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Geistige Gesundheit : Ist Donald Trump noch zurechnungsfähig?

  • -Aktualisiert am

Von den Republikanern ist dabei bislang keine Unterstützung zu erwarten. Sie können mit Trump ihre politischen Ziele umsetzen. Mit der Steuerreform haben sie gerade erst einen großen politischen Erfolg gefeiert. Zwar ist die Partei nach wie vor innerlich uneins und die Liste der Schwierigkeiten mit Trump ist lang – aber das bedeutet noch lange nicht, dass eine Mehrheit der Republikaner den Präsidenten loswerden will.

Vor dem Nordkorea-Tweet waren die meisten bereit, sich mit Trump zu arrangieren und seine Ausfälle in Kauf zu nehmen. „Die Tendenz der Republikaner war anti-alarmistisch“, sagte Bill Kristol vom konservativen Magazin „The Weekly Standard“ gegenüber „Politico“. Nun würden aber auch einige Republikaner unruhig. Am Mittwoch, unter dem Eindruck des Atomknopf-Tweets von Trump, twitterte Kristol, der als eine der einflussreichsten konservativen Stimmen in Washington gilt: „Ich vertraue darauf, dass der Vizepräsident seine Juristen angewiesen hat, einen Entwurf zu schreiben, mit dem die Machtübergabe nach dem 4. Abschnitt des 25. Verfassungszusatzes geregelt werden kann, falls das plötzlich gebraucht wird, und dass er das mit Stabschef Kelly abgesprochen hat.“ Richard Painter, ehemals Ethik-Anwalt unter George W. Bush, twitterte: „Dieser Tweet allein reicht als Grundlage für eine Entfernung aus dem Amt nach dem 25. Verfassungszusatz. Dieser Mann sollte keine Atomwaffen haben.“

Trumps Persönlichkeit steht damit abermals im Fokus der Aufmerksamkeit. Auch das Buch „Fire and Fury: Inside the White House“ von Michael Wolff gibt der Debatte neuen Auftrieb. Wolff behauptet darin, dass viele von Trumps engsten Mitarbeitern ihn für ungeeignet für die Präsidentschaft halten. Das bestätigt, was andere schon lange zu wissen glauben: „Er ist so süchtig nach Lobhudeleien und so allergisch noch gegen die legitimste Kritik, dass er emotional hilflos ist, dauernd gegen Schatten boxend und sich vor der Wahrheit duckend. In seinem Kopf ist keiner fair zu ihm, denn Fairness bedeutet, dass es ihm erlaubt ist, mit Leichtigkeit zu lügen, sich straffrei zu bereichern und die Regeln zu brechen, ohne dass es irgendwelche Folgen hat“, kommentierte die „New York Times“.

Trump-Biograf Michael D’Antonio schrieb bei CNN, Trump lebe vom konstanten Rausch der Aufmerksamkeit – das sei schon seit Jahrzehnten so. „Diese Dynamik ist ihm so in Fleisch und Blut übergegangen, dass er nur noch in Relation zu dem lebt, was andere über ihn sagen. Die Worte, egal ob geschrieben, gesagt oder getwittert, geben ihm das Gefühl, am Leben zu sein. Ignoriert zu werden ist schmerzhaft.“

Damit mag die Mentalität des Präsidenten treffend beschrieben sein. Dass er so tickt, heißt aber eben nicht, dass Trump keinen Erfolg hat. Nicht umsonst weisen Wissenschaftler darauf hin, dass auch narzisstisch gestörte Menschen sich hervorragend an die Verhältnisse anpassen und sehr erfolgreiche Karrieren aufbauen können. Und innerhalb der Logik von D’Antonios Diagnose wäre Präsident der Vereinigten Staaten geradezu der beste Job, um keine Aufmerksamkeitsdefizite erleiden zu müssen.

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