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Trumps G 11 : Launen des Präsidenten

Amerikas Präsident Donald Trump spricht am Samstag vor seinem Abflug auf der Andrews Luftwaffenbasis zu Journalisten. Bild: AP

Die G 7 sind der Nukleus des Westens. Den hält Trump für überholt. Warum?

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          Auch andere Zeitgenossen werden wie Präsident Trump der Auffassung sein, die G 7 bilde das Geschehen in der Welt nicht angemessen ab. Aber es hat schon einen Sinn, wenn sich die Staats- und Regierungschefs Amerikas, Kanadas, Deutschlands, Frankreichs, Italiens, Großbritanniens und Japans sowie die Repräsentanten der EU treffen: Sie haben noch immer viel Gewicht, sind marktwirtschaftlich organisiert und demokratisch verfasst. Sie sind der Nukleus des Westens. Den hält Trump also für überholt. Warum?

          Weil er sich darüber ärgert, dass die Bundeskanzlerin ihre Teilnahme am doch wieder angesetzten Juni-Treffen abgesagt hatte? Weil er lieber eine Anti-China-Allianz schmieden will? Weil er seinen von Krisen geschüttelten Landsleuten schöne Bilder im Wahlkampf zeigen möchte? Es wird von jedem Motiv etwas dabei sein, warum Trump plötzlich Termin und Zusammensetzung wieder ändern will. Zusammengenommen ist das ein weiteres Beispiel dafür, wie die Launen dieses Präsidenten seine Politik bestimmen und alte Verbindungen kurzerhand zur Disposition stellen.

          Dass er Putins Russland mit dabei haben will – und zu einem traditionellen Verbündeten erklären lässt –, verrät nur seine Ahnungslosigkeit: Glaubt er im Ernst, Putin, der keine Skrupel hat, sich in demokratische Prozesse in westlichen Ländern einzumischen, werde sich gegen China, Amerikas geopolitischen Hauptkonkurrenten, in Stellung bringen lassen? Eine äußerst kühne Vorstellung!

          Eine der ersten Amtshandlungen Trumps war der Rückzug aus der pazifischen Handelsvereinbarung TPP, an der China, zumindest zunächst, nicht teilnehmen sollte. Aber weil Obama sie ausgehandelt hatte, musste er sie zerreißen – eine strategische Torheit aus Kleinkariertheit. Heute sucht sich Trump dann doch ein paar Verbündete in der Konfrontation mit Peking. Die sollten sich daran erinnern, wie oft er den chinesischen Führer Xi Jinping über den grünen Klee gelobt hat. Trump ist impulsgetrieben, keiner, der Allianzen zusammenhielte. Übrigens: Ein Format bildet die globalen Kräfteverhältnisse ganz gut ab: die
          G 20. Allerdings gehört China dazu.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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