https://www.faz.net/-gpf-9n5lr
Bildbeschreibung einblenden

John Bolton : Er will sie das Fürchten lehren

John Bolton spricht, Außenminister Pompeo und Präsident Trump hören zu. Bild: AP

Trumps Sicherheitsberater trommelt seit Jahren für einen Militärschlag gegen Iran. Europäische Diplomaten halten ihn für einen Ideologen. Doch jetzt hat er das Ohr des Präsidenten für sich.

          6 Min.

          Ich habe gewiss nicht zustande gebracht, was ich mit Iran tun wollte“, schrieb John Bolton in seinen Memoiren. Das war 2007, er war damals ein verbitterter Mann. Mit ihm selbst war es bergab gegangen: Seinen Posten als amerikanischer Botschafter bei den Vereinten Nationen hatte er aufgeben müssen. Und mit der gesamten Regierung von George W. Bush war es aus Boltons Sicht auch bergab gegangen. Hatte Bush in seiner ersten Amtszeit noch zwei Kriege begonnen, in Afghanistan und im Irak, die Bolton aus vollem Herzen unterstützte, setzte der Präsident nun wieder auf Diplomatie und Bündnispartner. In seiner Umgebung gaben Leute den Ton an, die Bolton als „Tauben“ verachtete, während er sich selbst für den letzten „Falken“ hielt.

          Thomas Gutschker

          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Benelux-Länder mit Sitz in Brüssel.

          Doch waren dem Falken die Flügel gestutzt worden, gerade im Umgang mit Iran. „Ich war nicht in der Lage, genug Leute über mir davon zu überzeugen, wie ernst die Bedrohung durch Iran war“, schrieb Bolton im Rückblick. Er selbst war bereit, militärische Gewalt einzusetzen. Aber die Regierung war nach der Irak-Erfahrung vorsichtig geworden, und er mokierte sich über die neue Haltung: dass man jetzt der Welt immer „legitime Gründe“ für einen Waffengang nennen müsse. „Nach dem Irak war die Angst, von den Europäern getrennt zu werden, zu groß, als dass man sie hätte überwinden können, sogar in einer Regierung angeblicher unilateralistischer Cowboys.“ Es klang resigniert. Bolton war 58 Jahre alt, steckte eigentlich voller Tatendrang und hatte doch kein Spielfeld mehr.

          Inzwischen ist er siebzig, der Schnauzer ist immer noch grau, seine Haare sind es inzwischen auch. Aber jetzt ist er wieder im Spiel – und wie. Vor gut einem Jahr holte Donald Trump den alten Haudegen an seine Seite ins Weiße Haus: als Sicherheitsberater. Bolton hat den direkten Draht zum Präsidenten, keine sicherheitspolitische Entscheidung fällt mehr ohne sein Zutun. Oder entscheidet er schon selbst? Nicht der Verteidigungsminister war es, der kürzlich die Verlegung einer Flugzeugträger-Gruppe und einer Kampfbomber-Staffel in die Golfregion bekanntgab. Sondern der Sicherheitsberater. Bolton verknüpfte das mit der „klaren und unmissverständlichen“ Drohung an das iranische Regime, dass jeder Angriff auf die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten „mit unerbittlicher Gewalt“ beantwortet werde. Danach wurde berichtet, das Pentagon habe einen Plan ausgearbeitet, weitere 120000 Soldaten in den Nahen Osten zu verlegen, falls Iran amerikanische Kräfte angreife oder sein Nuklearprogramm beschleunige. Angeordnet worden sei das von – abermals: John Bolton.

          Es riecht jetzt plötzlich nach Krieg zwischen Amerika und Iran, den beiden Erzfeinden. Ob Washington sich zu Recht bedroht sieht, ist umstritten. Beobachter fühlen sich schon wieder an 2003 erinnert – damals, als Außenminister Powell dem Sicherheitsrat „Beweise“ dafür präsentierte, dass Saddam Hussein Massenvernichtungswaffen besitze. Sechs Wochen später begann der Irak- Krieg, ohne dass solche Waffen je gefunden wurden. Bolton war unbedingt dafür, den irakischen Diktator zu stürzen. Und mit Iran hat er noch eine Rechnung offen. Jetzt könnte die Gelegenheit kommen, sie zu begleichen.

          Weitere Themen

          Geschichten der Ohnmacht

          Assads Vormarsch in Idlib : Geschichten der Ohnmacht

          Die syrischen Truppen rücken in Idlib ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung vor. Die Türkei hält mit Unterstützung für die Rebellen dagegen – aber nur, solange das Moskau nicht zu sehr verärgert.

          CDU, CSU und SPD demonstrieren Harmonie Video-Seite öffnen

          Grundrente und AKK-Nachfolge : CDU, CSU und SPD demonstrieren Harmonie

          Nach monatelangem Ringen hat die Bundesregierung den Gesetzentwurf zur Grundrente beschlossen. Bei der Pressekonferenz in Berlin stellen gleich drei Minister von CDU, CSU und SPD die Ergebnisse vor. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn betont dabei den besonderen Konsens in seiner eigenen Partei – nicht nur beim Thema Grundrente.

          Topmeldungen

          Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht neben Sanna Marin, Ministerpräsidentin von Finnland, bei der Pressekonferenz im Bundeskanzleramt.

          CDU-Vorsitzender gesucht : Merkel hält sich raus

          Die Bundeskanzlerin hält an ihrem Grundsatz fest: Den CDU-Vorsitz und einen potentiellen Nachfolger für sie soll die Union ohne sie klären. Norbert Röttgen will die Mitglieder fragen.

          Resilienz : Überleben im Büro

          Der Druck am Arbeitsplatz nimmt zu, die Zahl der psychischen Erkrankungen auch. Die Last bringt manche an ihre Grenzen. Doch es gibt Wege, um Kraft zu schöpfen für den täglichen Kampf im Arbeitsleben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.