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Kelly Craft : Wieso die neue UN-Botschafterin in der Kritik steht

Neue UN-Botschafterin der Vereinigten Staaten: Kelly Craft Bild: Reuters

Laut Parteikollegen aus dem Auswärtigen Ausschuss habe Craft klaffende Wissenslücken und kaum außenpolitische Erfahrung. Auch an ihrem Arbeitsethos gibt es Zweifel. Doch Trump könnte genau das recht sein.

          Bei ihrer Senatsanhörung im Juni hatte Kelly Craft Demut gelobt. Sie wisse, beteuerte die Kandidatin für das Amt der UN-Botschafterin, dass sie über die Vereinten Nationen noch viel lernen müsse. Die Senatoren wussten etwas anderes: Präsident Donald Trumps Kandidatin ist seit 2016 in dritter Ehe mit dem Milliardär Joe Craft verheiratet, einem Kohle-Baron aus Kentucky, der Heimat von Mehrheitsführer Mitch McConnell. Das Paar hat viele Republikaner großzügig bedacht. Allein Trump bekam für Wahlkampf und Amtseinführung zwei Millionen Dollar. Dass solche Gönner mit Botschafterposten belohnt werden, ist in Amerika gang und gäbe. Kelly Crafts Entsendung nach Kanada nickte der Senat 2017 denn auch ohne Votum ab. Doch das New Yorker Mandat hat eine andere Fallhöhe. Nur fünf Demokraten schlossen sich am Mittwoch der republikanischen Mehrheit an, die Crafts Nominierung bestätigte.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          Ihre Parteikollegen aus dem Auswärtigen Ausschuss hatten schriftlich dargelegt, warum die 1962 geborene Tochter eines Tierarztes ungeeignet sei, etwa im UN-Sicherheitsrat dem russischen Botschafter Paroli zu bieten. Die Frau, die sich vor ihrer Ernennung zur Botschafterin in Ottawa mal als „Hausfrau“, mal als „Wohltäterin“, mal als „Beraterin“ bezeichnete, habe klaffende Wissenslücken und kaum außenpolitische Erfahrung. Denn dass Craft 2007 während der Präsidentschaft George W. Bushs einige Wochen als stellvertretende Delegierte der Vollversammlung in New York verbringen durfte, macht sie kaum zu einer prädestinierten Nachfolgerin für Leute wie Richard Holbrooke, Madeleine Albright oder auch John Bolton, den heutigen Nationalen Sicherheitsberater.

          Zusage mit symbolischem Wert

          Ihm, der die Vereinten Nationen verabscheut, kann es nur recht sein, wenn ihm in New York kein außenpolitisches Schwergewicht Konkurrenz macht, wie es Trumps erste UN-Botschafterin Nikki Haley versuchte, eine ehrgeizige frühere Gouverneurin. Im Gegensatz zu Haley gehört Craft nicht dem Kabinett an, untersteht also Außenminister Mike Pompeo. Anhänger der UN können Trost darin suchen, dass sie Engagement für Menschenrechte und humanitäre Hilfe versprach. Nur symbolischen Wert hat ihre Zusage, sich in Klimafragen wegen ihres Kohle-Vermögens für befangen zu erklären. Noch 2017 hatte sie zum Thema Klimawandel gesagt, dass „Wissenschaftler auf beiden Seiten recht haben“. Nun gab sie zu, dass der Mensch zur Erderwärmung beiträgt, und versprach, trotz Amerikas Rückzug aus dem Pariser Abkommen alles zu tun, um andere Länder zu mehr Klimaschutz anzuhalten.

          Alles tun? Auch an Crafts Arbeitsethos herrschen Zweifel. Mehr als die Hälfte ihrer Tage als Botschafterin in Kanada, so rechnete die Opposition ihr vor, verbrachte Craft außerhalb ihres Gastlandes. Allein 43 Mal sei sie mit ihrem Privatflugzeug nach Kentucky oder Oklahoma gereist, wo die Crafts Anwesen besitzen – und das in einer Zeit großer Spannungen zwischen Washington und Ottawa. Es ist allerdings nicht überliefert, dass sie dort sonderlich vermisst worden wäre. Denn längst weiß alle Welt: Letztlich ist Donald Trump sein eigener Botschafter.

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