https://www.faz.net/-gpf-8nb4j

Kellyanne Conway : Triumph der „Trump-Flüsterin“

  • -Aktualisiert am

Donald Trump mit seiner Wahlkampfmanagerin Kellyanne Conway Bild: dpa

Erst Mitte August wurde sie Teil der Wahlkampfmannschaft, dann begann die große Aufholjagd. In Trumps Präsidentschaftsteam dürfte sie nun eine führende Rolle übernehmen. Sogar Trump-Skeptiker setzen große Hoffnungen in Kellyanne Conway.

          Wer Kellyanne Conway in den letzten drei Monaten beobachtet hat, bekam immer wieder vor Augen geführt, warum sie für Donald Trumps Erfolg so wichtig war. Ein Termin, der in besonderer Erinnerung geblieben ist, war die Nacht nach der ersten Präsidentschaftsdebatte auf dem Campus der Hofstra-Universität in New York. Trump hatte – da waren sich die meisten Kommentatoren einig – gerade sein erstes TV-Duell gegen Hillary Clinton in den Sand gesetzt, doch Conway wollte sich noch nicht geschlagen geben. Auch Stunden nach der Live-Übertragung, weit nach Mitternacht, als viele andere Trump-Berater längst gegangen waren, stand sie Journalisten weiter Rede und Antwort. Mit ruhigem Ton und einem Lächeln im Gesicht, mit vorsichtig formulierten Argumenten, vor allem aber mit einer bemerkenswerten Ausdauer.

          Zwei Fernsehdebatten, unzählige Interviews und einen nervenaufreibenden Wahlabend später war Conway am Ziel. Donald Trump, der polarisierende Politiker-Neuling hat die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten für sich entschieden. Conway trägt fraglos einen großen Anteil an diesem Überraschungssieg, den sie auch Tage danach immer wieder erklären muss. Sie, die Datenspezialistin habe sich nicht von den schlechten Umfragewerten beirren lassen, sagt sie. Im Gegenteil: Man habe Trumps Sieg sich „seit Wochen“ abzeichnen sehen, erklärt sie zum Beispiel gegenüber dem Fernsehsender MSNBC. „In den von uns erhobenen Daten haben wir die Intensität seiner Wähler gesehen. Die waren nicht nur höflich und passiv. Wir wussten, dass sie für ihn am Wahltag da sein würden.“ Am Ende sei also vor allem „der Enthusiasmus“ entscheidend gewesen.

          In Trumps Kampagne, der sie offiziell erst Mitte August als Wahlkampfmanagerin beitrat, war die konservative Conway nicht für den Enthusiasmus zuständig, sondern dafür, den immer wieder in Skandale schlingernden republikanischen Präsidentschaftskandidaten wieder auf Kurs zu bringen – beziehungsweise „on message“, wie es im amerikanischen Polit-Sprech heißt. Für Trump bedeutete das in Bezug auf seine Auftritte vor allem folgende Ansage: Weniger Pöbeleien, mehr Prompter-Texte! Allzu radikale Forderungen, wie etwa ein generelles Einreiseverbot für Muslime, wurden entschärft. Zwar drang auch die inzwischen ehrfurchtsvoll als „Trump-Flüsterin“ bezeichnete Conway nicht immer zu ihrem eigensinnigen Kandidaten durch – vor allem, wenn dieser nachts auf Twitter die Fassaden wieder einriss, die Conway tagsüber mühsam aufgebaut hatte. Und doch: Selbst die Aufregung um Trumps Sexismus-Video, das gut einen Monat vor der Wahl aufgetaucht war, lächelte Conway einfach weg.

          Angebot für Job im Weißen Haus

          Dass die 49-Jährige Mutter von vier Kindern, die sich auch in stressigsten Wahlkampfzeiten von Kamerateams begeistert bei der Hausarbeit daheim in New Jersey filmen ließ, jetzt von Trump einen Job im West-Flügel des Weißen Hauses angeboten bekommt, gilt als ausgemacht. Auf Twitter erklärte die Juristin bereits, dass es ein solches Angebot gebe. Gerüchte, wonach sie, die Washington-Insiderin, gar kein Interesse habe, weil sie die Arbeit in ihre Meinungsforschungsfirma nicht aufgeben wolle, wies Conway entschieden zurück. Bleibt die Frage, welche Position Trump für seine so wichtige Helferin vorgesehen hat. David Axelrod, der 2008 Barack Obamas Kampagne sehr erfolgreich managte, wurde nach dem Wahlsieg zum Chefberater des Präsidenten ernannt. Eine ähnliche Rolle könnte nun Conway einnehmen. Sollte das nichts werden, bliebe ihr noch die Rolle der Pressesprecherin.

          Selbst Personen und Gruppen, die Trump und dessen Präsidentschaft kritisch gegenüberstehen, sich aber trotzdem eine stabile und erfolgreiche Regierung wünschen, hoffen, dass Conway eng an der Seite Trumps bleiben wird. Anders als etwa der unberechenbare Kampagnen-Geschäftsführer Stephen Bannon, einst Chef der rechten Krawall-Plattform „Breitbart News“ und zuletzt gar als heißer Kandidat für die Position des Stabschefs im Gespräch, gilt Conway als Stimme der Vernunft. Auch wenn sie selbst, wie sie immer wieder betont, ihren Spitznamen „Trump-Flüsterin“ nicht ausstehen kann: Kellyanne Conway dürfte weiter eine wichtige Stimme in Trumps Team bleiben.

          Weitere Themen

          Mays Betteln um drei Wochen

          Brexit vor dem Scheitern : Mays Betteln um drei Wochen

          Kaum ein Tag vergeht, an dem Theresa May nicht zum Rücktritt gedrängt wird – auch von Abgeordneten in den eigenen Reihen. Trotzdem hält die Premierministerin vorerst an ihrem Amt fest. Warum?

          Topmeldungen

          Bundesliga-Meisterkampf : Darum reichte es für Dortmund nicht zum Titel

          Tränen fließen nicht, westfälisch-nüchtern gratuliert der Zweite dem Meister aus München. Danach benennen die Dortmunder offen ihre Defizite im Meisterrennen. Nun wollen sie einen neuen Anlauf nehmen – mit neuen Spielern.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.