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Kommentar : Ein Ende des Afghanistan-Krieges ist nicht in Sicht

Auch Donald Trump muss einsehen: Es ist viel leichter, einen Krieg zu beginnen, als ihn zu beenden. Selbst wenn er in dieser Form ein Fehler war.

          Es ist viel leichter, einen Krieg zu beginnen, als ihn zu beenden. Diese Erfahrung hatte schon Barack Obama gemacht, und auch Donald Trump kann sich dieser Tatsache nicht entziehen. Zwar hat er in seiner Rede auf dem Militärstützpunkt Fort Myer immer wieder betont, wie sehr sich seine Afghanistan-Strategie von jener seines Vorgängers unterscheide. Doch im Kern bleibt sie die gleiche.

          Das liegt schlicht daran, dass es in Afghanistan nicht die eine Schraube gibt, an der man drehen könnte, um den Kampf gegen die Taliban zu gewinnen. Präsident Trump hat zwar Recht, wenn er etwa Pakistan vorwirft, den Taliban und anderen dschihadistischen Gruppen Rückzugsgebiete zu gewähren. Doch schon sein Amtsvorgänger musste erkennen, dass die Möglichkeiten, Pakistan mit Strafmaßnahmen zur Kooperation zu zwingen, begrenzt sind.

          Trumps großspurige Behauptung

          Es ist richtig, dass Trump nun auf Anraten seiner militärischen Berater entschieden hat, einige Tausend zusätzliche Soldaten nach Afghanistan zu verlegen, um die Lage zu stabilisieren und der afghanischen Regierung und den afghanischen Streitkräften mehr Zeit zu geben, auf eine politische Lösung des Konflikts hinzuarbeiten. Das ist zunächst nur das Eingeständnis, dass der Abzug der internationalen Truppen zu früh kam und sich statt an der Lage vor Ort am amerikanischen Wahlkalender orientierte. Freilich werden diese wenigen Tausend zusätzlichen Truppen nicht „kämpfen, um zu siegen“, wie Trump großspurig behauptet. Das haben schon mehr als 100.000 amerikanische Soldaten nicht vermocht.

          Die Truppenaufstockung kann nur das Ziel haben, dem Vormarsch der Taliban und die Ausbreitung terroristischer Gruppen wie des „Islamischen Staates“ zunächst Einhalt zu gebieten, um die Taliban an den Verhandlungstisch zu zwingen. Auch hierfür ist die Zusammenarbeit Pakistans unabdingbar. Das setzt eine neue Kraftanstrengung auch auf diplomatischer Ebene voraus, über die Präsident Trump bedenklich wenig sprach. Bislang gibt es noch nicht einmal einen neuen amerikanischen Botschafter im Land; das Amt des amerikanischen Sonderbeauftragten für Afghanistan und Pakistan wurde gerade abgeschafft.

          In den vergangenen Monaten hatte das Fehlen einer amerikanischen Strategie und eines klaren Engagements in Afghanistan die Lage weiter verschlimmert. Beides hatte den Taliban Auftrieb gegeben und dazu geführt, dass Länder wie Russland und Iran zunehmend aktiv wurden, um das entstehende Vakuum zu füllen. Mit Trumps Ankündigung einer Truppenaufstockung dürfte immerhin diese Abwärtsspirale gestoppt sein. Ein Ende des „längsten Krieges in der Geschichte Amerikas“, wie Trump sagte, ist aber noch lange nicht in Sicht.

          Rückblickend muss man sagen, dass die westliche Militärintervention, die vor knapp 16 Jahren als Reaktion auf die Anschläge vom 11. September 2001 begann, in dieser Form ein Fehler war. Genauso wäre es aber ein Fehler gewesen, nun einfach abzuziehen und das Land sich selbst zu überlassen.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

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