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Modus der Präsidentenwahl : Für mehr Demokratie – oder nur für weniger Trump?

  • -Aktualisiert am

Wahlerfolg trotz Stimmminderheit: 2016 hatte Donald Trump fast 2,9 Millionen Stimmen weniger als Hillary Clinton. Bild: AP Photo/Andrew Harnik

In Amerika wollen einige Bundesstaaten das Wahlleutekollegium neutralisieren – damit nie wieder jemand die Präsidentenwahlen gewinnt, der nicht auch die Stimmenmehrheit der Gesamtbevölkerung hat. Kritik kommt von den Republikanern.

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          Mit der Unterschrift von Gouverneur Jared Polis ist Colorado nun der zwölfte Bundesstaat, der den „National Popular Vote Act“ auf den Weg gebracht hat. Zählt man die Hauptstadt Washington dazu, den „District of Columbia“, dann sind es sogar 13. Das Gesetz, das der Gouverneur am Freitag voriger Woche unterschrieben hat, beruht auf einer Vereinbarung unter den Bundesstaaten, das nach Ansicht seiner Befürworter die Demokratie in Amerika sichern werde: Nie wieder soll jemand siegreich aus Präsidentenwahlen hervorgehen, der nicht auch die Stimmenmehrheit der Gesamtbevölkerung gewonnen hat.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          In zwei der vergangenen fünf Rennen um das Weiße Haus war das der Fall: Der Republikaner George W. Bush lag im Jahr 2000 mehr als 540.000 Stimmen hinter dem Demokraten Al Gore. 2016 hatte Donald Trump sogar fast 2,9 Millionen Stimmen weniger als Hillary Clinton. Trotzdem hatte Bush im entscheidenden Gremium 271 Wahlleute auf seiner Seite und Gore nur 267. Trump gewann sogar 306 Wahlleute, während Clinton nur auf 232 Vertreter im „electoral college“ kam. Die Debatte darüber, ob und wie sich dieses indirekte und föderal organisierte Wahlverfahren über das Wahlleutekollegium reformieren lässt, fördert zutage, wie schillernd der Begriff der Demokratie ist.

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