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Schwiegersohn Kushner : Trumps Mann für alles

Jüdische Tradition

Die Nazis haben den Familien von Kushners jüdischen Großeltern im heutigen Weißrussland unvorstellbares Leid zugefügt. Den beiden gelang die Flucht, doch auf die ersehnte Umsiedlung nach Amerika mussten sie viele Jahre lang in einem italienischen Auffanglager warten, weil Washingtons Aufnahmequoten erschöpft waren.

Vettern von Jared Kushner waren empört, als dieser im vorigen Sommer unter Verweis auf seine Großeltern Trump vor Antisemitismus-Vorwürfen in Schutz nahm, die sich der Kandidat mit einem Retweet eingefangen hatte. Schließlich, so klagten sie, vertrete Trump mit dem vorgeschlagenen Einreiseverbot für Muslime eine vergleichbare Politik.

Vor nicht allzu langer Zeit hätte Jared Kushner vermutlich selbst so argumentiert. Weggefährten erzählen etwa, dass er ihnen vor Jahren leicht verschämt versichert habe, sein Schwiegervater meine nicht ernsthaft, dass Präsident Barack Obama kein Amerikaner sei. Doch dann begleitete Kushner seinen Schwiegervater auf dessen Bitten im Wahlkampf, und was er auf den Massenkundgebungen sah, wirkte wie ein Erweckungserlebnis.

Politische Wandlung im Wahlkampf

Das „New York Magazine“ hat diese Woche über ein Treffen von New Yorker Wirtschaftsvertretern berichtet, auf dem Kushner seine politische Wandlung offenherzig beschrieb. Demnach bekannte er sich dazu, in Manhattan in einer „Blase“ gelebt zu haben. Das habe etwa bedeutet, die Einwanderungspolitik aus dem Blickwinkel der Arbeitgeber im Silicon Valley und die Klimapolitik nur unter dem Gesichtspunkt der Emissionen und nicht etwa der Bergarbeiter zu betrachten. Im Wahlkampf seien ihm die güldenen Scheuklappen entrissen worden.

Nun war Kushner ernsthaft an Bord. Er hielt den Kontakt zur immer wieder bockigen Republikanischen Partei, beriet seinen Schwiegervater bei der Auswahl eines Vizepräsidenten und fädelte geräuschlos mit der mexikanischen Regierung die Reise des Kandidaten in die Höhle der Löwen ein. Emissäre der deutschen Regierung wurden von Kushner ebenso empfangen wie der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe, der wenige Tage nach der Wahl Trump in New York besuchte.

Lob vom Hardliner Bannon

Kushner wird als mäßigender Faktor auf Trump angesehen. Viele Skeptiker in der Republikanischen Partei und darüber hinaus fanden Trost in der ruhigen, besonnenen Art des Schwiegersohns, wenn Trump wieder einmal Porzellan zerschlagen hatte.

Öffentlich hat sich Kushner nur sehr selten geäußert. Ohnehin ist es fraglich, ob er die Absicht hat, Trump inhaltlich zu bremsen. Seine Loyalität erstreckt sich nicht nur auf seinen Schwiegervater, sondern auch auf dessen letzten Wahlkampfchef Stephen Bannon, den viele Rechtsradikale als Helden verehren. Bannon hat für seinen vielleicht engsten Verbündeten im Trump-Team nur Lob übrig: „Für einen Typen, der zu den Fortschrittlichen gehörte, hat er unsere Graswurzelbewegung voll und ganz verstanden.“

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