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Sanders-Kommentar : Wer jagt Donald Trump?

Bernie Sanders will es noch einmal wissen. (Archivfoto) Bild: AFP

Bernie Sanders war Hillary Clinton 2016 nur knapp unterlegen. Jetzt will er es nochmal wissen. Doch es gibt gravierende Unterschiede zum Kampf um die Nachfolge Barack Obamas.

          Was wäre gewesen, wenn? Was wäre gewesen, wenn nicht Hillary Clinton 2016 in die Schlacht um das Weiße Haus gezogen wäre, sondern er, Bernie Sanders? Vielleicht hätte der Senator gegen Donald Trump gewonnen – und zwar allein schon deshalb, weil er nicht so unbeliebt wie die Frau des früheren Präsidenten war. Und weil der Medienmogul Trump nicht einen solchen, mit persönlicher Verunglimpfung gesättigten Vernichtungsfeldzug hätte führen können. Im Vorausscheid der Demokraten war Sanders Hillary Clinton – überraschend knapp – unterlegen. Er, der Außenseiter, schlug sich tapfer, ja bravourös. Und das war schon ein nicht zu übersehendes Warnsignal für die Kandidatin des „Systems“, als welche Clinton beschrieben und denunziert wurde.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

          „Was wäre“ aber ist nicht. Und 2020 ist nicht die Fortsetzung von 2016. Und dennoch will es Bernie Sanders noch einmal wissen; er bewirbt sich wieder um die Präsidentschaftskandidatur der Demokratischen Partei. Würde er nominiert, wäre er zum Zeitpunkt der Wahl, im November 2020, 79 Jahre alt. Jetzt aber hat es der Unabhängige – der sich selbst einen Sozialisten nennt – nicht nur mit einem Wettbewerber oder einer Wettbewerberin zu tun, sondern mit einem ganzen Schwarm von Möchtegernpräsidenten und Möchtegernoberbefehlshaberinnen. Das ist ein gravierender Unterschied zum Kampf um die Nachfolge Barack Obamas.

          Auch mehrere Senatorinnen wollen kandidieren

          Ein anderer Unterschied ist die Verschiebung der politischen Koordinaten der Demokratischen Partei. In den Kongress, vor allem in das Repräsentantenhaus sind nach der Zwischenwahl im vergangenen Herbst viele sogenannte Progressive eingezogen. In der Regel junge Politiker und Politikerinnen, die in der Wirtschafts-, Sozial- und Bildungspolitik Positionen einnehmen, die auch für europäische Verhältnisse als links gelten können. Viele sind linkslibertär, manche linkspopulistisch. Und so lassen sich auch diejenigen klassifizieren, die bisher ihre Bewerbung angekündigt haben; mehrere Senatorinnen sind darunter. Sanders wird es bei der innerparteilichen Vorentscheidung somit mit einer Konkurrenz zu tun haben, deren Profil sich von seinem nicht gravierend unterscheidet. Der wichtigste Unterschied: Sie ist, bislang jedenfalls, überwiegend weiblich und sie ist (viel) jünger.

          2020 wird Bernie Sanders nicht die Antwort der Demokraten auf Donald Trump sein (können). Die Partei muss den Spagat bewältigen zwischen dem in den Wertefragen eher gemäßigt konservativen, weißen Arbeitnehmermilieu und progressiven, linken, multikulturellen Wählergruppen und Minderheiten. In der Vergangenheit ist ihr dieser Spagat nicht gelungen. Die Ausnahme war, offensichtlich, Barack Obama. Der wurde 2008 gewählt, als die Republikanische Partei nach zwei Amtszeiten des jüngeren Bush darniederlag. Das Land war der Kriege in Afghanistan und im Irak müde, es steckte in einer tiefen Finanz- und Wirtschaftskrise. Es war eben Zeit für eine Veränderung.

          Aber das ist die Achillesferse der Demokraten: Sie haben fast überall die weiße Arbeiterschaft verloren. Mit seiner protektionistischen Agenda könnte Sanders einiges bei ihr erreichen. Und dann müssten all die anderen Gruppe der demokratischen Wählerkoalition, die der Linken zuneigen, in hinreichend großer Zahl zu ihm überlaufen. Kann ihm das gelingen? Es ist schwer vorstellbar, dass er derjenige sein könnte, der Trump aus dem Weißen Haus jagt. Wer aber wird der Jäger oder die Jägerin sein?

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