung der Krise in Washington liegt.

          Trump hatte recht, als er die destabilisierende Rolle Irans in der Region zum Thema machte. Aber er hat die Sache falsch angepackt. Da er sich ungern korrigieren wird, schon gar nicht im Wahlkampf, könnte das offene Kräftemessen am Golf erst einmal weitergehen.

          Nikolas Busse

          Verantwortlicher Redakteur für die Frankfurter Allgemeine Woche und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik (F.A.Z.).

          Folgen:

          Weitere Themen

          G-7-Gipfel in Biarritz hat begonnen Video-Seite öffnen

          Handel, Klima, Gerechtigkeit : G-7-Gipfel in Biarritz hat begonnen

          Um die ganz großen, die weltbewegenden Themen unserer Zeit soll es im französischen Biarritz gehen: Handel, Klima, Gerechtigkeit und einige mehr. Das dreitägige Treffen steht aber auch unter dem Eindruck der Zerwürfnisse zwischen den Teilnehmern.

          Macrons Moskau-Wende

          Annäherung an Russland : Macrons Moskau-Wende

          Vor zwei Jahren war der Franzose noch als unerschrockener Kritiker russischen Hegemoniestrebens angetreten. Nun plädiert er für die Einbindung des Landes und warnt: ohne Russland keine europäische Souveränität.

          Topmeldungen

          Sowohl Trump als auch Johnson winken mit ihrem zerstörerischen Potential. Nur schätzen sie ihre Position falsch ein.

          Schwäche der EU? : Boris Trump

          Sowohl Trump als auch Johnson verschätzen sich: Man kann aus den Wechselbeziehungen der globalisierten Welt nicht in Trotzecken fliehen und dabei nachhaltige Gewinne machen. Europa ist da in einer stärkeren Position.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.