https://www.faz.net/-gpf-8zvjh

John McCain : Auszeit für einen Aufrechten

  • -Aktualisiert am

Der Republikaner John McCain muss sich wegen einer Operation für einige Zeit aus der Politik zurückziehen. Bild: AFP

Die Operation John McCains verzögert die geplante Abstimmung über die Gesundheitsreform. Möglicherweise kann der Senator aus Arizona mehrere Wochen lang nicht nach Washington zurückkehren. Auch als Trump-Gegner wird der Republikaner schmerzlich vermisst.

          Auch das noch, mag sich der Mehrheitsführer im Senat, Mitch McConnell, gedacht haben, als er von John McCains Operation erfuhr – doch wenn dem so war, ließ er es sich nicht anmerken. McConnell musste die Abstimmung über die Gesundheitsreform verschieben, bis McCain sich erholt hat. Der Plan, das Krankenversicherungssystem Obamacare abzuschaffen und zu ersetzen, ist damit auf unbestimmte Zeit verschoben.

          Dem achtzigjährigen John McCain wurde am Freitag ein Blutgerinnsel entfernt, das über dem linken Auge saß. Seine eigenen Ärzte in Phoenix, Arizona, geben keine Interviews und sprachen in einem Statement von einer minimal-invasiven Prozedur. Doch Mediziner, die die „New York Times“ befragte, glauben, dass McCains Erholungszeit gut länger dauern könnte als ein paar Tage. Immerhin müsse bei der Prozedur der Schädel geöffnet werden. „In der Regel ist ein Blutgerinnsel in diesem Bereich eine sehr besorgniserregende Angelegenheit“, sagte Nrupen Baxi, Assistenzprofessor für Neurochirurgie am Albert Einstein College, der Zeitung. Andere Ärzte erklärten, es sei ein gutes Zeichen, dass McCain bereits zu Hause sei.

          Die entscheidende Stimme

          Im Senat benötigen die Republikaner jede Stimme. 50 von 52 Senatoren müssen für die neueste, noch immer hart umstrittene Vorlage zur Gesundheitsreform stimmen. Zwei Senatoren, Rand Paul aus Kentucky und Susan Collins aus Maine, kündigten bereits an, dass sie schon die Eröffnung der Debatte über den Entwurf ablehnen werden. Weitere Senatoren könnten folgen. Nun wollen die Republikaner die Zeit für weitere Verhandlungen zwischen den innerparteilichen Flügeln nutzen.

          McCains Stimme wäre rein rechnerisch entscheidend, es ist jedoch nicht vollkommen sicher, ob er der neuesten Vorlage überhaupt zustimmen würde. Er habe zwar keinen Zweifel daran, dass Obamacare abgeschafft werden müsse, sagte McCain vor seiner Erkrankung. Aber der neue Entwurf berücksichtige seine Verbesserungsvorschläge nicht. Der Senator wollte die Ausweitung von Medicaid, der Versorgung für Einkommensschwache, in seinem Staat Arizona nicht zurückdrehen. Zudem hatte er kritisiert, dass es keine öffentlichen Anhörungen gab. Nun könnte er versuchen, noch Änderungen ins Gesetz einzubringen. Wenn es am Ende zu keiner Einigung komme, sollten sich die Republikaner „Input von Senatoren beider Parteien holen, um zu einem System zu kommen, das allen Amerikanern eine gute und erschwingliche Versorgung sichert“, sagte McCain.

          Profilierter Trump-Gegner der Republikaner

          Viele Kollegen von John McCain wollen aber nicht nur wegen der Abstimmung ungern lange auf ihn verzichten. Denn der Achtzigjährige hat keinerlei Hemmungen, seine Abneigung gegen Donald Trump deutlich zu machen. Einige sehen in ihm ein unbequemes, aber wichtiges Korrektiv. In Washington hat McCain wegen seiner Unbeugsamkeit den Spitznamen „Maverick“, er sitzt seit 30 Jahren im Senat und wollte zweimal Präsident werden. Trumps Einreiseverbot kritisierte er als „selbst beigebrachte Wunde im Antiterrorkampf“, die geplante Mauer zu Mexiko als verrückt.

          Weitere Themen

          Neue Streiks vor Weihnachten? Video-Seite öffnen

          Einigung von Bahn und EVG : Neue Streiks vor Weihnachten?

          Die Deutsche Bahn und die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) haben sich in Berlin auf einen weitreichenden Tarifabschluss verständigt. Die Löhne steigen in zwei Stufen um insgesamt 6,1 Prozent.

          Heftige Proteste gegen die Regierung Video-Seite öffnen

          Gesetzesänderung in Ungarn : Heftige Proteste gegen die Regierung

          Die Demonstranten kritisieren unter anderem die Verabschiedung eines neuen umstrittenen Arbeitsgesetzes, das es Arbeitgebern ermöglichen soll, von ihren Angestellten bis zu 400 Überstunden pro Jahr verlangen zu können.

          Topmeldungen

          Einmal mehr hatte Paco Alcacer (Mitte) großen Anteil am Dortmunder Erfolg.

          Dortmunds 2:1 gegen Bremen : Wie berauscht

          Der Tabellenführer der Bundesliga ist derzeit nicht zu stoppen: Gegen Werder Bremen kommt die Borussia zu einem verdienten Heimerfolg und ist nun inoffizieller Herbstmeister. Kurz vor dem Schlusspfiff wird es nochmal turbulent.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.