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Kommentar : Und jetzt eine Kampagne der verbrannten Erde?

Befallen von Größenwahn, gefangen in Verschwörungstheorien: Donald Trump Bild: dpa

Trump wagt den Bruch mit dem demokratischen Grundprinzip des friedlichen Machtwechsels. Das ist unerhört und unwürdig. Doch vor allem offenbart es die Gesinnung eines Demagogen.

          Die einzig relevante Frage, die sich nach jeder Fernsehdebatte stellt, ist diese: Haben die amerikanischen Wähler - und um die allein geht es - nun ein besseres Bild von der Qualifikation und der charakterlichen Eignung derer, die in den kommenden vier Jahren die Geschicke ihres Landes maßgeblich bestimmen wollen? Können diejenigen, die sich noch nicht festgelegt hatten, nun, nach einer scharfen Debatte mit dröhnenden Salven persönlicher Verunglimpfung, eher entscheiden, ob sie das höchste Amt der Vereinigten Staaten Hillary Clinton oder Donald Trump anvertrauen wollen?

          Nach der dritten Debatte zwischen der Demokratin, deren lange politische Tätigkeit („Erfahrung“) regelmäßig Gegenstand hitziger Kontroversen und Anlass zu berechtigten Zweifeln gibt, und dem Republikaner, der es als Immobilienunternehmer zu Reichtum und im Fernsehen zu zweifelhafter Bekanntheit gebracht hat, ist es jedenfalls klar: Amerika hat eine Wahl, selbst wenn sie auf die Wahl des kleineren Übels hinausläuft. Einen Donald Trump, befallen von Größenwahn, gefangen in Verschwörungstheorien und unbelastet von großer Weltkenntnis, mag man sich nicht im Weißen Haus vorstellen. Man kann sich kaum ausmalen, wie dieser Mann Amerika groß machen will. Welche Größe sollte das sein?

          Unerhört und unwürdig

          Clintons argumentativer Schärfe – und ihrem sozialdemokratischen Politikansatz – hatte Trump im Grunde nur den monotonen Vorwurf entgegenzusetzen, Clinton sei eine Lügnerin und sie und ihr ehemaliger Chef, Barack Obama, seien an allen Übeln der Welt schuld, Leuten wie Putin und Assad hoffnungslos unterlegen. Trump hatte seinen vergleichsweise starken Moment, als er die amerikanische Nahostpolitik unter Obama/Clinton kritisierte und die verfahrene, desaströse Lage im Irak und vor allem in Syrien auch auf deren Entscheidungen zurückführte. Auch ein paar andere Punkte werden nicht nur seinen loyalsten Anhängern einleuchten.

          Aber Trump ist eben Trump. Sollte er gehofft haben, dass seine Vorstellung in der Nacht zum Donnerstag seinem Wahlkampf wieder neue Flügel verleihen werde, so dürfte er enttäuscht werden. Und nur er selbst wäre daran schuld. Denn die wiederholte Weigerung, sich darauf festzulegen, das Wahlergebnis am 8. November zu akzeptieren, also einen Sieg Clintons anzuerkennen, kommt einem Bruch mit dem demokratischen Grundprinzip des friedlichen Machtwechsels und der politischen Tradition in Amerika gleich. Über manipulierte Wahlen und über „korrupte Medien, welche die Hirne der Wähler vergiften“ hat Trump schon oft geraunt; dass er das auch auf großer Bühne vor einem Millionenpublikum tat, ist unerhört und eines Präsidentschaftskandidaten unwürdig.

          Es offenbart die Gesinnung eines Demagogen, der seine Niederlage schon jetzt hinwegzuphantasieren sucht.

          Es ist tragisch, dass sich so viele Amerikaner von diesem Mann die Erlösung von ihren Sorgen und Nöten versprechen. Auch das dokumentiert, in welchen Zustand sich die Vereinigten Staaten in der Mitte des zweiten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts befinden.    

          Noch knapp drei Wochen sind es bis zum eigentlichen Wahltag am 8. November. Bis dahin werden schon viele Millionen Wähler ihre Stimme abgegeben haben. Bleibt nur zu hoffen, dass Trump bis dahin keine Kampagne der verbrannten Erde fahren wird. Denn davon würde sich das Land lange nicht erholen.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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