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Amerika heizt sich auf : Regierungsbericht widerspricht Trumps Klimapolitik

An solche Bilder müssen sich die Amerikaner gewöhnen: Risse ziehen sich 2015 über den trockenen Boden eines Wasserreservoirs in Camanche in Kalifornien. Bild: dpa

Von der Erderwärmung will er nicht viel wissen, das Pariser Klimaschutzabkommen hat Amerikas Präsident gekündigt. Nun konfrontiert der Entwurf des neuen Klimaschutzberichts seiner eigenen Regierung Donald Trump mit einer unbequemen Nachricht.

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          Der Klimawandel ist für Amerikas Präsident ein rotes Tuch. Die Erderwärmung sei nur ein Konzept, twitterte Donald Trump 2012, geschaffen von den Chinesen, um Amerika wettbewerbsunfähig zu machen. Zwei Jahre später schwadronierte er auf dem Kurznachrichtendienst darüber, dass die Polkappen und die Eisbärenpopulationen so groß seien wie noch nie. Auf der Zielgerade des Präsidentschaftswahlkampfs vergangenes Jahr rückte der republikanische Bewerber ein Stück weit von seiner Position ab. Ja, es gebe den Klimawandel wohl schon. Aber der menschliche Einfluss auf ihn sei ungewiss, die Effekte nicht prognostizierbar.

          Seine vorgebliche Ungewissheit hält Trump seit seiner Vereidigung zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten aber nicht davon ab, das Comeback fossiler Energien mit aller Macht zu befeuern. Er träumt von einem Comeback der Kohle und verspricht zahlreiche neue Jobs. Die Vereinigten Staaten sollen künftig mit „sauberer, schöner Kohle“, Öl, Gas und nicht zuletzt der Atomkraft den Weltmarkt dominieren. Die Selbstverpflichtung des Landes auf weniger Treibhausgasemissionen ist bereits Geschichte. Klimaschutz adieu. Den Pariser Vertrag hat Donald Trump Anfang Juni bereits gekündigt.

          Doch nun liegt dem Weißen Haus ein Dokument vor, dessen Inhalt im kompletten Gegensatz zur eigenen Politik zu stehen scheint und damit zu einem echten Eigentor zu werden droht. Wie die „New York Times“ berichtet, zeichnet der Entwurf für den jüngsten Klimabericht der amerikanischen Regierung ein drastisches Bild von den Auswirkungen der Erderwärmung in den Vereinigten Staaten. Es ist der erste Bericht dieser Art in der Amtszeit Donald Trumps.

          Die Durchschnittstemperaturen in den Vereinigten Staaten sollen demnach seit 1980 drastisch gestiegen sein. Mehr noch: Die vergangenen Jahrzehnte seien die wärmsten seit 1500 Jahren gewesen. Es gebe Beweise für den Klimawandel von den oberen Schichten der Atmosphäre bis in die Tiefen des Ozeans. Seine Effekte seien für die Amerikaner schon heute spürbar. Der Treibhauseffekt lasse sich kurzfristig nicht mehr aufhalten. Selbst wenn die Menschheit von heute auf morgen keine Gase mehr ausstoße, werde die Welt sich bis zum Ende des Jahrhunderts um 0,3 Grad Celsius aufheizen. Bisherige Prognosen gehen auf Grundlage realistischerer Emissionsszenarien von zwei Grad Celsius aus.

          Ihre besondere Bedeutung zieht die Studie, die alle vier Jahre erscheint und von der Regierung bisher noch nicht freigegeben worden ist, aus ihrer breiten Basis an wissenschaftlicher Expertise. So sind Forscher aus 13 amerikanischen Bundesbehörden daran beteiligt.

          Wer will, kann aus dem Bericht auch unverhohlene Kritik an der Position des Weißen Hauses herauslesen. Die Autoren erinnern daran, dass es bereits Tausende Studien von Zehntausenden Wissenschaftlern gebe, die den Klimawandel an Land und in der Luft dokumentiert hätten. Trumps Argument, es gebe keine gesicherten Kenntnisse über die menschlichen Einflüsse auf den Klimawandel, widersprechen sie direkt. Es gebe zahlreiche Beweisketten, die demonstrierten, dass menschliche Aktivitäten für den Klimawandel ausschlaggebend seien. Das gelte insbesondere für die Emissionen von Treibhausgasen.

          Das Weiße Haus und die amerikanische Umweltschutzbehörden äußerten sich bislang nicht zum Bericht der „New York Times“ und den Entwurf des Berichts, den die Zeitung ebenfalls veröffentlichte. Sie zitierte beteiligte Wissenschaftler mit der Sorge, dass andernfalls die Regierung Trump den Bericht hätte in ihrem Sinne verändern oder sogar unterdrücken können.

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