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John Bolton : Er will sie das Fürchten lehren

John Bolton spricht, Außenminister Pompeo und Präsident Trump hören zu. Bild: AP

Trumps Sicherheitsberater trommelt seit Jahren für einen Militärschlag gegen Iran. Europäische Diplomaten halten ihn für einen Ideologen. Doch jetzt hat er das Ohr des Präsidenten für sich.

          Ich habe gewiss nicht zustande gebracht, was ich mit Iran tun wollte“, schrieb John Bolton in seinen Memoiren. Das war 2007, er war damals ein verbitterter Mann. Mit ihm selbst war es bergab gegangen: Seinen Posten als amerikanischer Botschafter bei den Vereinten Nationen hatte er aufgeben müssen. Und mit der gesamten Regierung von George W. Bush war es aus Boltons Sicht auch bergab gegangen. Hatte Bush in seiner ersten Amtszeit noch zwei Kriege begonnen, in Afghanistan und im Irak, die Bolton aus vollem Herzen unterstützte, setzte der Präsident nun wieder auf Diplomatie und Bündnispartner. In seiner Umgebung gaben Leute den Ton an, die Bolton als „Tauben“ verachtete, während er sich selbst für den letzten „Falken“ hielt.

          Thomas Gutschker

          Redakteur im Ressort Politik in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Doch waren dem Falken die Flügel gestutzt worden, gerade im Umgang mit Iran. „Ich war nicht in der Lage, genug Leute über mir davon zu überzeugen, wie ernst die Bedrohung durch Iran war“, schrieb Bolton im Rückblick. Er selbst war bereit, militärische Gewalt einzusetzen. Aber die Regierung war nach der Irak-Erfahrung vorsichtig geworden, und er mokierte sich über die neue Haltung: dass man jetzt der Welt immer „legitime Gründe“ für einen Waffengang nennen müsse. „Nach dem Irak war die Angst, von den Europäern getrennt zu werden, zu groß, als dass man sie hätte überwinden können, sogar in einer Regierung angeblicher unilateralistischer Cowboys.“ Es klang resigniert. Bolton war 58 Jahre alt, steckte eigentlich voller Tatendrang und hatte doch kein Spielfeld mehr.

          Inzwischen ist er siebzig, der Schnauzer ist immer noch grau, seine Haare sind es inzwischen auch. Aber jetzt ist er wieder im Spiel – und wie. Vor gut einem Jahr holte Donald Trump den alten Haudegen an seine Seite ins Weiße Haus: als Sicherheitsberater. Bolton hat den direkten Draht zum Präsidenten, keine sicherheitspolitische Entscheidung fällt mehr ohne sein Zutun. Oder entscheidet er schon selbst? Nicht der Verteidigungsminister war es, der kürzlich die Verlegung einer Flugzeugträger-Gruppe und einer Kampfbomber-Staffel in die Golfregion bekanntgab. Sondern der Sicherheitsberater. Bolton verknüpfte das mit der „klaren und unmissverständlichen“ Drohung an das iranische Regime, dass jeder Angriff auf die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten „mit unerbittlicher Gewalt“ beantwortet werde. Danach wurde berichtet, das Pentagon habe einen Plan ausgearbeitet, weitere 120000 Soldaten in den Nahen Osten zu verlegen, falls Iran amerikanische Kräfte angreife oder sein Nuklearprogramm beschleunige. Angeordnet worden sei das von – abermals: John Bolton.

          Es riecht jetzt plötzlich nach Krieg zwischen Amerika und Iran, den beiden Erzfeinden. Ob Washington sich zu Recht bedroht sieht, ist umstritten. Beobachter fühlen sich schon wieder an 2003 erinnert – damals, als Außenminister Powell dem Sicherheitsrat „Beweise“ dafür präsentierte, dass Saddam Hussein Massenvernichtungswaffen besitze. Sechs Wochen später begann der Irak- Krieg, ohne dass solche Waffen je gefunden wurden. Bolton war unbedingt dafür, den irakischen Diktator zu stürzen. Und mit Iran hat er noch eine Rechnung offen. Jetzt könnte die Gelegenheit kommen, sie zu begleichen.

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