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Joe Biden räumt ab : Eine bittere Enttäuschung für Bernie Sanders

Joe Biden feierte sich am Dienstagabend ohne großes Publikum, aber dafür an symbolträchtigem Ort: Er trat mit seiner Frau Jill Biden im Verfassungsmuseum „National Constitution Center“ in Philadelphia vor die Presse. Bild: AFP

Muss man Feuer mit Feuer bekämpfen – den Rechtspopulisten Trump also mit dem Linkspopulisten Sanders? Die meisten Demokraten sehen das anders. Unabsehbar bleibt der Wahlkampf dennoch.

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          Keine Frage, Joe Biden hat einen Lauf. Auch am „Kleinen Super-Dienstag“, bei dem in sechs Bundestaaten Vorwahlen abgehalten wurden, hat der frühere Vizepräsident im Kampf um die Präsidentschaftskandidatur der Demokratischen Partei gut bis sehr gut abgeschnitten. Vor allem in Michigan hat er seinen Rivalen Bernie Sanders in die Schranken gewiesen. In dem Bundestaat waren am Dienstag nicht nur die meisten Delegiertenstimmen zu vergeben. Es war auch der Staat, in dem der sozialistische Senator aus Vermont vor vier Jahren Hillary Clinton überraschend bezwungen hatte. Die Wiederholung ist ihm nicht gelungen – für Sanders ist das eine herbe Enttäuschung mit womöglich bleibender Wirkung.

          Denn nunmehr dürfte der Kampf um den Sieg, die Mehrheit der Delegiertenstimmen, für ihn mehr und mehr verzweifelte Züge annehmen. Dabei hatte es für Sanders vor ein paar Wochen noch so gut begonnen. Doch seit der Vorwahl im Bundesstaat South Carolina hat sich das Blatt gewendet, aus einem Mehrkampf ist ein Zweikampf geworden, in dem Biden nun die Nase ein ganzes Stück vorne hat, während die Siegestrophäe für Sanders immer ferner rückt.

          Für Biden spricht, dass seine Konkurrenten um die Stimmen der „gemäßigten“ demokratischen Wähler alle ausgeschieden sind und sich hinter ihn gestellt haben; ganz so, wie es die aufgeschreckt Parteiführung gewollt hatte. Zudem haben sich die Schwarzen, die einen beachtlichen Teil der demokratischen Wählerkoalition ausmachen, nahezu vollständig hinter ihn versammelt. Sie halten treu zu Obamas Vizepräsidenten. Dessen Schwäche allerdings bleiben eine wenig inspirierende Kampagne und seine rhetorischen Aussetzer; dem Enthusiasmus der jungen Unterstützer seines Rivalen und der zum Zeitgeist passenden Authentizität Sanders' hat er nicht soviel entgegenzusetzen.

          Was Biden bleibt, ist sein Versöhnungsappell an diejenigen, die Amerikas Zukunft nicht darin sehen, Feuer mit Feuer zu bekämpfen, auf einen Rechtspopulisten im Weißen Haus also mit einem vergleichsweise radikalen Linkspopulisten zu reagieren. Die entscheidende Frage nach Bidens Wählbarkeit für viele weiße und Latino-Wähler, von denen überraschend viele für Sanders gestimmt haben, ist nicht endgültig geklärt. Sollte es aber weiterhin so gut laufen wie zuletzt, wird sie am 3. November beantwortet. Immerhin. Und wer weiß, was bis dahin nicht noch alles passiert – siehe Corona? Wer weiß, wohin Bidens „Comeback“ ihn noch trägt?

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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