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Bidens „Busing“-Problem : Harris: „Dieses kleine Mädchen war ich“

  • -Aktualisiert am

Kamala Harris dominierte die zweite Debatte der Demokraten über weite Strecken. Bild: AFP

Kamala Harris, Senatorin aus Kalifornien, dominiert die zweite Debatte der Demokraten über weite Strecken. Der ehemalige Vizepräsident Joe Biden verteidigt politische Positionen von vor Jahrzehnten – und sieht dabei nicht immer gut aus.

          „Das amerikanische Volk will uns nicht beim Streiten um das Essen auf unserem Tisch zusehen, die wollen wissen, was wir auf ihren Tisch bringen!“ Kamala Harris erntete mit diesem Spruch den Applaus des Debattenpublikums in Miami, als sie sich spöttisch zwischen durcheinander redende Konkurrenten schaltete. Da lief sich die Senatorin aus Kalifornien gerade erst warm. Gemeinsam mit neun anderen Kandidaten war sie zur zweiten innerparteilichen Debatte der Demokraten beim Sender NBC angetreten. Mit den beiden Top-Favoriten Joe Biden und Bernie Sanders hatte das Los Harris zusammengebracht – aber auch mit Kandidaten wie Pete Buttigieg, Kirsten Gillibrand und Andrew Yang, die alle eine begeisterte Anhängerschaft mitgebracht hatten.

          Im Rennen um die demokratische Präsidentschaftskandidatur lag Harris bislang in den meisten Umfragen hinter Biden, Sanders und auch Elizabeth Warren, der Senatorin aus Massachusetts. Von der ehemaligen kalifornischen Justizministerin hatten viele Beobachter die Energie und Präzision erwartet, die sie beispielsweise in Befragungen im Kongress gezeigt hatte – ob es um die Nominierung von Brett Kavanaugh zum Obersten Gerichtshof ging oder um die Russland-Ermittlungen. Und Harris lieferte. Sie warb für ihre Steuererleichterungs-Pläne für Familien mit geringen und mittleren Einkommen. Sie begründete mit anschaulichen Beispielen, warum der Klimawandel als existenzielle Bedrohung behandelt werden müsse, warum Waffen besser kontrolliert werden sollten und warum es eine Krankenversicherung für Alle geben müsse.

          Zu viele Familien säßen mit fiebernden Kindern auf dem Parkplatz vor der Notaufnahme und rechneten durch, ob sie sich die Tausende Eigenbeteiligung leisten könnten, sagte Harris. Eine „3-Uhr-nachts-Agenda“ wolle sie auf die Beine stellen – benannt nach den schlaflosen Nächten, in denen viele Amerikaner über ihre knappen Finanzen und ihre zwei bis drei Jobs nachdenken müssten. „Niemand in Amerika sollte mehr als einen Job machen müssen, um Essen auf dem Tisch und ein Dach über dem Kopf zu haben“, sagte Harris. Kein Wunder, dass Bernie Sanders, der linke Senator aus Vermont, manchmal etwas verstimmt dreinschaute, wenn Harris sprach – war doch vieles, was die früher als eher „zentristisch“ geltende Senatorin da sagte, auch Teil seines eigenen Markenkerns. Auf all diesen Gebieten war Harris' Argumentation anschaulich und leidenschaftlich – aber ihre stärksten Momente kamen bei den Themen Einwanderung und Rassismus. Bei beiden griff sie Joe Biden direkt an.

          Die meisten Kandidaten bekannten sich dazu, keine „illegalen“ Einwanderer abzuschieben, die keine Straftaten begehen. Das war über lange Zeiträume auch die Praxis der amerikanischen Behörden gegenüber den etwa elf Millionen Menschen ohne gültiges Visum im Land. Wie schon in der ersten Debatte am Tag zuvor wurde deutlich, dass Einwanderung ein zentrales Wahlkampfthema ist – bereits am Mittwoch war es um die Kriminalisierung von Grenzübertritten ohne Papiere gegangen, die lange vom Zivilrecht behandelt wurden, mittlerweile aber eine Straftat sind. Wie schon am Vortag waren die meisten Kandidaten dafür, Grenzübertritte ohne Papiere wieder zu einem Vergehen statt einem Verbrechen zu machen.

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