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Amerikanischer Wahlkampf : Fluch der Leidenschaft

Wer einzieht, wird gehasst werden. Das Weiße Haus in Washington. Bild: Picture-Alliance

Donald Trump wird Unfähigkeit vorgeworfen, Hillary Clinton gilt als Symbol für ein korruptes System. Die Polarisierung der Amerikaner droht, zerstörerische Kraft zu entfalten. Das Land hat die Wahl.

          Diesem amerikanischen Wahlkampf sind viele Attribute gegeben worden; allesamt waren sie nicht schmeichelhaft: giftig, hässlich, ekelhaft, schmutzig, abstoßend, hetzerisch, herabsetzend. Für das politische System eines Landes, dessen zivilreligiöse Folklore sich noch immer als „leuchtende Stadt auf dem Berge“ sieht, sind das keine rühmenden Beschreibungen. Und die beiden Kandidaten, die für das höchste Amt der Vereinigten Staaten antreten und die selbst am (Haupt-)Wahltag noch wild durch diejenigen Bundesstaaten eilen, in denen diese Wahl entschieden wird, werden als die unbeliebtesten in der jüngeren Geschichte eingestuft; das will etwas heißen. Bis zur letzten Minute wird um Wähler gekämpft, mit allen Mitteln der Mobilisierung, der persönlichen Verunglimpfung – siehe oben – und der Insinuierung finsterer Machenschaften.

          Die Wähler sind erregt und aufgebracht, das Land ist verunsichert. Die Polarisierung trennt die Wählergruppen scharf voneinander; um einen Vergleichsmaßstab zu finden, gehen Historiker weit in die amerikanische Geschichte zurück. Der „Aufstand der Populisten“ war und ist das Kennzeichen dieses Wahlzyklus, und Donald Trump ist derjenige, der den Wählerzorn nicht ausgehen lässt, mit immer neuen Attacken gegen „das Establishment“, die in ihrer vulgären Maßlosigkeit von seinen Anhängern nicht nur für plausibel, sondern für wahr gehalten werden: Hillary Clinton, die frühere Senatorin und Außenministerin, wird als Gegnerin zum Inbegriff eines „korrupten Systems“. Dass das FBI zwei Tage vor dem Finale Clintons E-Mail-Affäre nun doch nicht weiterverfolgt, ist der bizarre Schlusspunkt einer Auseinandersetzung, die aus vielen bizarren Teilen bestanden hat. Man fragt sich, wie es am „Morgen danach“ weitergehen soll.

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          Sicher ist: Die Sonne wird aufgehen, und mutmaßlich wird feststehen, wer Barack Obama im Weißen Haus nachfolgen wird, jenem Präsidenten, der vor acht Jahren Hoffnung und Versöhnung angeboten hatte und der doch einen politisch-gesellschaftlichen Graben hinterlässt, der noch tiefer und breiter geworden ist. Einen Geist der Versöhnung, der Einigkeit und der Zivilität hätten die Vereinigten Staaten bitter nötig. Der Wahltag, eigentlich ein Festtag der Demokratie, mahnt zur Besinnung. Amerika darf seine politischen Leidenschaften nicht bis ins Zerstörerische treiben. Jetzt hat es die Wahl.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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