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Trump und Kim Jong-un : Mission Kimpossible

Kim Jong-un, Machthaber von Nordkorea, bei einer Militärparade am 8. Februar 2018 Bild: dpa

Donald Trump liebt Regelbrüche. Und glaubt offenbar, dass er alle diplomatischen Vorbereitungen eines Treffens mit Kim Jong-un überspringen kann. Doch ein Deal wird nicht reichen, damit der seine Atomwaffen abgibt.

          Nordkorea ist bereit, seine Atomwaffen abzuschaffen. Das behauptet die südkoreanische Regierung, nachdem eine Delegation den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un in Pjöngjang getroffen hat. Und Donald Trump behauptet es auch, nachdem ihm die Südkoreaner von dem Gespräch berichtet haben. Nur einer hat sich zu der Sache bisher nicht geäußert, weder in den Parteimedien noch in Form eines Briefes oder Telefonats mit den anderen Präsidenten: Kim. Schwer zu sagen, ob er wirklich ein so weitreichendes Versprechen machte – oder ob seine Gesprächspartner ihn nur so verstehen wollten.

          Diplomaten sind dazu da, dass solche Ungewissheiten gar nicht erst aufkommen. Bevor zwei Präsidenten ein Treffen vereinbaren, gibt es daher viele Gespräche auf unteren Ebenen. Natürlich sitzen auch die Außenminister zusammen. Jeder kennt die Verhandlungsposition des anderen. Trump glaubt offenbar, dass er all das einfach überspringen kann. Er lief sogar selbst in den Pressesaal des Weißen Hauses, um Journalisten auf die große, überraschende Nachricht vorzubereiten: Er will sich bis Ende Mai als erster amerikanischer Präsident mit dem nordkoreanischen Führer an einen Tisch setzen. Seine engsten Mitarbeiter wurden davon ebenso kalt erwischt wie sein Außenminister.

          Ein Deal wird nicht reichen

          Trump liebt Regelbrüche. Er feuerte mal eben eine Salve Marschflugkörper auf Syrien und erkannte Jerusalem als Hauptstadt Israels an – alles ohne große Vorbereitung. Denn Trump sieht sich selbst als größten „Dealmaker“ aller Zeiten.

          Nur: Ein Deal wird nicht reichen, um Kim Jong-un von seinen Atomwaffen abzubringen. Hier geht es um nicht weniger als einen Systemwandel. Das Regime von heute braucht Atomwaffen, um sein Überleben zu sichern. Und es braucht Amerika als Feind, um seine Zwangsherrschaft zu behaupten. Nordkorea hat sechs Millionen Menschen unter Waffen, Soldaten und Reservisten. Ein Viertel der Bevölkerung. Mindestens 25 Prozent der Wirtschaftsleistung fließen dem Militär zu – kein anderes Land der Welt leistet sich solche Ausgaben, keine andere Gesellschaft ist so durchmilitarisiert. „Militär zuerst!“ nannte Kims Vater diese Politik. Der Sohn führte sie fort, ergänzt um das Ziel, Atomwaffen zu erlangen – koste es, was es wolle.

          Wer würde sich noch schinden?

          Sollte Kim Jong-un tatsächlich bereit sein, diese teuer errungenen Waffen aufzugeben und Frieden mit dem Süden wie mit Amerika zu schließen, dann würde er seinem Regime die Legitimationsgrundlage entziehen. Wer würde sich noch sieben Jahre lang beim Militär schinden? Wer wäre bereit, für die Armee und ihren Führer den ganzen Tag nur Reis zu essen? Das Regime müsste andere Erfolge vorweisen: eine sichere Energieversorgung, bessere Lebensmittel, technischen Fortschritt auf zivilem Gebiet, wirtschaftliche Entwicklung. Ausgeschlossen ist das nicht, der Westen könnte Nordkorea dabei helfen. Aber es wäre der Weg in eine andere Gesellschaft – eine, die so lebt wie die Koreaner im Süden.

          Wenn Trump dem jungen Führer gegenübersitzt und ihm in die Augen schaut, sollte er ihn genau das fragen: Bist du dazu bereit?

          Thomas Gutschker

          Redakteur im Ressort Politik in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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