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Sanders gibt auf : Votum für die Wählbarkeit

In einer Videobotschaft gab Bernie Sanders seinen Rückzug bekannt. Bild: AFP

Sanders hat seine Anhänger begeistert – aber nicht die Skeptiker überzeugt: Einen Globalisierungsfeind wollen die Demokraten nicht nominieren. Kann Biden Trump bezwingen?

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          Bernie Sanders gibt auf. Er, der gerade junge Leute in den Vereinigten Staaten so sehr begeisterte wie schon vor vier Jahren, hat sich gefügt: weniger, weil die Führung und das sogenannte Establishment der Demokratischen Partei es so wollten, sondern weil er erkannte, dass sein Unterfangen, Präsidentschaftskandidat der Demokraten zu werden, zusehends aussichtslos geworden war.

          In Zeiten, in denen Covid-19 in Amerika wütet, ist an einen normalen Wahlkampf schon lange nicht mehr zu denken. Selbst wenn man meinen konnte, dass die europäisch anmutenden gesundheitspolitischen Ziele von Sanders jetzt vielleicht noch mehr Resonanz finden, so ist letztlich seine Wählerbasis zu klein gewesen. Als Don Quijote der amerikanischen Politik wollte er denn doch nicht die Wochen und Monate bis zum – bereits in den August verschobenen – Nominierungsparteitag bestreiten.

          Sanders hatte 2016 Hillary Clinton hart zugesetzt und hat sich auch 2020 achtbar geschlagen. Dennoch: Einen globalisierungskritischen Linken wollen die Demokraten dann doch nicht in den Kampf ums Weiße Haus schicken.

          Joe Biden ist nicht über Zweifel erhaben

          Den Amtsinhaber, Donald Trump, wird somit Joe Biden herausfordern. Der ehemalige Vizepräsident und langjährige Senator ist alles andere als über jeden Zweifel erhaben. In den Vorwahlen ist er erst spät in die Gänge gekommen, er schweift oft ab; wenn er redet, weiß man nicht, was dabei herauskommt. Zwölf Jahre, nachdem der junge Barack Obama die Leute elektrisiert hatte, ist das, was für Biden spricht oder zu sprechen scheint, seine mutmaßlich größere Wählbarkeit. Die Vermutung größerer Wählbarkeit ist ja der Grund, warum Trump eine Verleumdungskampagne gegen ihn angezettelt hatte.

          Aber es spricht nicht gerade für das Personalreservoir der Demokraten, dass ihre Hoffnungen auf einem Politiker im 78. Lebensjahr ruhen, der seine besten Tage erkennbar hinter sich hat. Dass die Europäer mit einem Präsidenten Biden, dem man den Wert von Bündnissen und Partnerschaften nicht beibringen muss, viel besser leben könnten als mit dem Nationalisten Trump, steht auf einem anderen Blatt.

          Doch wer weiß schon, was bis zur Wahl Anfang November noch alles geschehen und in welcher Verfassung Land und Leute dann sein werden – und ob sie das Krisenmanagement Trumps überzeugt hat oder nicht. Dass der Präsident dann sein bis vor kurzem stärkstes Blatt, die robuste Wirtschaft, nicht wird ausspielen können, ist klar. Die amerikanische Wirtschaft wird sich noch im Herbst nicht von ihrem Absturz erholt haben; das wird sie auf lange Zeit nicht.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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