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Trump ändert Plan : Warum viele Kennedy-Akten nun doch unter Verschluss bleiben

  • -Aktualisiert am

John F. Kennedy mit seiner Frau Jaqueline kurz vor dem Attentat in Dallas am 22. November 1963 Bild: Reuters

Präsident Donald Trump wollte eigentlich sämtliche Dokumente zum Mord an John F. Kennedy freigeben. Nun bleiben doch viele Akten geheim. Dahinter stecken CIA und FBI.

          Donald Trump musste sich am Ende seinen Sicherheitsbehörden geschlagen geben: Die groß angekündigte Veröffentlichung bislang geheimer Dokumente zum Mord an John F. Kennedy im Jahr 1963 fällt nun etwas kleiner und vielleicht etwas weniger spektakulär aus. Trump gab 2800 Dokumente frei; mehrere hundert Akten bleiben jedoch weiterhin unter Verschluss und werden abermals überprüft. Der Grund: Sorgen um die nationale Sicherheit.

          Die Zeitung „New York Times“ berichtete, die Sicherheitsbehörden hätten mit einer „chaotischen“ Lobbyaktion in letzter Minute Druck auf den Präsidenten ausgeübt. Laut der Zeitung „Washington Post“ soll CIA-Direktor Mike Pompeo dabei besonders energisch gewesen sein. Dadurch dauerte es schließlich bis zum Abend, bis die Dokumente auf der Internetseite des Nationalarchivs in Washington hochgeladen wurden.

          CIA und FBI haben sechs Monate Zeit bekommen, sensible Informationen vor der Akten-Offenlegung zu schützen. Die CIA erklärte, alle Schwärzungen und die Zurückhaltung eines Teils der Dokumente seien dazu gedacht, die Sicherheit der Bürger sowie der jetzigen und ehemaligen Mitarbeiter zu schützen. Außerdem könne man bestimmte Informationen darüber, wie die Sicherheitsbehörden arbeiten, nicht veröffentlichen. Viele der Dokumente stammen aus den 1990er Jahren und sind damit relativ neu.

          Eigentlich ist die Geheimhaltungsfrist für die Akten abgelaufen, sie könnten vom Präsidenten freigegeben werden. „Ich ordne heute an, dass der Schleier endlich gelüftet wird,“ schrieb der Präsident in einer Erklärung. Angesichts der Bedenken der Sicherheitsbehörden habe er allerdings nicht alles veröffentlichen können. „Ich habe heute keine andere Wahl, als diese Beschränkungen zu akzeptieren, um keine irreparablen Schäden für unsere nationale Sicherheit zu riskieren.“ Der Zeitung „Times“ zufolge tat Trump nur widerwillig, was FBI und CIA rieten. Der Präsident hatte wiederholt deutlich gemacht, wie gespannt er auf die Dokumente und die öffentliche Reaktion darauf sei. Am Mittwoch hatte er getwittert: „Die lang erwartete Freigabe der JFK-Akten passiert morgen. So interessant!“

          Neue Verschwörungstheorien?

          Seit dem Attentat auf John F. Kennedy gibt es verschiedene Theorien über seinen Tod, die den offiziellen Erkenntnissen widersprechen. Die mit der Untersuchung betrauten Behörden und die Warren-Kommission hatten keinen Zweifel daran, dass Lee Harvey Oswald allein handelte. Aber nicht zuletzt Filme wie „JFK“ von Oliver Stone lieferten den Skeptikern Argumente dafür, dass es auch anders gewesen sein könnte. Manche glauben bis heute, dass Oswald, der kurz nach dem Attentat von Nachtclubbesitzer Jack Ruby erschossen wurde, Komplizen gehabt haben muss.

          Auch die Behauptung, dass Präsident Kennedy das Opfer einer Verschwörung in höchsten Kreisen in Washington wurde, ist nie ganz verstummt. Viele Historiker gehen davon aus, dass die von Lyndon B. Johnson einberufene Warren-Kommission zum Ziel hatte, die Angst der Bevölkerung vor einer internationalen Verschwörung zu zerstreuen.

          Das bedeutet allerdings nicht, dass die Ergebnisse der Kommission nicht stimmen. In Umfragen bezweifelt eine Mehrheit der amerikanischen Bürger unterdessen regelmäßig die offizielle Version. Donald Trump selbst, der in der Vergangenheit einen gewissen Hang zu Verschwörungstheorien gezeigt hat, unterstellte 2016, dass Oswald Kontakt zum Vater seines Konkurrenten um die republikanische Präsidentschaftskandidatur, Ted Cruz, gehabt habe und dass diese Verbindung nie untersucht worden sei. Sein enger Vertrauter Roger Stone wiederum ist ein Anhänger der Theorie, dass Kennedys Nachfolger Lyndon B. Johnson in das Attentat verwickelt war. Ein Ausschuss des Repräsentantenhauses wollte die Möglichkeit mehrerer Täter 1979 nicht ausschließen, bot aber keine konsistente eigene Theorie an.

          Dass in den nun doch nicht freigegebenen Akten Beweise für die Verschwörungstheorien rund um Kennedys Tod stecken könnten, glauben nur wenige Experten. Gerald Posner, Autor eines Buches „Fall erledigt“, sagte: „Ich glaube nicht, dass der Fall jetzt auf den Kopf gestellt wird.“ Die meisten Dokumente wurden schon zuvor veröffentlicht. Laut Angaben des Nationalarchivs in Washington waren 88 Prozent der Akten zum Kennedy-Mord bereits voll zugänglich.

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