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Ivanka Trump in Deutschland : Darth Vaders Nachfolger

Ivanka Trump, ihr Ehemann Jared Kushner und die Kinder Arabella Rose und Joseph Frederick verlassen die Air Force One in West Palm Beach, Florida. Bild: dpa

Für Stephen Bannon sieht es finster aus. Ivanka Trump und ihr Mann Jared Kushner stehen in der Gunst des Präsidenten. Warum ein guter Draht zu ihnen der Kanzlerin nutzen könnte.

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          Der Tweet am Dienstagmorgen klang aufgebracht. „Bin ich der Einzige, der es völlig absurd findet, dass die Bundeskanzlerin jetzt Außenpolitik mit der Tochter von Donald Trump macht?“ Wie empört der SPD-Bundestagsabgeordnete Lars Klingbeil am Ende tatsächlich war, ist offen. Auf den ersten Blick jedoch scheint es in der Tat ungewöhnlich, was am Dienstagmittag passieren wird. Da nimmt auf persönliche Einladung der deutschen Bundeskanzlerin eine Tochter des amerikanischen Präsidenten an einem Gipfel in Berlin teil, um mit ihr auf demselben Podium zu diskutieren. Doch der erste Eindruck täuscht.

          Ivanka Trump ist, wenn auch offiziell nur unbezahlte Assistentin im Weißen Haus, zur wichtigsten Botschafterin ihres Vaters geworden. Zusammen mit ihrem Mann Jared Kushner ist die 35 Jahre alte Unternehmerin inzwischen nach Einschätzung zahlreicher Beobachter zudem zur einflussreichsten Beraterin des amerikanischen Präsidenten aufgestiegen. Das milliardenschwere Powerpaar habe Steve Bannon inzwischen den Rang abgelaufen, schreibt die „New York Times“. Zumindest für den Augenblick.

          Dabei wirken die beiden wie ein Gegenentwurf zu Trumps Chefberater, der sich in einem seiner seltenen Interviews darin gefiel, als „Darth Vader“ der neuen Regierung gesehen zu werden. Hier das junge, gut aussehende und weltoffene New Yorker Oberschichtpaar. Dort der zerzaust wirkende, wütende alte Mann. „Finsternis ist gut“, sagte der ehemalige Chef des umstrittenen Nachrichtenportals Breitbart, der für isolationistische und xenophobe Gruppen in Trumps Wählerschaft als Garant ihrer Interessen im Weißen Haus gilt in einem seiner seltenen Interviews. Auf manchem Titelblatt erschien er danach als Strippenzieher, als eigentlicher Kopf Amerikas, der den Präsidenten steuere. Verwertbare Ratschläge für Donald Trump lieferte er wenig. Im Gegenteil. Bei den mit ihm verbundenen Vorhaben wie dem Mauerbau an der mexikanischen Grenze, der Abschaffung von Obamacare und nicht zuletzt der Aussperrung Asylsuchender aus mehreren islamischen Ländern kam die Regierung nicht voran, beziehungsweise tritt sie bis heute auf der Stelle. Bannon verlor inzwischen seinen ständigen Sitz im Nationalen Sicherheitsrat, den er erst im Januar auf persönliche Anordnung Trumps erhalten hatte.

          Bannon schwadronierte, Kushner arbeitete

          Kushner wie Ivanka Trump sind in Unternehmerfamilien groß geworden und gewohnt, in Leistungsbilanzen zu denken. Ihnen dürfte missfallen haben, dass Präsident Trump durch die Einflüsterungen Bannons nach fast hundert Tagen im Amt keinerlei sichtbare Erfolge verbuchen konnte. Ebenso wie Donald Trump selbst.

          Während Bannon von „Darth Vader“ schwadronierte nutzte Trumps Schwiegersohn Jared Kushner, der schon eine tragende Rolle für seinen Wahlkampferfolg spielte, die Zeit, sich im Stillen in wichtige außenpolitische Themen einzuarbeiten, Beziehungen zu knüpfen und Ansatzpunkte zu erarbeiten, sei es im Nahen Osten, mit China oder mit Mexiko. Zugleich kümmerte er sich darum, die Arbeit der Regierung umzukrempeln. In seinem Sinne. Als der chinesische Staatschef Xi Jinping Trump in dessen Anwesen Mar-a-Lago in Florida besuchte, saß Ivanka mit ihrem Ehemann prominent mit am Tisch. Bannon hingegen blieb in Washington.

          Während Jared Kushner direkt zum Berater des Präsidenten wurde, hatte Trumps älteste Tochter zunächst gar nicht vor, in der Regierung ihres Vaters eine offizielle Rolle zu spielen. Beobachtern zufolge sieht sie sich als Wächterin der Familieninteressen. Ihr Vater, so heißt es, höre ihr stets zu – auch wenn er nicht immer ihren Rat befolge, und wenn, ihn Tage später erst ohne Nennung ihres Namens gegenüber anderen erwähne. Ein unsichtbares Vorgehen, ganz im Stil der deutschen Kanzlerin.

          Ihren Einstieg in die Regierungsarbeit freilich nutzte sie dann doch dazu, sich als Gegenpol zu Bannon zu inszenieren. In einem Interview sagte Trump über ihre Motivation, sie wünsche eine „eine Kraft des Guten zu sein und einen positiven Beitrag zu leisten“.

          In erster Linie ist Ivanka Trump dem Erfolg ihres Vaters verpflichtet

          Doch sollte man sich in Ivanka Trump nicht täuschen. Wie ihr Mann ist sie in erster Linie offenbar nicht ihrer Lebenseinstellung oder ihrer Weltsicht verpflichtet, sondern der eigenen Familie und damit dem Erfolg ihres Vaters. Die Schauspielerin Scarlett Johansson, eine ihrer Freundinnen, beschrieb sie jüngst als „wortgewandt, intelligent und einnehmend“. Doch sei sie „enttäuscht“ von den „altmodischen“ Ansichten vor allem in Hinsicht auf das Frauenbild, die die Tochter und Beraterin von Amerikas Präsident Donald Trump in Interviews immer wieder äußere.

          Egal wie sie sich heute auf dem Podium äußert. Für Angela Merkel könnte der direkte Draht zu Ivanka Trump in den kommenden Monaten noch eine wichtige Rolle spielen. Diskret und in aller Stille.

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